Masayoshi Son träumt groß. Das hat er immer getan. Doch bei SoftBank Group stellt sich derzeit eine unangenehme Frage: Wie finanziert man Visionen, wenn die Kreditgeber zögern?
Die Antwort darauf entscheidet mehr über den Kurs als jede KI-Fantasie.
Die Tochter liefert, der Konzern hebelt
Ein Lichtblick kam zuletzt von der Telekom-Tochter SoftBank Corp. Sie meldete robuste Quartalsgewinne, getrieben von starker Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten. Die Zahlen lagen über den Erwartungen der Analysten.
Das ist die eine Seite der Geschichte. Die Tochter monetarisiert die Infrastruktur des KI-Booms erfolgreich und handfest. Die Holding SoftBank Group dagegen bleibt ein hochspekulatives Vehikel, das an globale Tech-Bewertungen gekoppelt ist.
Genau hier liegt die Spaltung im Konzern. Operatives Geschäft und Beteiligungsstrategie laufen in völlig unterschiedliche Richtungen.
Son treibt seine Wetten auf OpenAI und KI-Infrastruktur unbeirrt voran. Um das zu finanzieren, verkauft SoftBank liquide Vermögenswerte und stützt sich stark auf Lombardkredite. Als Sicherheit dient unter anderem der massive Anteil am Chipdesigner Arm.
Diese Strategie stößt zunehmend auf Widerstand. Banken werden vorsichtiger, wenn es um Kredite geht, die durch Anteile an privaten Start-ups abgesichert sind. Das wirft eine drängende Frage auf: Wie will SoftBank die anstehenden Schuldenfälligkeiten im zweiten Halbjahr stemmen, wenn genau diese Finanzierungsquelle versiegt?
Ein Kurs wie ein Fieberthermometer
Die Aktie zeigt genau diese Nervosität. Am Mittwoch schloss SoftBank Group bei 31,00 Euro, ein Tagesminus von 1,59 Prozent. Auf Wochensicht steht dagegen ein Plus von 15,24 Prozent — ein Ausschlag, der die schiere Nervosität des Marktes offenlegt.
Diese Sprunghaftigkeit ist kein Zufall. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 77,22 Prozent, ein außergewöhnlich hoher Wert für einen Konzern mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 163,54 Milliarden Euro. SoftBank handelt damit wie ein gehebelter Hebel auf den globalen KI-Zyklus, nicht wie ein solider Industriekonzern.
S&P Global Ratings hat den Kreditausblick jüngst stabilisiert, gestützt auf die starke Bewertung von Arm. Trotzdem sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) gestiegen. Anleihegläubiger bleiben also skeptisch, ungeachtet der Rating-Beruhigung.
Die Physik des Geldes
Hier zeigt sich das eigentliche Problem. Visionen wie die Wette auf OpenAI sind das eine. Sie tatsächlich zu finanzieren, ohne die eigene Bilanz zu überdehnen, ist etwas ganz anderes.
Wenn SoftBank im August 2026 seine Quartalszahlen vorlegt, wird die entscheidende Frage nicht lauten, wie groß Sons KI-Ambitionen sind. Sie wird lauten, ob die Lombardkredit-Maschine noch läuft — oder ob die Bank endgültig zugedreht hat.
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