Vier US-Analysehäuser starten binnen weniger Wochen ihre Coverage zu SK Hynix – alle mit Kaufempfehlung. Fast zeitgleich hebt Bank of America ihr Kursziel auf ein Niveau, das eine Verdopplung der lokal notierten Aktie bedeuten würde. Zwischen dieser Euphorie und der Kursrealität liegt allerdings eine erhebliche Lücke: Seit dem Rekordhoch im Juni hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren, obwohl sie im laufenden Jahr noch immer mehr als 130 Prozent im Plus steht.

Kaufwelle aus den USA

Needham, Cantor Fitzgerald, Wolfe Research und RBC Capital haben die Aktie im August neu bewertet, jeweils mit einem Kaufvotum. Die Kursziele für die seit dem 10. Juli an der NASDAQ notierte ADR reichen von 200 bis 300 Dollar – deutlich über dem aktuellen Kurs von 147,50 Dollar. Wolfe-Analyst Chris Caso begründet seine Einstufung mit fehlenden physischen Fertigungskapazitäten in der Branche, die eine Angebotsknappheit über Jahre festschreiben dürften.

Als zentralen Kurstreiber sehen die Häuser die für 2027 anstehende Neuverhandlung der HBM-Vertragspreise. RBC rechnet mit einem Preisanstieg von mehr als 50 Prozent im Zuge der Umstellung auf HBM4. Trotz der bereits kräftigen Kursgewinne gilt die Aktie bei rund dem Vierfachen der für 2027/2028 erwarteten Gewinne im Branchenvergleich weiterhin als günstig.

BofA traut dem Papier eine Verdopplung zu

Bank of America hat ihre Coverage mit einem Kursziel von 3 Millionen Won für die lokale Aktie wieder aufgenommen – gegenüber dem aktuellen Niveau von 1.577.000 Won entspricht das einer möglichen Verdopplung. Für die ADR nennt die Bank ein Ziel von 250 Dollar. Grundlage ist das zweite Quartal 2026: Der Umsatz kletterte auf 79 Billionen Won, ein Plus von 51 Prozent zum Vorquartal und 257 Prozent zum Vorjahr, bei einer operativen Marge von 76 Prozent.

Die DRAM-Marge erreichte mit 81 Prozent einen Rekordwert, die NAND-Marge lag bei 65 Prozent. BofA erwartet, dass der operative Gewinn im dritten Quartal auf 81 Billionen Won steigt und im vierten Quartal die Marke von 90 Billionen Won überschreitet – mit einer annualisierten Gewinnrate von mehr als 300 Billionen Won zum Jahresende, die sich nach Einschätzung der Bank bis 2028 halten soll.

Volatilität als Kehrseite der Rally

Der scharfe Kontrast zwischen Analystenoptimismus und Kursverlauf hat einen konkreten Auslöser: Ende Juli erfasste ein branchenweiter Ausverkauf bei KI-Werten die gesamte asiatische Techlandschaft, SK Hynix und Samsung eingeschlossen. Die Erholung seither verläuft uneinheitlich – Händler sprechen von einem fragilen Rebound mit schwachem Volumen.

Parallel dazu sorgt ein interner Konflikt für zusätzliche Unsicherheit. Am Werk in Cheongju verhandeln Management und Gewerkschaft in einer fünften Gesprächsrunde über die Bonuszahlungen, die traditionell zehn Prozent des operativen Gewinns umfassen und 2026 rechnerisch auf durchschnittlich 779 Millionen Won je Mitarbeiter steigen könnten. Das Unternehmen will mehr als die Hälfte davon künftig in gesperrten Aktien auszahlen und die Boni bei Verlusten kürzen – die Gewerkschaft lehnt das Kursrisiko für ihre Mitglieder ab und droht mit Konsequenzen, sollte es keine überarbeitete Offerte geben.

Die optimistische These der Wall Street steht damit auf zwei Säulen: strukturelle Angebotsknappheit bei Speicherchips und eine Marktführerschaft bei HBM, die bislang kaum in Zweifel gezogen wird. Die anstehende Neuverhandlung der HBM-Vertragspreise 2027 dürfte der nächste konkrete Test dafür sein, ob sich diese Rechnung tatsächlich aufgeht.