Der spanische Solarkonzern Solaria führt Vorgespräche mit dem chinesischen Technologiekonzern Alibaba über die Stromversorgung eines geplanten Rechenzentrums in Spanien. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf informierte Personen berichtete, steht die Anlage in Puertollano im Mittelpunkt der Verhandlungen. Solaria und Alibaba lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

An der Börse sorgte die Nachricht zum Wochenausklang für Bewegung. Die im Vorfeld schwankungsanfällige Solaria-Aktie ging am Freitag mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 16,62 Euro aus dem Handel. Der Börsenwert des spanischen Erneuerbare-Energien-Entwicklers beläuft sich damit auf 2,18 Milliarden Euro.

Möglicher Großkunde für Standort Puertollano

Gegenstand der Sondierungsgespräche ist der Solaria-Standort in Puertollano, der rund 240 Kilometer südlich der spanischen Hauptstadt Madrid liegt. Alibaba prüft für das geplante Vorhaben allerdings auch Angebote anderer Stromversorger. Zudem gelten die Gespräche als weniger weit fortgeschritten als andere Rechenzentrumsprojekte des Konzerns in Europa.

Alibaba treibt den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur international voran. Der Konzern hatte im Vorjahr ein dreijähriges Investitionsprogramm für künstliche Intelligenz über 53 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Bis zum Jahr 2032 strebt das Unternehmen weltweit eine Gesamtkapazität von über 20 Gigawatt an. Zudem kündigte Alibaba vor wenigen Tagen an, innerhalb der kommenden zwölf Monate erste eigene Cloud-Regionen in Finnland sowie in den Niederlanden in Betrieb zu nehmen.

Für Solaria passt der Vorstoß in das boomende Segment der künstlichen Intelligenz zur jüngsten Unternehmensentwicklung. Der Konzern baute seine Sparte für Rechenzentren im laufenden Jahr massiv aus.

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Nettogewinn des Gesamtunternehmens im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 124,9 Millionen Euro. Die Sparte für Rechenzentren trug dazu Erlöse von 99,6 Millionen Euro bei.

Goldman Sachs sieht deutliches Aufwärtspotenzial

Rückenwind erhielt der spanische Ökostromerzeuger parallel auch von der Analystenseite. Die US-Investmentbank Goldman Sachs nahm die Aktie neu in ihre europäische Auswahlliste auf. Die Experten trauen dem Papier einen Anstieg auf 25,00 Euro zu, was einem Kurspotenzial von 52 Prozent entspricht.

Zur Begründung verwiesen die Analysten darauf, dass das Unternehmen bereits rund 65 Prozent seines operativen Gewinnziels vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für das laufende Geschäftsjahr erreicht habe. Auch das Analysehaus Bernstein bleibt mit einem Kursziel von 19,80 Euro optimistisch gestimmt.

Zusätzliche Dynamik erhält der Markt durch regulatorische Weichenstellungen in Madrid. Die spanische Regierung will bis zum Jahresende neue Vorgaben für Rechenzentren verabschieden. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Betreiber ihren Sitz in der Europäischen Union haben und Daten innerhalb Europas speichern müssen.

Zudem sollen Rechenzentren ab einer Leistung von einem Megawatt stündlich zu 80 Prozent mit erneuerbarem Strom betrieben werden. Zusätzlicher Strombedarf muss zudem durch neu errichtete Ökostromanlagen gedeckt werden, was integrierten Erzeugern wie Solaria in die Hände spielen dürfte.