JPMorgan hat die Coverage von SK Hynix aufgenommen und empfiehlt die Aktie mit „Overweight“. Das Kursziel von 245 US-Dollar für Juni 2027 liegt rund 20 Prozent über dem aktuellen ADR-Kurs. Die Analysten begründen ihre Einschätzung mit einem Speicherzyklus, der nach ihrer Prognose länger als fünf Jahre anhalten dürfte – getrieben von der anhaltenden Nachfrage nach KI-Speicherchips.
Konkret rechnet JPMorgan mit einem jährlichen Gewinnwachstum je Aktie von 34 Prozent über zwei Jahre, bei einer Bruttomarge von rund 76 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026/27 liege bei etwa 7,1 – aus Sicht der Bank angesichts der Wachstumsdynamik günstig bewertet.
Mehr als die Hälfte der Produktionskapazität sei bereits über langfristige Lieferverträge gebunden, mehr als die Hälfte des freien Cashflows soll an die Aktionäre zurückfließen. Die Bank sieht steigende Verkaufspreise für Speicherchips mindestens bis zum vierten Quartal 2028.
Damit reiht sich JPMorgan in eine Reihe optimistischer Stimmen ein. Bank of America hatte die Aktie zuvor auf „Buy“ mit Kursziel 250 Dollar hochgestuft, Analystenziele am Markt bewegen sich insgesamt zwischen 240 und 320 Dollar. Auch das südkoreanische Analysehaus Mirae Asset hob sein Kursziel jüngst von 2,8 auf 3,1 Millionen Won an.
ADR-Prämie zeigt hohe Nachfrage aus Übersee
Die im Juli in den USA gelisteten SK-Hynix-ADRs handeln deutlich über dem Kurs der Seoul-notierten Stammaktien. Am Mittwoch schloss das ADR-Papier bei 198,63 Dollar, ein Plus von 7,05 Prozent und ein neues Rekordhoch – umgerechnet entspricht das einer Prämie von rund 43,6 Prozent gegenüber der Seoul-Aktie.
Koreanische Anleger kauften seit dem Listing im Juli netto Positionen im Volumen von rund 730 Millionen Dollar. Am Donnerstag gab das ADR im US-Handel dann zeitweise um 4,72 Prozent nach, im Zuge eines breiteren Rückzugs bei Speicherchip-Werten wie Micron und SanDisk.
An der Heimatbörse in Seoul zeigt sich das Bild ruhiger: Die Aktie notiert aktuell bei 1.859.000 Won, ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 1.856.000 Won. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 16 Prozent, über 30 Tage auf 30 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von 186 Prozent zu Buche – auch wenn der Titel damit noch rund 38 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 25. Juni bei 2.987.000 Won liegt.
Knappes Speicherangebot stützt die These
Hinter dem Optimismus der Analysten steht eine handfeste Angebotsknappheit. Nach Einschätzung von KB Securities verfügen sowohl Samsung Electronics als auch SK Hynix derzeit über weniger als zehn Tage an Speicherbestand.
Die Marktforscher rechnen für 2027 mit einer möglicherweise historischen Verknappung, da KI-Server zunehmend HBM-Speicher, Server-DDR5 und Enterprise-SSDs absorbieren. Auch UBS geht davon aus, dass DRAM und NAND bis 2027 knapp bleiben.
Nicht alle Stimmen sind ungetrübt zuversichtlich. Korea Ratings warnte auf einem Seminar an der Korea Exchange, dass sich eine Abschwächung der Speicher-Nachfrage zuerst an den Finanzmärkten zeigen dürfte, da KI-Infrastrukturinvestitionen zunehmend von externer Finanzierung abhängen.
Langfristige Lieferverträge würden die Volatilität zwar dämpfen, den zugrundeliegenden Zyklus aber nicht beseitigen. Auch Goldman Sachs sieht den Branchendruck zwar nachlassen, verweist aber weiterhin auf zyklische Risiken.
Für Anleger bleibt SK Hynix damit ein Papier mit hoher Schwankungsbreite: Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 117 Prozent. Die Aktie profitiert derzeit von ihrer Schlüsselrolle im südkoreanischen Aktienmarkt – zusammen mit Samsung Electronics zeichnete SK Hynix laut der Notenbank für 99 Prozent des Anstiegs des KOSPI von 8.000 auf 9.000 Punkte verantwortlich.
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