Das hätte die größte Halbleiter-Übernahme aller Zeiten werden können. SoftBank prüfte Anfang 2025 den Kauf von Marvell Technology – ein Deal, der die Branche auf den Kopf gestellt hätte. Doch daraus wurde nichts. Warum scheiterten die Gespräche? Und was sagt das über die Strategie von Masayoshi Son?

Der 80-Milliarden-Deal, der platzte

Laut Bloomberg-Informationen hatte Son, der legendäre Gründer und CEO von SoftBank, Marvell bereits seit Jahren auf dem Radar. Der US-Chiphersteller mit einer Bewertung von rund 80 Milliarden US-Dollar sollte Teil der KI-Hardware-Strategie des japanischen Konzerns werden. Die Vision: Eine mögliche Fusion mit Arm Holdings, dem britischen Chipdesigner im Besitz von SoftBank.

Doch die Verhandlungen scheiterten. Beide Seiten konnten sich nicht auf die Konditionen einigen. Konkrete Details zu den Streitpunkten sind nicht bekannt. Aktive Gespräche laufen derzeit nicht – wobei einige Insider nicht ausschließen, dass das Interesse wieder aufleben könnte. Son ist dafür bekannt, Dutzende potenzielle Deals parallel zu prüfen, ohne sofort Entscheidungen zu treffen.

Marvell schwächelt, Arm glänzt

Die Marktreaktion auf die beiden Chipwerte könnte unterschiedlicher kaum sein. Während Marvell in diesem Jahr bereits um 16 Prozent eingebrochen ist und mit 75,51 Milliarden US-Dollar bewertet wird, legte Arm seit Jahresstart um knapp 30 Prozent zu. Die Marktkapitalisierung des Chipdesigners liegt mittlerweile bei 170 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie Marvell.

Am Donnerstag setzte sich dieser Trend fort. Nach starken Quartalszahlen gewann die Arm-Aktie nachbörslich 3,53 Prozent. Marvell hingegen kletterte nur überschaubare 0,90 Prozent.

Asien-Börsen ziehen an

An den asiatischen Börsen ging es am Donnerstag kräftig aufwärts. Der Nikkei stieg um 1,3 Prozent, getrieben von Chipwerten. Kioxia Holdings schossen um 9,1 Prozent nach oben, SoftBank selbst legte 2,9 Prozent zu. Positive US-Vorgaben – bessere ADP-Arbeitsmarktdaten und eine starke ISM-Lesung – verdrängten die jüngsten Sorgen um eine KI-Blase.

Zusätzlich sorgte die Anhörung vor dem US-Verfassungsgericht zu Donald Trumps Zollpolitik für Optimismus. Erste Äußerungen der Richter deuteten auf eine skeptische Haltung gegenüber den Zöllen hin. Für die endgültige Entscheidung dürfte sich das Gericht allerdings noch Zeit nehmen.