Die Kursrallye in Seoul hat SK Hynix mitgerissen: Die Aktie legte am Dienstag um 4,08 Prozent auf 1.836.000 Won zu, nachdem der breite Markt zuvor drei Handelstage in Folge nachgegeben hatte. Der Halbleiterwert bleibt damit aber weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch – der Abstand liegt bei 38,53 Prozent. Auch zum eigenen 50-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie mit 16,40 Prozent im Minus, ein Zeichen dafür, dass die jüngste Erholung eine vorangegangene, scharfe Korrektur erst teilweise ausgleicht.
Foreign-Verkäufe laut JPMorgan technischer Natur
Der Gesamtmarkt in Seoul sprang am Dienstag um 3,56 Prozent auf 6.747,95 Punkte, angeführt von Samsung Electronics mit einem Plus von 6,15 Prozent und SK Hynix. Zusammen stellen beide Konzerne rund 45 Prozent der Kospi-Gewichtung. Nach Einschätzung von JPMorgan sind die zuvor beobachteten Verkäufe ausländischer Investoren größtenteils technischer Natur: Liquidationen gehebelter ETFs seien zu drei Vierteln abgeschlossen, bei Hedgefonds erst zur Hälfte. Die Bank hob ihr Kospi-Kursziel auf 12.500 Punkte an. Auch Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore bezeichnete laut The Chosun Daily die jüngste Korrektur bei Speicherchip-Aktien als Kaufgelegenheit und rechnet für das dritte Quartal mit einem Anstieg der Preise für Rechenzentrumsspeicher um mehr als 25 Prozent. Lieferengpässe dürften sich zwischen 2027 und 2028 weiter verschärfen.
Übernahmepläne in Ohio: SK Hynix greift nach Intel-Werk
Für zusätzlichen Auftrieb sorgte ein Bericht der Zeitung JoongAng Ilbo, wonach SK Hynix den Erwerb von Intels Halbleiterkampus in Ohio vorantreibt. Das Areal umfasst rund 1,2 Millionen Pyeong und wäre Platz für bis zu acht Fabriken. Intel hatte dort ursprünglich Investitionen von 28 Milliarden Dollar für eine erste Ausbaustufe geplant, die Bauarbeiten liegen jedoch derzeit still. SK Hynix strebt laut dem Bericht an, innerhalb von fünf Jahren eine eigene Speicherproduktion in den USA aufzubauen. SK-Group-Chairman Chey Tae-won bestätigte, das Unternehmen suche aktiv nach einem Standort für ein US-Werk, und betonte zugleich, die Speicherpreise seien derzeit „ungewöhnlich hoch“ – die KI-Chip-Nachfrage werde im kommenden Jahr um 60 bis 100 Prozent zunehmen. Die Wirtschaftszeitung Maeil Business Newspaper warnte in einem Kommentar vor den Folgen einer anhaltenden „Chipflation“ für den Ruf der koreanischen Halbleiterbranche.
Quartalszahlen im Fokus: Analysten erwarten Rekordgewinn
Die Ergebnisse für das zweite Quartal sind für den 29. Juli angesetzt, parallel dazu startet die zweiseitige Umtauschmöglichkeit zwischen den Nasdaq-ADRs und den Seoul-Aktien. Nach dem ersten Quartal mit 52,58 Billionen Won Umsatz, 37,61 Billionen Won operativem Gewinn und einer Marge von 72 Prozent rechnen Analysten von Mirae Asset Securities mit einem operativen Gewinn von 62,3 Billionen Won im zweiten Quartal, Korea Investment & Securities kalkuliert mit 60,4 Billionen Won bei einem Umsatz von rund 83 Billionen Won. Als Unsicherheitsfaktoren gelten die HBM4-Ausbeute sowie Rückstellungen für Erfolgsbeteiligungen der Belegschaft. Yonhap meldete unterdessen, dass Südkoreas Exporte in den ersten 20 Julitagen um 52,3 Prozent auf 54,9 Milliarden Dollar zulegten – ein Rekord, getragen von Halbleiterausfuhren im Volumen von 22,1 Milliarden Dollar, einem Plus von 180,6 Prozent.
HBM4-Dominanz und Nasdaq-Notierung stützen Kurs
SK Hynix hält nach Marktdaten einen HBM4-Marktanteil von rund 53 Prozent und beliefert Nvidia im Rahmen einer bis 2030 laufenden Partnerschaft; UBS geht für Nvidias Rubin-Plattform sogar von einem SK-Hynix-Anteil von 70 Prozent aus. An der Nasdaq notierten die SK-Hynix-ADRs zuletzt mit einem Aufschlag von rund 33 Prozent gegenüber den Seoul-Aktien, nachdem die Papiere seit ihrem Debüt am 10. Juli kräftig zugelegt hatten. Branchenanalysten wie TrendForce und der Vorstandsvorsitzende von ADATA, Chen Li-bai, warnen zugleich vor einem strukturellen DRAM-Engpass, der sich bis weit in die 2030er-Jahre ziehen könnte – SK Hynix selbst rechnet mit dem Höhepunkt der Speicherknappheit zwischen 2027 und 2030.
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