Die SoftBank Group ordnet ihre Finanzierungsstruktur für das massive Engagement im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) neu. Im Zentrum steht ein neuer Kredit in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar, mit dem der Konzern bestehende Verbindlichkeiten aus der Beteiligung an OpenAI refinanzieren will. Während das Unternehmen seine Liquidität durch punktuelle Anteilsverkäufe sichert, verschärft sich gleichzeitig der Ton gegenüber der Ratingagentur Moody’s.

Kreditkonditionen und Druck auf OpenAI

Der neue zweijährige Kredit wird nach Medienberichten von der japanischen Großbank Mizuho angeführt. Die Konditionen spiegeln dabei die hohen Erwartungen an den KI-Sektor wider: SoftBank zahlt einen Aufschlag von 275 Basispunkten auf den Referenzzinssatz SOFR.

Bemerkenswert ist eine integrierte Klausel für den Fall eines ausbleibenden Börsengangs von OpenAI. Sollte das KI-Unternehmen bis Ende 2027 nicht an die Börse gehen, erhöht sich der Zinssatz um weitere 25 Basispunkte.

Diese Finanzierung ist Teil einer umfassenden Strategie, die darauf abzielt, die Beteiligung an OpenAI abzusichern. Bis zum Oktober soll das gesamte Investitionsvolumen in das KI-Unternehmen die Marke von fast 65 Milliarden US-Dollar erreichen.

Neben dem Bankkredit erwägt die Konzernführung um Masayoshi Son weitere Anleiheemissionen im Volumen von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar sowie eine Retail-Anleihe in Japan, die rund 6,3 Milliarden US-Dollar einbringen könnte.

Juristischer Konflikt mit Moody’s

Parallel zu den Finanzierungsbemühungen bahnt sich eine rechtliche Auseinandersetzung an. Gestern wurde bekannt, dass SoftBank rechtliche Schritte gegen die Ratingagentur Moody’s prüft. Hintergrund sind sogenannte „unsolicited ratings“ – also Bonitätsbewertungen, die von der Agentur ohne offiziellen Auftrag des Unternehmens erstellt wurden.

Solche Einschätzungen können die Kosten für die Aufnahme von Fremdkapital direkt beeinflussen, was für einen hoch verschuldeten Investitionskonzern wie SoftBank von erheblicher Bedeutung ist.

Die Sensibilität bei Bonitätsfragen ist in der Branche derzeit hoch. Moody’s warnte jüngst allgemein davor, dass die massiven KI-Ausgaben die Kreditqualität großer Technologiekonzerne belasten könnten.

Analysten von JPMorgan wiesen am Freitag darauf hin, dass die steigenden Renditen am Anleihemarkt auch die Erwartungen an Produktivitätsgewinne durch KI widerspiegeln könnten. Dennoch bleiben die Kreditspreads in diesem Sektor aufgrund der hohen Investitionssummen unter Beobachtung.

Portfolio-Umbau und Fokus auf Robotik

Um den Kapitalbedarf für die Kerninvestitionen zu decken, trennt sich die SoftBank-Tochter Vision Fund von kleineren Positionen. Am Dienstag veräußerte die Konzerneinheit SVF Pauling 6 Millionen Aktien des US-Biotech-Unternehmens Relay Therapeutics zu einem Preis von 19,40 US-Dollar pro Stück. Der Erlös beläuft sich auf rund 116,4 Millionen US-Dollar, wobei SoftBank weiterhin einen Bestand von knapp 22 Millionen Aktien an dem Unternehmen hält.

Gleichzeitig sucht der Konzern nach neuen Wachstumschancen in der physischen Anwendung von KI. Laut Berichten von „The Information“ verhandelt SoftBank derzeit über den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an dem norwegischen Robotik-Spezialisten 1X, der humanoide Roboter entwickelt. Dies unterstreicht das Ziel, über reine Software-Investitionen hinaus auch in der Hardware-Infrastruktur der KI-Revolution präsent zu sein.

An der Börse reagierten Anleger zuletzt zurückhaltend auf die komplexen Finanzierungspläne. Die Aktie beendete den Handel am Freitag mit einem Minus von 2,4 Prozent bei 27,51 Euro. Damit liegt die Marktkapitalisierung des Konzerns aktuell bei umgerechnet 159,59 Milliarden Euro. Trotz der jüngsten Konsolidierung verzeichnet das Papier auf Sicht von 30 Tagen ein deutliches Plus von 12 Prozent.