Rekordumsatz, Rekordgewinn – und trotzdem ein Kurssturz binnen Minuten. SK Hynix hat gezeigt, wie nervös der Markt auf alles reagiert, was mit der Zukunft der KI-Investitionen zu tun hat. Innerhalb weniger Stunden drehte die Stimmung komplett, aus dem Minus wurde ein Plus.

Rekordzahlen verfehlen die Erwartungen

Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller legte seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 nach US-Börsenschluss am 28. Juli vor.

Der Umsatz kletterte um 257 Prozent auf 79,3 Billionen Won – ein Rekordwert für den Konzern.

Der operative Gewinn wuchs sogar noch schneller: Er sprang um 557 Prozent auf 60,5 Billionen Won, ebenfalls ein Bestwert.

Trotzdem reichte es dem Markt nicht. Analysten hatten im Vorfeld mit rund 83,9 Billionen Won Umsatz und 64,2 Billionen Won operativem Gewinn gerechnet. Die Aktie brach im nachbörslichen Handel um mehr als 9 Prozent ein.

Die Reaktion kippte jedoch schnell. Anleger verarbeiteten die Zahlen neu, der Kursverlust schmolz ab. Am Ende stand ein nachbörsliches Plus von über 2 Prozent.

Management verteidigt den KI-Investitionszyklus

Der Kursdreh hatte einen konkreten Auslöser. Im Earnings Call widersprach SK Hynix den wachsenden Zweifeln an der Dauerhaftigkeit der KI-Investitionswelle entschieden.

Das Unternehmen kündigte an, seine Investitionsausgaben für 2026 am oberen Ende der Zielspanne von 40 bis 50 Billionen Won anzusetzen. Das bedeutet: SK Hynix will die Investitionen in KI-Geschäfte wie High Bandwidth Memory weiter erhöhen, statt sie zu drosseln.

Hinzu kommt eine frisch besiegelte Partnerschaft mit Nvidia. SK Group und Nvidia planen eine umfassende Kooperation mit einem Volumen von mehr als 500 Milliarden Dollar für den Aufbau von KI-Infrastruktur. Die Absichtserklärungen reichen vom Bau von KI-Fabriken bis zur Lieferung von KI-Speicherchips.

Für SK Hynix bedeutet der Deal eine langfristige Abnahmegarantie im Bereich KI-Speicher. Nvidia sichert sich damit eine stabile Versorgung mit Speicherchips der nächsten Generation.

Regionale Märkte ziehen mit

Die Erholung blieb nicht auf SK Hynix beschränkt. Nach einer scharfen Korrektur am Vortag drehten auch Japans und Südkoreas Börsen ins Plus.

Südkoreas Leitindex Kospi legte zeitweise um 2,76 Prozent zu. Japans Nikkei 225 kletterte über die Marke von 63.000 Punkten.

Samsung Electronics, der zweite große Speicherchip-Hersteller des Landes, zog im Sog der SK-Hynix-Zahlen ebenfalls deutlich an. Beide Schwergewichte trugen zur Erholung im gesamten südkoreanischen Halbleitersektor bei.

Ein Ausverkauf mit historischem Ausmaß

Die Erleichterung über die Zahlen wirkt nach einem außergewöhnlichen Kurseinbruch der vergangenen Wochen besonders stark. Laut Bloomberg-Berichten war die Aktie seit ihrem Rekordhoch im Juni um 47 Prozent eingebrochen. Grund waren Sorgen vor überfüllten Positionen und ein Anstieg fremdfinanzierter Volatilität.

Der Marktwertverlust binnen gut eines Monats belief sich auf knapp 600 Milliarden Dollar. Damit rutschte SK Hynix von einem der heißesten KI-Investments der Welt zu einem der größten Fragezeichen in vielen Portfolios ab. Der Verlust an Marktkapitalisierung in diesem Zeitraum kommt sogar an den von SpaceX heran.

Aktuell notiert die Aktie bei 1.431.000 Won, ein Plus von 2,14 Prozent zum Vortag.

Das liegt weiterhin gut 52 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won vom 25. Juni. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand dagegen plus 21,75 Prozent – ein Zeichen dafür, wie stark sich die Positionierung der Anleger in wenigen Wochen gedreht hat.

Mit einer Investitionsausgaben-Guidance am oberen Rand der Spanne und einer frischen Großpartnerschaft im Rücken versucht das Management, der These vom Höhepunkt der KI-Nachfrage entgegenzutreten. Der Kursverlauf von Mittwoch und Donnerstag zeigt: Die Anleger sind bereit, diese Botschaft vorerst mitzutragen – auch wenn die Schwankungen in der Aktie extrem bleiben.