Der S&P 500 hat sich aus seiner jüngsten Schwächephase befreit. Am Mittwoch legte der Index um 16,22 Punkte beziehungsweise 0,2 Prozent auf 7.707,98 Punkte zu, nachdem er im Tagesverlauf sogar deutlicher im Plus gelegen hatte. Auslöser der Erholung war eine überraschende Ankündigung aus Washington.

Das US-Finanzministerium teilte mit, die Rückkaufoperationen für längerfristige Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln — wirksam ab dem 9. September.

Die Reaktion am Anleihemarkt fiel deutlich aus: Die Rendite der 30-jährigen Anleihe zog sich von ihren höchsten Stufen seit fast zwei Jahrzehnten zurück, die zehnjährige Rendite fiel um rund 5 Basispunkte auf 4,653 Prozent. Sinkende Zinsen wirken für Aktien traditionell stützend, weil sie die Bewertung künftiger Gewinne erleichtern.

Fed-Protokoll bremst die Euphorie

Die Freude hielt allerdings nicht lange an. Die am Nachmittag veröffentlichten Protokolle der Fed-Sitzung vom 28. und 29. Juli zeigten ein gespaltenes Bild. Mehrere Notenbanker hielten eine Zinserhöhung für nötig, sollte sich die Inflation nicht weiter abschwächen — am Ende stimmten neun Mitglieder für die Beibehaltung des Zinsniveaus, drei dagegen.

Besonders bemerkenswert: Die Fed verwies explizit auf die Eskalation im Nahen Osten als Inflationsrisiko. Ein anhaltender Konflikt könne Lieferketten belasten und Preise nach oben treiben, hieß es in den Minutes. Diese Aussage bekommt zusätzliches Gewicht, weil sich der Rohölpreis parallel deutlich verteuerte — WTI-Kontrakte kletterten in Richtung 86 Dollar, getrieben von der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus.

Sektoren driften auseinander

Unter der Oberfläche des Gesamtindex zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Goldminenwerte schossen um mehr als 9 Prozent nach oben, Biotechnologie- und Pharmatitel verzeichneten ebenfalls kräftige Zuwächse. Computerhardware-, Bank- und Halbleiterwerte gerieten dagegen unter Druck — ein Hinweis darauf, dass Anleger zwischen Zinssorgen und geopolitischen Risiken hin- und herwechseln, statt einer klaren Richtung zu folgen.

International fiel die Reaktion verhalten aus. Der japanische Nikkei verlor am selben Tag rund 3,2 Prozent, der chinesische Shanghai Composite gab etwa 2,4 Prozent ab. Die europäischen Indizes bewegten sich kaum von der Stelle.

Am Donnerstag pendelte der S&P 500 zunächst nahezu unverändert, während der Ölpreis seine Rally fortsetzte und die Anleger auf weitere Signale aus der Geldpolitik warteten. Die Gemengelage aus höheren Energiekosten, einem stützenden Anleihemarkt und einer gespaltenen Fed dürfte die Schwankungsbreite an den kommenden Handelstagen hoch halten.