SoftBank Group hat sein Beteiligungsportfolio in den USA deutlich umgeschichtet. Aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass der japanische Investor im zweiten Quartal, das am 30. Juni endete, 1,4 Millionen Aktien von Taiwan Semiconductor Manufacturing verkauft hat. Das entspricht 71,5 Prozent der bisherigen Position und brachte laut Reuters 269,8 Millionen US-Dollar ein.

Parallel dazu baute SoftBank neue Positionen auf. Der Konzern stieg mit 276.811 Aktien im Wert von 55,5 Millionen US-Dollar bei Capital One Financial ein und erwarb zusätzlich einen kleineren Anteil an Life360 im Umfang von 10.718 Aktien, bewertet mit 488.500 US-Dollar. Die Offenlegung zeigt damit eine klare Rotation: weniger Chip-Exposure über den taiwanischen Auftragsfertiger, dafür neue Wetten im US-Finanz- und Technologiesektor.

Anleihe-Großoffensive überschattet Portfolioumbau

Der Portfolioumbau fällt in eine Phase, in der SoftBank ohnehin im Rampenlicht steht. Der Konzern bereitet eine Rekordanleihe über eine Billion Yen für private Anleger in Japan vor, die dritte derartige Emission des Unternehmens im laufenden Jahr.

Die Papiere mit siebenjähriger Laufzeit sollen am 4. September gepreist werden, die Kupon-Spanne liegt indikativ zwischen 4,3 und 4,9 Prozent. Nach Angaben aus der Emissionsplanung dient das Kapital sowohl der Refinanzierung von 400 Milliarden Yen an im September fällig werdenden Altanleihen als auch der Finanzierung von KI-Investitionen, darunter Verpflichtungen im Zusammenhang mit OpenAI.

Die Kombination aus TSMC-Reduzierung und massiver Fremdkapitalaufnahme lässt sich als strategische Neuausrichtung lesen: SoftBank verkleinert eine etablierte, aber margenschwächere Halbleiterbeteiligung und lenkt frisches Kapital gezielt in die eigene KI-Infrastrukturstrategie.

Dazu passt, dass Nvidia Mitte August 1,5 Milliarden US-Dollar in das SoftBank-nahe Unternehmen SB Energy investierte und eine Garantie für ein Rechenzentrum in Ohio übernahm – ein weiterer Baustein im wachsenden KI-Ökosystem rund um den japanischen Konzern, auch wenn SoftBank Group selbst hier nicht direkte Vertragspartei ist.

Kurs bleibt unter Druck, Volatilität hoch

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Zahlenrückgang, Anleiheplänen und Portfolioumbau in einem angespannten Bild. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 28,04 Euro und gewann damit 0,9 Prozent, verlor auf Sieben-Tage-Sicht aber 3,0 Prozent.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 73 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt das Zusammenspiel aus Kapitalmarkttransaktionen und den vor gut drei Wochen veröffentlichten, gemischten Quartalszahlen bewertet.

Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite reduziert SoftBank sein Engagement in einem etablierten Halbleiterwert und diversifiziert in neue US-Titel, auf der anderen Seite nimmt der Konzern über die Rekordanleihe erneut erhebliches frisches Fremdkapital auf, um seine KI-Wette weiter auszubauen.

Ob sich diese Strategie auszahlt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Erträge aus den KI-Beteiligungen die hohen Finanzierungskosten der neuen Anleihe rechtfertigen.