SK Hynix hat am Freitag eine der größten Investitionsentscheidungen seiner Geschichte getroffen – und die Aktie reagierte darauf mit einem weiteren Rückschlag. Der Verwaltungsrat des Speicherchip-Herstellers genehmigte am 7. August Ausgaben von 54,3 Billionen Won, umgerechnet rund 38 Milliarden Dollar, für zwei neue Fabriken in Südkorea. Parallel dazu rutschte der Kurs weiter ab, belastet von einer Entscheidung des Kunden Nvidia.

Milliardenschwere Fabrik-Offensive in Südkorea

Der größere Batzen des Investitionspakets, 35,2 Billionen Won, fließt in die neue Y2-Fabrik im Yongin-Cluster nahe Seoul. Dort sollen DRAM- und HBM-Speicher für Künstliche Intelligenz entstehen. Der Bau beginnt im Juli 2027, der erste Reinraum soll im Juni 2029 stehen. Die restlichen 19,1 Billionen Won gehen an die M17-Fabrik in Cheongju für NAND-Flash-Speicher, deren Bau im Februar 2027 startet und die bis Ende 2028 den ersten Reinraum in Betrieb nehmen soll. Mit dem beschleunigten Zeitplan will SK Hynix den gesamten Yongin-Cluster mit vier Fabriken bereits 2033 fertigstellen – ursprünglich war 2045 als Zieljahr vorgesehen, zwölf Jahre später als jetzt geplant.

Der Zeitplan zeigt, wie dringend SK Hynix zusätzliche Kapazitäten für KI-Speicher aufbauen will. Die Auslastung der bestehenden Werke ist nach eigenen Angaben bereits bis 2027 ausgebucht. Konkurrent Micron habe laut einem in der Branche zitierten Analysten sogar schon Aufträge bis 2028 in den Büchern. Südkorea deckt derzeit rund 79 Prozent der weltweiten HBM-Produktion ab, SK Hynix allein kommt auf einen Marktanteil von etwa 57 Prozent. Die neuen Werke sollen diese Position bis in die 2030er-Jahre absichern, auch weil die USA bislang über keine eigene HBM-Wafer-Fertigung verfügen.

Kurssturz nach Nvidias HBM-Kürzung

Während der Ausbauplan langfristig Substanz verspricht, kämpft die Aktie kurzfristig mit erheblichem Gegenwind. Am Freitag schloss das Papier bei 1.422.000 Won, ein Minus von 4,88 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht trotz des jüngsten Ausverkaufs noch ein Plus von 118,87 Prozent zu Buche – die Aktie hatte sich im Zuge der KI-Rallye zeitweise vervielfacht. Zum 52-Wochen-Hoch aus Ende Juni fehlen der Aktie inzwischen jedoch mehr als die Hälfte, ein Abstand von 52,39 Prozent.

Auslöser der jüngsten Talfahrt war eine Entscheidung von Nvidia, der HBM-Konfiguration seines kommenden Rubin-Ultra-Chips zu reduzieren – von zwölf Speicherlagen mit 384 Gigabyte auf acht Lagen mit 192 Gigabyte. Die Nachricht traf den gesamten Speichersektor, SK Hynix als ADR verlor daraufhin knapp fünf Prozent. Hintergrund ist offenbar, dass die Fertigung des schnelleren HBM4E-Standards noch nicht in ausreichendem Tempo hochgefahren werden kann, weshalb Nvidia bei einigen Rubin-Ultra-Varianten vorerst auf den älteren HBM4-Standard mit weniger Speicherlagen ausweicht.

Streit um Kapitalrückgabe

Zusätzlich unter Druck steht das Unternehmen wegen seiner Ausschüttungspolitik. Im zweiten Quartal erzielte SK Hynix einen operativen Gewinn von 60,5 Billionen Won bei einem Umsatz von 79,3 Billionen Won – ein Rekordergebnis, das die Kritik vieler Aktionäre aber kaum besänftigt. Die Quartalsdividende von 375 Won je Aktie entspricht einer Rendite von lediglich 0,02 Prozent, insgesamt schüttet SK Hynix damit 273,3 Milliarden Won aus. Zum Vergleich: Samsung kommt bei seiner Dividende auf eine Rendite von 2,1 bis 2,4 Prozent. Angesichts dieses „Korea Discount“ genannten Missverhältnisses hat SK Hynix zusätzliche Maßnahmen zur Aktionärsrendite bis September in Aussicht gestellt. Nach ersten Berichten über diesen Schritt konnte sich die Aktie von einem Tagesverlust von zeitweise fünf Prozent auf rund ein Prozent Minus erholen.

China-Werk und Marktausblick

Neben dem Ausbau in Südkorea prüft SK Hynix laut einem Bericht von Bloomberg auch den teilweisen oder vollständigen Verkauf seines Packaging-Werks im chinesischen Chongqing, das der NAND-Flash-Produktion dient. Der Unternehmenswert wird dabei auf rund drei Milliarden Dollar taxiert, als Interessenten gelten chinesische Fonds und Industrieunternehmen. Die Gespräche befinden sich nach diesen Angaben noch in einem frühen Stadium, ein Abschluss ist nicht gesichert – SK Hynix könnte auch nur einen Minderheitsanteil abgeben.

Der Marktforscher TrendForce rechnet für das dritte Quartal mit weiter steigenden Speicherpreisen: DRAM soll gegenüber dem Vorquartal um 13 bis 18 Prozent zulegen, NAND um 10 bis 15 Prozent. Der Analyst Garrett Jin ordnet die jüngste Kurserholung dennoch vorsichtig ein: Sie sei eher einem Short Squeeze geschuldet als einer fundamentalen Neubewertung. Der Markt verschiebe seinen Fokus zunehmend von der reinen Investitionsbereitschaft der Speicherhersteller hin zur Frage, wann sich diese Ausgaben tatsächlich in Rendite niederschlagen.