Der französische Halbleiterspezialist Soitec hat am heutigen Mittwoch seine Umsatzprognose für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026-27 deutlich nach oben korrigiert. Grund für diese Entscheidung ist eine massiv beschleunigte Nachfrage nach speziellen Wafern für die optische Datenübertragung in Rechenzentren der Künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen reagiert damit auf die starke Dynamik im Segment Photonics-SOI.

Beschleunigtes Wachstum durch Photonics-SOI

Soitec geht für das zweite Quartal nun von einem Umsatzplus von etwa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Zuvor lag das ausgegebene Ziel bei einem Zuwachs von mehr als 30 Prozent.

Für das gesamte Geschäftsjahr wird im Bereich Photonics-SOI mittlerweile eine Umsatzvervielfachung auf das 2,5- bis 3-fache des Vorjahresniveaus erwartet. Der restliche Geschäftsausblick des Konzerns bleibt laut einer Mitteilung von heute hingegen weitgehend unverändert.

Die starke Fokussierung auf Photonics-Wafer unterstreicht den Wandel in der Branche, in der optische Verbindungen für die Übertragung riesiger Datenmengen in KI-Infrastrukturen an Bedeutung gewinnen. Soitec kann hierbei auf seine Expertise in der Herstellung dünner Silizium-Schichten setzen, die für die Effizienz dieser optischen Bauteile entscheidend sind.

Neue Vertragsstrukturen und Kapazitätsreservierungen

Hinter der Prognoseanhebung stehen konkrete Vereinbarungen mit Großkunden. Wie Reuters am Montag berichtete, setzt das Unternehmen zunehmend auf mehrjährige Lieferverträge, um die hohe Nachfrage planbar zu machen. Diese Verträge beinhalten teilweise Anzahlungen sowie feste Preiszusagen. CEO Laurent Remont zufolge befinden sich derzeit mehr als zehn solcher Reservierungsvereinbarungen in der Verhandlung.

Soitec geht davon aus, in den kommenden Wochen mit acht der zehn wichtigsten Kunden aus dem Photonik-Bereich entsprechende Abschlüsse zu tätigen. Rund 80 Prozent dieser Verhandlungen sollen laut Remont innerhalb von ein bis zwei Wochen abgeschlossen sein. Diese Strategie dient nicht nur der Auslastung der Fabriken, sondern soll auch die finanzielle Stabilität durch feste Abnahmezusagen erhöhen.

An der Börse sorgten die Nachrichten für deutliche Kursgewinne. Die Soitec-Aktie verzeichnet heute eine Tagesveränderung von 7,4 Prozent und notiert bei 118,60 Euro. Mit diesem Sprung konnte sich das Papier weiter von seinem 50-Tage-Durchschnitt absetzen, der aktuell bei 110,31 Euro liegt.

Verschiebungen im Aktionärskreis

Trotz der operativen Erfolgsmeldungen gab es zuletzt Bewegung bei den institutionellen Investoren. Medienberichten zufolge hat JPMorgan Chase seinen Anteil an Soitec am 14. August unter die Meldeschwelle von fünf Prozent gesenkt.

Das Bankhaus hielt zu diesem Zeitpunkt 1.767.716 Aktien, was einem Kapitalanteil von 4,94 Prozent entspricht. In einem bereits am 3. August erfolgten Rückblick stufte Kepler Cheuvreux den Titel auf „Buy“ hoch, nahm jedoch eine Anpassung des Kursziels vor.

Die nun angekündigte Prognoseerhöhung unterstreicht die zentrale Rolle, die das Unternehmen bei der Infrastruktur für KI-Anwendungen einnimmt. Durch die langfristige Bindung wichtiger Kunden mittels Anzahlungen und Festpreisen versucht das Management, die Volatilität im Halbleitermarkt abzufedern. Anleger werden nun beobachten, ob die avisierten Vertragsabschlüsse in den kommenden zwei Wochen wie geplant finalisiert werden können.