Liebe Traderinnen und Trader,
ein Fear & Greed Index von 25 – „extreme Angst“ – wäre normalerweise ein Signal zum Rückzug. Nur: Er wurde in den letzten Tagen gemessen, während Bitcoin über 65.000 Dollar sprang und Ethereum binnen einer Woche 10 Prozent zulegte. Diese Diskrepanz zwischen Kursverlauf und Stimmung ist der eigentliche Stoff dieser Ausgabe – und sie erklärt, warum gerade jetzt einige der interessantesten Setups abseits der großen DAX-Konzerne liegen.
Der Auslöser: Der US-Erzeugerpreisindex fiel im Juni überraschend um 0,3 Prozent, nach revidierten +0,6 Prozent im Mai. Zusammen mit dem bereits gemeldeten CPI-Rückgang auf eine Jahresrate von 3,5 (von 4,2) Prozent hat das die Risikofreude an den Krypto-Märkten zurückgebracht. Bitcoin notiert erstmals seit dem 22. Juni wieder über 65.000 Dollar. Doch die eigentliche Musik spielt bei den Altcoins.
Solana kämpft um die 80-Dollar-Marke
SOL notiert bei rund 77,80 Dollar und arbeitet sich nach oben. Auslöser war ein frisches USDC-Minting von 250 Millionen Dollar im Netzwerk – ein Signal, das Trader klassischerweise als Vorboten steigender Nachfrage lesen. Die 80-Dollar-Marke ist die entscheidende psychologische Hürde: Wer hier Positionen sucht, sollte den bestätigten Ausbruch abwarten, statt in den Widerstand hineinzukaufen.
Interessanter für die längerfristige These ist eine Warnung von CoinShares vom 13. Juli: Das neue „Open USD“-Konsortium – über 140 Firmen, darunter Visa, Mastercard und BlackRock – könnte Circles Dominanz im Stablecoin-Markt angreifen. Der neue Stablecoin OUSD soll in der zweiten Jahreshälfte ausgerechnet auf Solana starten. Circles Aktie war nach der Ankündigung Ende Juni bereits um 17,5 Prozent auf 62,63 Dollar eingebrochen. Für Solana als Trägernetzwerk ist das strukturell eher Rückenwind als Risiko – ein Konkurrenzprodukt zu USDC, das ausgerechnet auf der eigenen Infrastruktur läuft, stärkt die Netzwerk-Relevanz, unabhängig davon, wer am Ende die Stablecoin-Schlacht gewinnt.
Ethereum führt die Erholung an – der Angst-Index bleibt hartnäckig tief
ETH legte auf Sieben-Tage-Sicht rund 10 Prozent zu und notiert bei knapp 1.930 Dollar – prozentual deutlich stärker als Bitcoin. Über 1,1 Milliarden Dollar an Short-Positionen wurden in Krypto-Derivaten liquidiert, was die Bewegung zusätzlich befeuerte. Dass der Fear & Greed Index trotz dieser Rally bei 25 verharrt, ist für antizyklische Trader genau das Signal, das zählt: Der Markt hat der eigenen Erholung noch nicht getraut, was Luft nach oben lässt, statt sie zu verbrauchen.
Michaël van de Poppe erwartet in ein bis zwei Wochen eine Bitcoin-Rally auf 68.000 Dollar, danach 75.000 bis 80.000 Dollar. Zur Einordnung: Das bisherige Allzeithoch lag am 2. Juni bei über 71.360 Dollar. Die aktuelle Widerstandszone liegt bei 65.000 bis 66.500 Dollar, das nächste Ziel bei 68.000 bis 70.000 Dollar, Unterstützung findet sich bei 63.000 bis 64.000 Dollar.
Wer trotzdem nüchtern bleiben will, findet den Gegenpol auf Polymarket: Dort liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Bitcoin-Rücksetzer unter 55.000 Dollar bei 72 Prozent – die Marktkapitalisierung des gesamten Kryptomarkts war zwischenzeitlich auf 1,31 Billionen Dollar zurückgefallen. Die Rally ist also alles andere als konsensfähig. Das ist Chance und Risiko in einem Satz.
Während Bitcoin und Ethereum um wichtige Widerstandsmarken kämpfen, richten immer mehr Anleger den Blick auf Altcoins mit noch unentdecktem Potenzial. Ein kostenloser Report nennt 3 Kryptowährungen, deren Wachstumschancen laut Anbieter sogar die von Gold übertreffen sollen. Jetzt Krypto-X-Report kostenlos sichern
Die Fed-Frage: Warum die Party auf tönernen Füßen steht
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt für alle Long-Positionen. Trotz der kühlen Inflationsdaten sind die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung im September auf 60 Prozent gesprungen – für die Sitzung am 28./29. Juli sieht Polymarket dagegen 92,5 Prozent für „keine Änderung“. Der Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
Fed-Chef Kevin Warsh dämpfte die Euphorie gestern vor dem Senatsbankenausschuss ausdrücklich: Eine einmalige Preisänderung sei nicht zwingend inflationär, ein günstiger Bericht kein Beweis für besiegte Inflation. Er bezeichnete den Inflationsrahmen von 2020 als kostspieligen Fehler und will die Fed stärker auf das 2-Prozent-Ziel verpflichten. Für Trader heißt das im Klartext: Die aktuelle Rally läuft auf Liquiditätshoffnung, nicht auf einer entschiedenen Zinswende. Steigende Ölpreise – Brent notiert wegen der Spannungen in der Straße von Hormuz über 85 Dollar – halten das Zinsrisiko zusätzlich am Leben. Wer long ist, sollte die PPI-/PCE-Daten zum Monatsende und die Juli-Sitzung als die entscheidenden Volatilitätstermine im Kalender markieren.
Rüstungs-Drohnen mit hartem Auftragsbuch
Weg vom Krypto-Momentum zu einem Trade, der auf Zahlen statt auf Sentiment fußt: Das Pentagon kündigte Rahmenverträge mit drei Firmen an – Anduril, CoAspire und Zone 5 Technologies – zur Massenproduktion bezahlbarer Luft-Boden-Marschflugkörper. Das Ziel: 8.000 Raketen jährlich nach Produktionshochlauf, Verträge über sieben Jahre, ein Fünfjahresplan über 28.000 FAMM-Raketen im Volumen von 12,6 Milliarden Dollar. Für das Fiskaljahr 2027 sind bereits 355 Millionen Dollar für die ersten 1.000 Stück eingeplant. Andurils Barracuda-500 ist ein Kernbaustein des Programms – die Rahmenvereinbarung dazu wurde bereits im Mai unterzeichnet, mit ersten Lieferungen ab 2027 und Produktionsverlagerung in das eine Milliarde Dollar teure „Arsenal-1″-Werk in Ohio.
Wer diesem Momentum börsennotiert folgen will, findet bei Kratos (NASDAQ: KTOS) den handelbaren Anker: Der Rüstungszulieferer eröffnete eine neue 167.000-Quadratfuß-Fertigungsanlage im pennsylvanischen York und investiert über 7 Millionen Dollar in zusätzliche Ausrüstung für Hyperschall-, Luftverteidigungs-, Raketen- und C-UAS-Programme. Das operative Fundament stimmt: Q1 2026 brachte 371 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 22,6 Prozent.
BASF straft gute Zahlen ab – die Lektion des Tages
Ein kurzer Blick nach Ludwigshafen illustriert die Marktlogik dieser Ausgabe perfekt: BASF hob die Ebitda-Prognose 2026 auf 6,9 bis 7,3 Milliarden Euro an – und die Aktie fiel trotzdem um bis zu 4,4 Prozent auf rund 47,50 Euro. Der Grund: Der neue Zielkorridor entspricht exakt dem, was der Markt ohnehin erwartet hatte, und die Sorge vor Nachfrageschwäche und Wettbewerbsdruck wog schwerer als die angehobene Zahl. Die gesamte Chemiebranche wurde mitgezogen, Wacker, Lanxess und Evonik gaben ebenfalls nach.
Traton lieferte den Gegenbeweis: Nach vorläufigen Q2-Zahlen über Erwartung sprang die Aktie um 4,23 Prozent auf 36,20 Euro. Die Lektion für Trader ist in beiden Fällen dieselbe: Der Markt handelt die Überraschung gegen den Konsens, nicht die absolute Zahl. Eine angehobene Guidance ist kein Kaufsignal, wenn sie längst eingepreist war.
Marschroute
- Solana: Ausbruch über 80 Dollar abwarten, nicht in den Widerstand hineinkaufen. USDC-Minting und der geplante OUSD-Start auf Solana bleiben der strukturelle Treiber.
- Bitcoin: Widerstand bei 65.000–66.500 Dollar, Ziel 68.000–70.000 Dollar, Stop-Zone unter 63.000 Dollar. Der tiefe Fear-Index spricht für Fortsetzung, die Polymarket-Wetten mahnen zur Absicherung.
- Zins-Kalender: PCE-Daten zum Monatsende und die Fed-Sitzung am 28./29. Juli sind die nächsten Volatilitätstermine – eine September-Erhöhung ist bereits zu 60 Prozent eingepreist.
- KTOS: Das Pentagon-Massenproduktionsprogramm für Marschflugkörper und Kratos‘ eigener Kapazitätsausbau geben dem Rüstungssektor frische Fantasie jenseits der großen Namen – ein Beobachtungswert für Momentum-Trader.
- BASF/Traton: Merke – gehandelt wird die Überraschung gegen den Konsens, nicht die absolute Zahl.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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