SK Hynix demonstriert Stärke und Schwäche fast im selben Atemzug. Am Freitag genehmigte der Speicherchip-Hersteller aus Icheon eine Investition von 54,3 Billionen Won in zwei neue Fabriken – eine der größten Kapazitätsoffensiven seiner Geschichte. Zur gleichen Zeit rauschte die Aktie an der Börse in Seoul weiter nach unten, belastet von Berichten, dass Nvidia seine Speicheranforderungen für kommende KI-Chips zurückschrauben könnte.

Milliardenwette auf Yongin und Cheongju

Laut Seoul Economic Daily entschied der Vorstand, 35,2 Billionen Won in die neue DRAM- und HBM-Fabrik Y2 im Cluster Yongin zu stecken. Der Baubeginn ist für Juli 2027 vorgesehen, der erste Reinraum soll im Juni 2029 stehen. Weitere 19,1 Billionen Won fließen in die NAND-Fabrik M17 in Cheongju, deren Bau im Februar 2027 beginnt und deren erster Reinraum bis Dezember 2028 fertig sein soll. Nach Angaben von SiliconANGLE ist das Vorhaben Teil eines übergeordneten Investitionsplans des Konzerns von rund 430 Milliarden Dollar. SK Hynix begründet den Ausbau mit der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Speicherchips. Parallel dazu prüft der Konzern laut Bloomberg, Optionen für sein Werk in Chongqing zu ziehen – möglich wäre der Einstieg externer Investoren, wobei die Anlage mit rund drei Milliarden Dollar bewertet würde. Zudem beschloss der Vorstand eine Quartalsdividende von 375 Won pro Aktie.

Die Investitionsentscheidung fällt in eine Phase, in der laut TrendForce die Vertragspreise für DRAM im dritten Quartal um 13 bis 18 Prozent und für NAND um 10 bis 15 Prozent steigen dürften – nach einem bereits kräftigen Anstieg im Vorquartal. Berichten von IGN und DigiTimes zufolge, die von den Unternehmen bislang nicht bestätigt wurden, haben Samsung, SK Hynix und Micron ihre gesamte für 2027 geplante DRAM- und HBM-Produktionskapazität bereits an KI-Firmen verkauft, teils über Lieferverträge mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren.

Nvidia-Bericht schickt die Aktie auf Talfahrt

Der Ausbau kommt jedoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Anleger. The Information berichtete, Nvidia erwäge, die HBM-Kapazität seines kommenden Rubin-Ultra-Chips deutlich zu reduzieren – von ursprünglich angekündigten ein Terabyte HBM4E auf Testmuster mit lediglich 192 bis 256 Gigabyte, teils sogar mit dem älteren HBM4-Standard statt HBM4E. Die Nachricht traf einen Markt, der ohnehin auf Kapazitätssignale der Grafikchip-Schmiede sensibel reagiert, und löste an der Börse in Seoul einen Ausverkauf bei Speicherwerten aus.

Die SK-Hynix-Aktie schloss am Freitag bei 1.422.000 Won und büßte damit 4,88 Prozent ein. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Verlust auf 31,5 Prozent. Vom Rekordhoch bei 2.987.000 Won, das die Aktie erst am 25. Juni erreicht hatte, trennen das Papier inzwischen mehr als 52 Prozent. Trotz des Absturzes bleibt der Wert seit Jahresbeginn noch immer deutlich im Plus – ein Beleg dafür, wie außergewöhnlich die vorangegangene Rally gewesen war.

Rekordquartal verfehlt die hohen Erwartungen

Hinter dem Kursrutsch steckt auch ein verpasster Wall-Street-Wink: Im zweiten Quartal erzielte SK Hynix einen Umsatz von 79,32 Billionen Won, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und einen operativen Gewinn von 60,54 Billionen Won – ein Zuwachs von 557 Prozent und ein Rekordwert für den Konzern. Die operative Marge kletterte auf 76,3 Prozent. Dennoch blieben Umsatz und Gewinn hinter den Konsensschätzungen von rund 84 beziehungsweise 64 Billionen Won zurück. Nach Angaben von Counterpoint Research zog ausgerechnet Samsung im DRAM-Marktanteil im zweiten Quartal an SK Hynix vorbei. Neil Shah von Counterpoint Research ordnete den Kapazitätsausbau dennoch als langfristig gerechtfertigt ein: Die neuen Werke zielten auf das Jahr 2029 und danach, während die Speicherpreise bis Ende 2028 hoch bleiben dürften.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich. Die Investitionsentscheidung signalisiert Vertrauen des Managements in die langfristige KI-Speichernachfrage, während der mögliche Rückzug von Nvidia bei den HBM-Spezifikationen kurzfristig Unsicherheit über Auslastung und Preisgestaltung schafft. Ob sich die Aktie von diesem Doppelsignal erholt, dürfte davon abhängen, wie Nvidia seine endgültigen Rubin-Ultra-Spezifikationen kommuniziert und ob die für 2027 bereits verkauften Kapazitäten die aktuellen Bewertungssorgen relativieren.