Vor den US-Zwischenwahlen am Dienstag rückt ein einzelnes Detail in den Mittelpunkt: die Mehrheit im Senat. Citi sieht den Markt bereits auf einen Sieg der Demokraten eingestellt. Überrascht der Wahlabend, könnte das die Kurse in beide Richtungen bewegen.
Zwei Szenarien für den Wahlabend
Die Strategen der Bank halten ein starkes Abschneiden der Demokraten für wahrscheinlich, die Umfragen deuten darauf hin. Als historischen Vergleich nennt Citi die Zwischenwahlen unter George W. Bush im Jahr 2006. Dieses Szenario sei in den Kursen weitgehend enthalten.
Bleibt der Senat in republikanischer Hand, rechnet Citi mit Rückenwind bis zum Jahresende. Mehrere Rennen liegen innerhalb der Fehlermarge der Umfragen. Gewinnen die Demokraten dagegen 53 Sitze oder mehr, droht laut Citi Bewertungsdruck. Der Grund: Sorgen vor höheren Unternehmenssteuern im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2028.
Die Wahlstrategie der Bank, Gesundheitswerte gegenüber Finanzwerten und Banken zu bevorzugen, ist nach eigener Einschätzung weitgehend aufgegangen. Für 2027 erwartet Citi, dass Haushalt, Schuldenobergrenze und Steuersätze an Gewicht gewinnen.
Angeschlagene Ausgangslage
Der Index startet verwundbar in die Woche. Am Freitag verlor der S&P 500 1,8 Prozent und erlebte den schwächsten Handelstag seit Juni. Auslöser waren enttäuschende Zahlen von Intel und Amazon sowie wachsende Zweifel, ob die enormen KI-Ausgaben Erträge liefern. Der Nasdaq Composite büßte im Oktober rund 5,3 Prozent ein, sein schwächster Monat seit März 2025.
Der Ölpreis bleibt ein Risikofaktor. Brent gab zu Wochenbeginn um mehr als 3 Prozent nach und notierte unter 110 Dollar, nachdem er im Oktober um 13,6 Prozent gestiegen war. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt stützen die Futures leicht.
Was für Gewinne und Saisonalität spricht
Die Statistik zeigt ein freundlicheres Bild. Seit 1950 legte der S&P 500 zwischen Wahltag und 30. Juni des Folgejahres im Schnitt um 15,5 Prozent zu, unabhängig vom Wahlausgang. Das dritte Jahr eines Präsidentschaftszyklus war laut CFRA mit durchschnittlich 16,3 Prozent das stärkste.
Auch die Unternehmensgewinne liefern ein Argument. Goldman Sachs erwartet für den Index ein Gewinnwachstum von fast 30 Prozent in 2026 und 18 Prozent in 2027. Entscheidend bleibt die Technologie: Mit einem Gewicht von knapp 40 Prozent im Index entscheidet sie maßgeblich über die Richtung.
In dieser Woche stehen die Zahlen von Apple, AMD und Palantir an, dazu US-Konjunkturdaten zu Industrie und Arbeitsmarkt. Sie zeigen, ob sich der Chip- und KI-Sektor nach dem Intel-Einbruch von knapp 29 Prozent stabilisiert.
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