Der US-Leitindex S&P 500 hat gestern den Handel mit deutlichen Gewinnen beendet. Getrieben von einem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht in den USA legte das Barometer zu und schloss bei 7.757,64 Punkten. Damit verbuchte der Index ein Tagesplus von 0,63 % und setzte seine positive Tendenz der vergangenen Tage fort.

Enttäuschung am Arbeitsmarkt dämpft Zinsängste

Die gestern veröffentlichten Daten zum US-Arbeitsmarkt sorgten an der Wall Street für eine positive Überraschung der anderen Art. Im Juli fielen die sogenannten Nonfarm Payrolls unerwartet um 23.000 Stellen, während Ökonomen im Vorfeld mit einem Zuwachs von etwa 80.000 neuen Jobs gerechnet hatten. Es handelt sich um den ersten monatlichen Beschäftigungsrückgang seit Februar. Zudem wurden die Zahlen für die beiden Vormonate Mai und Juni um insgesamt 103.000 Stellen nach unten korrigiert.

Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote leicht auf 4,1 %. Die Lohnentwicklung verlangsamte sich im Jahresvergleich auf 3,2 %, was den schwächsten Anstieg seit Anfang 2021 markiert. Diese Abkühlung am Arbeitsmarkt wird von Anlegern als Signal gewertet, dass der Inflationsdruck nachlässt und die US-Notenbank Federal Reserve von weiteren Zinserhöhungen absehen könnte.

Geldpolitische Erwartungen verschieben sich

Die Reaktion am Markt für Zinsfutures war unmittelbar spürbar. Medienberichten zufolge sank die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September auf etwa 44 %, nachdem sie zuvor noch bei über 55 % gelegen hatte. Die aktuelle Zinsspanne der Fed liegt derzeit bei 3,5 % bis 3,75 %. Während einige Marktteilnehmer nun auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus setzen, bleiben andere vorsichtiger. Die Analysten der Bank of America rechnen beispielsweise weiterhin mit der Möglichkeit eines größeren Zinsschritts von 75 Basispunkten im laufenden Jahr.

Die rückläufigen Renditen bei den Staatsanleihen stützten insbesondere den Technologiesektor. Innerhalb des S&P 500 zeigten sich deutliche Kursbewegungen bei Einzelwerten: Während die Aktie von Atlassian nach starken Zahlen um mehr als 35 % in die Höhe schnellte, musste das Papier von Trade Desk einen Einbruch von rund 21,9 % hinnehmen. Auch Airbnb profitierte von der allgemeinen Stimmung und legte um 17,4 % zu.

Berichtssaison liefert fundamentale Unterstützung

Neben den makroökonomischen Daten liefert die laufende Berichtssaison für das zweite Quartal weiterhin Rückenwind. Laut Daten von FactSet haben bereits 88 % der Unternehmen im S&P 500 ihre Ergebnisse vorgelegt. Davon konnten 86 % die Gewinnmitteilungen pro Aktie (EPS) übertreffen, was deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt liegt. Das aggregierte Gewinnwachstum beläuft sich derzeit auf beeindruckende 50,4 %.

Optimistische Stimmen sehen daher noch weiteres Potenzial für den Index. Tom Lee von Fundstrat prognostizierte, dass der S&P 500 bis Ende August die Marke von 8.000 Punkten erreichen könnte. Er begründet dies unter anderem mit der starken Gewinnentwicklung und nachlassenden Sorgen vor einer restriktiven Geldpolitik. Seit Jahresanfang hat der S&P 500 bereits eine Performance von 13,32 % erzielt und notiert derzeit nur noch 0,46 % unter seinem am 5. August erreichten 52-Wochen-Hoch.