Inmitten einer schweren Korrektur an den asiatischen Technologiemärkten hat SoftBank-Chef Masayoshi Son eine beispiellose Ausweitung der Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt. Während der japanische Leitindex Nikkei 225 am Montag mit einem Minus von mehr als vier Prozent auf den tiefsten Stand seit Juni fiel, skizzierte Son eine Zukunft, in der das Zeitalter des Menschen als höchste Lebensform endet. Diese radikale Vision steht im scharfen Kontrast zur aktuellen Marktstimmung, die von geopolitischen Spannungen und Zweifeln an der kurzfristigen Rentabilität von KI-Ausgaben geprägt ist.
Son prognostiziert Ende der menschlichen Vorherrschaft
Auf der Fachkonferenz SoftBank World 2026 in Tokio erklärte Masayoshi Son, dass KI keine vorübergehende Blase, sondern ein fundamentaler Machtwechsel sei. Bis zum Jahr 2040 erwartet der Unternehmensgründer globale Investitionen von jährlich 5 Billionen US-Dollar in die Technologie. In diesem Szenario sollen rund 100 Billionen KI-Agenten im Einsatz sein, die zusammen einen Umsatz generieren, der etwa 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist die Energieversorgung. Laut Son werden KI-Rechenzentren bis 2040 etwa 3 Terawatt Strom benötigen, was dem 1,8-fachen des aktuellen weltweiten Verbrauchs entspricht. Um diesen Hunger zu stillen, setzt der SoftBank-Chef langfristig auf die Entwicklung der Kernfusion. Bereits im Juni hatte Son erklärt, dass der innere Wert (Net Asset Value) der SoftBank-Gruppe bei 74 Billionen Yen liege, obwohl die Marktkapitalisierung zu diesem Zeitpunkt nur etwa 37 Billionen Yen betrug. Er prognostizierte, dass dieser Wert innerhalb der nächsten 16 Jahre auf 1.000 Billionen Yen steigen könnte.
OpenAI-Finanzierung und das Risiko der Blasenbildung
Ein wesentlicher Teil des Kapitals fließt in die Kooperation mit OpenAI. SoftBank plant, bis Ende 2026 mehr als 60 Milliarden US-Dollar in den Entwickler von ChatGPT zu investieren. Zuletzt gab es jedoch Medienberichte über Rückschläge bei der Finanzierung: Verhandlungen über eine Kreditlinie in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar für OpenAI-Projekte sollen gescheitert sein. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von KI-Werten hoch, insbesondere durch die Beteiligung an dem Chip-Entwerfer ARM, dessen Wert Son auf rund 55 Billionen Yen beziffert.
Trotz dieser ambitionierten Ziele mehren sich am Markt die Warnsignale. Die massiven Investitionsausgaben der sogenannten Hyperscaler – Unternehmen wie Amazon, Microsoft, Google und Meta – sollen im Jahr 2026 kombinierte 725 Milliarden US-Dollar erreichen. Analysten von Goldman Sachs und anderen Häusern beobachten kritisch, ob die Erträge mit diesem rasanten Anstieg des Kapiteleinsatzes Schritt halten können. Die Sorge vor einer Überkapazität im Halbleitermarkt ab 2028 belastet die Stimmung zusätzlich.
Geopolitik und Halbleiter-Ausverkauf drücken den Kurs
Die aktuelle Kursentwicklung spiegelt die Unsicherheit der Anleger wider. Mit einem aktuellen Kurs von 30,44 € hat das Papier im Vergleich zum Vormonat deutlich an Boden verloren; der Rückgang beträgt 22,55 % über die letzten 30 Tage. Neben den Zweifeln am KI-Boom belasten eskalierende geopolitische Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Märkte. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg infolge von Berichten über Angriffe im Nahen Osten auf über 90 US-Dollar pro Barrel, was Inflationssorgen befeuert und die Risikobereitschaft für Technologiewerte dämpft.
Am japanischen Aktienmarkt war SoftBank am Montag einer der größten Verlierer. In einem Umfeld, in dem auch Schwergewichte wie Tokyo Electron und Kioxia herbe Verluste hinnehmen mussten, verbuchte die SoftBank-Gruppe zweitweise Kursabschläge von bis zu 9,7 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 166,33 Milliarden € bleibt der Konzern zwar ein Schwergewicht, muss sich jedoch in einem Marktumfeld behaupten, das zunehmend eine greifbare Kapitalrendite für die Milliardeninvestitionen in die Künstliche Intelligenz fordert.
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