SK Hynix hat am Mittwoch offiziell bestätigt, was Anleger seit Wochen spekulierten: Der südkoreanische Chiphersteller hat vertraulich einen Registrierungsantrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht — ein erster konkreter Schritt Richtung Wall Street. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von mehr als fünf Prozent in Seoul.

Der Plan hinter dem ADR-Listing

CEO Kwak Noh-jung erklärte auf der Hauptversammlung in Icheon, das Unternehmen strebe eine Notierung in der zweiten Jahreshälfte an. Details zu Volumen und Struktur der Emission nannte er nicht — laut eigener Aussage aus regulatorischen Gründen. Eingereicht wurde ein Formular F-1 für ein American Depositary Share-Angebot.

Der strategische Kern des Vorhabens liegt in einem auffälligen Bewertungsgefälle. SK Hynix wird trotz starker Gewinne mit etwa dem Elffachen des Jahresgewinns bewertet — Micron Technology kommt auf das rund 29-Fache. Das, obwohl SK Hynix im dritten Quartal 2025 einen operativen Gewinn von 11,38 Billionen Won auswies, etwa doppelt so viel wie Micron im gleichen Zeitraum. Kim Jung-kyu, CEO des Großaktionärs SK Square mit einem Anteil von 20,1 Prozent, sieht in einem US-Listing die Chance, durch eine breitere globale Investorenbasis diese Lücke zu schließen. Eine Aufnahme in den Philadelphia Semiconductor Index (SOX) würde zudem passiv verwaltete Indexfonds automatisch als Käufer ins Spiel bringen.

Bilanzausbau und Produktroadmap

Auf der Hauptversammlung skizzierte das Unternehmen auch ambitionierte Bilanzpläne: Das Netto-Cash soll langfristig auf über 100 Billionen Won steigen — zum Vergleich: Ende 2025 lag es bei 12,69 Billionen Won, Samsung Electronics hält schätzungsweise rund 92 Billionen Won. Parallel dazu schreiten die Bauprojekte voran: Die neue Fab M15X in Cheongju wurde früher als geplant fertiggestellt, der 15-Milliarden-Dollar-Halbleitercluster in Yongin sowie eine Advanced-Packaging-Anlage im US-Bundesstaat Indiana liegen im Zeitplan.

Beim Kernprodukt HBM bekräftigte Kwak, dass HBM3E-Chips weiterhin das Rückgrat der Lieferungen bilden, HBM4-Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte zunehmen und Samples der nächsten Generation HBM4E noch in diesem Jahr präsentiert werden sollen.

Kritik an der Verwässerung

Nicht alle Reaktionen fallen positiv aus. Kritiker bemängeln, dass eine Kapitalerhöhung über neue Aktien dem erklärten Ziel der Wertsteigerung für Aktionäre widerspricht — zumal SK Hynix erst vor wenigen Wochen eigene Aktien annulliert hatte, um Anteilseigner zu entlasten. Mit dem formellen SEC-Filing ist das Vorhaben nun aus dem Bereich der Ankündigungen herausgetreten. Die endgültige Entscheidung über Zeitplan und Umfang liegt bei der SEC und wird maßgeblich von den Marktbedingungen abhängen.