Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix hat am heutigen Freitag einen historischen Kurssprung hingelegt. Die Aktie kletterte um 29,95 Prozent auf 1.718.000 Won und erreichte damit das Tageslimit der Börse Kospi – zum ersten Mal seit 17 Jahren, wie The Korea Herald berichtet. Zuletzt war ein solcher Sprung im Januar 2009 zu beobachten. Der Kospi-Gesamtindex verzeichnete parallel mit einem Plus von 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte den größten Tagesgewinn seiner Geschichte, wie The Herald Business meldet.
Chey Tae-won kauft erstmals direkt Aktien
Auslöser der Rally war laut The Korea Herald der erste direkte Aktienkauf von SK-Group-Chairman Chey Tae-won: Er erwarb 3.620 Aktien im Wert von 4,79 Milliarden Won. Nach Angaben von Bloomingbit (Korea Economic Daily) lag sein unrealisierter Gewinn aus dem Kauf zum Handelsschluss bereits bei rund 1,3 Milliarden Won. Ausländische Investoren kauften laut The Herald Business an diesem Tag netto 7,24 Billionen Won an Kospi-Aktien – ein Rekordwert –, während Privatanleger im selben Umfang netto verkauften.
Verstärkt wurde die Bewegung durch die Quartalszahlen von Microsoft, die laut The Elec mit einem Umsatz von 90,01 Milliarden Dollar über dem Konsens von 87,62 Milliarden Dollar lagen und ein Azure-Wachstum von 43 Prozent auswiesen. The Korea Herald ordnet dies als Faktor ein, der Sorgen um nachlassende KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne gedämpft habe. Auch Amazon trug bei: Der Konzern hob laut Wealth Professional seine Investitionsprognose für 2026 auf 220 Milliarden Dollar an.
Der aktuelle Kurs von 1.718.000 Won liegt trotz des starken Tagesgewinns noch 42,48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won aus dem Juni. Das zeigt, wie tief der vorangegangene Ausverkauf reichte, bevor die Erholung einsetzte.
Quartalszahlen zeigen Rekordgewinn – und Kursrückgang
Die aktuelle Erholung folgt auf turbulente Tage. Laut ainvest.com hatte SK Hynix zuvor Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, die trotz eines operativen Gewinns von 60,5 Billionen Won – ein Plus von 557 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und eines Umsatzes von 79,3 Billionen Won die Konsensschätzungen verfehlten. Die Aktie war daraufhin in den USA um 8 Prozent gefallen, der Kospi setzte den Handel zeitweise für 20 Minuten aus. The Motley Fool berichtet zusätzlich, dass die Bruttomarge bei 83 Prozent und die operative Marge bei 76 Prozent lagen, getrieben von einem um 30 Prozent gestiegenen DRAM-Durchschnittspreis. Das Management äußerte sich laut ainvest.com für das zweite Halbjahr optimistisch und verwies auf ein weiterhin knappes Angebot bei High-Bandwidth-Memory-Chips.
Die Analystenhäuser reagierten uneinheitlich auf die vorangegangene Kursschwäche. UBS hat SK Hynix laut MarketBeat auf „Strong Buy“ hochgestuft, Barclays nennt ein Kursziel von 300 Dollar bei einer „Overweight“-Einstufung für die US-notierten Papiere. Der Konsens verschiedener Häuser liegt demnach im Schnitt bei rund 252 Dollar für die ADRs.
Wettbewerbsdruck aus China bleibt im Blick
Parallel zur Kurserholung beobachten Marktteilnehmer den chinesischen Speicherchip-Hersteller CXMT, der laut The Korea Times bei seinem Börsendebüt in Shanghai am 27. Juli um 470 Prozent zulegte und 12,56 Billionen Won einsammelte. CXMT hält im ersten Quartal 2026 einen globalen DRAM-Marktanteil von 8 Prozent, gegenüber 29 Prozent für SK Hynix und 38 Prozent für Samsung Electronics. Der technologische Rückstand von CXMT wird von Analysten auf drei bis vier Jahre geschätzt, insbesondere bei High-Bandwidth-Memory-Produkten, wo SK Hynix laut The Korea Times einen Marktanteil von 58 Prozent hält.
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein laufender Tarifstreit: Die Gewerkschaft von SK Hynix lehnt laut Maeil Business Newspaper Lohnanpassungen bei Verlusten ab, nachdem das Unternehmen vorgeschlagen hatte, mehr als die Hälfte der Bonuszahlungen in Aktien auszuzahlen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für die kommende Woche angesetzt.
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