Südkoreas Notenbank und Finanzministerium haben rund 20 Milliarden Dollar aus dem ADR-Listing von SK Hynix abgekauft. Das Geld stammt aus dem im Juli abgeschlossenen New Yorker Börsengang des Chipherstellers, der mit 26,5 Milliarden Dollar das größte US-Angebot eines ausländischen Emittenten war.
Die Transaktion lief über den Foreign Exchange Stabilization Fund und wurde außerbörslich abgewickelt – anders als klassische Interventionen am offenen Markt.
Won-Stärke als Nebenwirkung des Rekord-Listings
Der Rückfluss der Dollar-Erlöse nach Korea hat den Won spürbar gestützt. Die Währung hatte Ende Juni bei 1.550 Won pro Dollar ein 17-Jahres-Tief markiert, seither legte sie binnen zwei Monaten um mehr als 12 Prozent zu.
Ohne den Eingriff der Behörden hätte die Konvertierung der ADR-Milliarden den Won nach Einschätzung von Marktbeobachtern noch deutlicher steigen lassen – mit Folgen für die Exportwirtschaft. Der Fonds, der laut Haushaltsentwurf mit rund 106,5 Billionen Won ausgestattet ist, kaufte die Dollar gezielt auf, um die Volatilität zu dämpfen und zugleich die Reserven aufzustocken.
Für SK Hynix selbst ist der Vorgang ein Beleg dafür, welche Dimension das ADR-Listing inzwischen erreicht hat. Das Angebot war laut Berichten mehr als siebenfach überzeichnet, die Aktie wurde zu 149 Dollar je Stück ausgegeben, insgesamt wechselten rund 177,9 Millionen Aktien den Besitzer.
Koreanische Privatanleger kauften zwischen dem 10. Juli und dem 1. September ADRs im Wert von umgerechnet rund 1,1 Billionen Won – der größte Nettozufluss unter allen im Ausland gehandelten Titeln koreanischer Anleger. Der Aufschlag der ADR gegenüber der Heimatnotierung wuchs dabei von rund 30 Prozent im Juli auf 36 Prozent im August.
Kursrückgang durch geopolitische Sorgen überlagert
Die Nachricht über den Devisenkauf trat am Mittwoch in den Hintergrund, weil US-Luftangriffe auf Iran die Ölpreise trieben und die Anleiherenditen weltweit nach oben schickten. Der koreanische Leitindex Kospi brach um knapp 4 Prozent ein, SK Hynix verlor an der heimischen Börse 4,73 Prozent.
Im aktuellen Handel notiert die Aktie bei 1.613.000 Won, nach einem Schlusskurs von 1.693.000 Won am Vortag – ein Tagesminus von 4,7 Prozent. Damit liegt das Papier rund 14 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.881.076 Won, bleibt aber auf Jahressicht mit einem Plus von 148 Prozent weit im positiven Bereich.
Fundamental bleibt das Bild für den Speicherchip-Sektor freundlich: Südkoreas Halbleiterexporte erreichten im August mit 98,25 Milliarden Dollar den dritthöchsten Wert der Geschichte, ein Plus von 68,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dass die Aktien von Samsung und SK Hynix trotzdem schwächeln, führen Marktbeobachter auf Sorgen vor einem nahenden Nachfrage-Höhepunkt, Anpassungen bei den Investitionsbudgets der großen US-Technologiekonzerne und wachsende Konkurrenz aus China zurück.
Ausländische Investoren verkauften am Mittwoch koreanische Aktien im Volumen von umgerechnet rund 1,9 Billionen Won netto ab, institutionelle Anleger zusätzlich gut 2 Billionen Won.
Der starke ADR-Auftritt in New York und die daraus resultierende Won-Intervention zeigen unterdessen, wie eng die Kapitalmarktgeschichte von SK Hynix inzwischen mit der Geldpolitik des Landes verzahnt ist. Für Anleger bedeutet das: Kursbewegungen der Aktie hängen längst nicht mehr nur an Chippreisen und Nachfragezyklen, sondern zunehmend auch an makroökonomischen Entwicklungen wie Wechselkurs und globalen Zinsen.
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