Fünf Aktien aus völlig unterschiedlichen Branchen laufen dem breiten Markt derzeit meilenweit davon. Während DexCom am Rekordhoch kratzt, kämpft sich Gartner erst aus einem tiefen Kursloch heraus. Was die fünf Werte verbindet: Alle haben in den vergangenen 30 Tagen zweistellig zugelegt— und das in einem Marktumfeld, das für viele andere Titel deutlich rauer ausfiel.
DexCom: Nahe am Allzeithoch
DexCom steht kurz vor einer neuen Bestmarke. Die Aktie notiert bei 76,00 Euro und liegt damit nur 0,52 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das erst am 4. August erreicht wurde. Seit Jahresbeginn hat sich der Titel um 32,59 Prozent verteuert, allein in den vergangenen 30 Tagen kamen fast 20 Prozent hinzu.
Der Kurssprung der letzten Wochen fällt in eine Phase, in der der Markt die Wachstumsaussichten im Bereich der kontinuierlichen Glukose-Messung offenbar neu bewertet. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt inzwischen über 30 Prozent— ein Wert, der die Dynamik der jüngsten Rally unterstreicht. Der RSI von 71,9 signalisiert eine überkaufte Situation. Kein Wunder also, dass sich nach diesem Lauf die Frage nach kurzfristigen Gewinnmitnahmen aufdrängt.
Die Volatilität bleibt mit knapp 52 Prozent auf Jahresbasis hoch. Wer hier einsteigt, kauft sich in einen Titel ein, der zuletzt sehr schnell sehr weit gelaufen ist.
Microsoft: Schwergewicht mit überraschendem Tempo
Dass ein Konzern in der Größenordnung von Microsoft binnen eines Monats über 22 Prozent zulegt, ist ungewöhnlich. Genau das ist zuletzt passiert: Die Aktie kletterte um 22,51 Prozent in 30 Tagen und um fast 20 Prozent allein in der vergangenen Woche. Aktuell steht der Kurs bei 414,10 Euro.
Der Blick auf das Gesamtjahr relativiert die Euphorie allerdings deutlich. Seit Jahresbeginn steht lediglich ein Plus von 0,23 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Minus von 10,55 Prozent. Der jüngste Ausbruch hat also vor allem einen tiefen Rücksetzer der vergangenen Monate aufgeholt— zum 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro fehlen weiterhin gut 13 Prozent.
Heute allerdings kam die Bewegung ins Stocken: Die Aktie gab um 2,23 Prozent nach und rutschte von 423,55 auf 414,10 Euro. Ein RSI von 72,3 deutet auf eine kurzfristig überhitzte Lage hin. Nach einem derart schnellen Anstieg wirkt eine Verschnaufpause fast folgerichtig.
Zebra Technologies: Tagessprung mit Ansage
Kein Titel im Feld bewegte sich zuletzt so heftig wie Zebra Technologies. Alleine heute schoss die Aktie um 10,59 Prozent nach oben und kletterte von 255,00 auf 282,00 Euro. Damit fehlen nur noch 0,35 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 283,00 Euro, das ebenfalls erst kürzlich markiert wurde.
Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Zuwachs auf knapp 19 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 34,93 Prozent. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt mittlerweile über 25 Prozent— ein Zeichen dafür, wie stark sich die kurzfristige Kursentwicklung von der mittelfristigen Linie gelöst hat.
Mit einem RSI von 78,7 ist Zebra unter den fünf Werten technisch am stärksten überkauft. Die Erholung von der Talsohle bei 174,00 Euro im März wirkt beeindruckend, doch die Geschwindigkeit des jüngsten Sprungs dürfte kurzfristig orientierte Anleger vorsichtig stimmen.
Gartner: Erholung aus tiefer Talsohle
Kaum ein Titel im S&P 500 zeigt einen größeren Kontrast zwischen langfristigem Kursverlauf und kurzfristiger Dynamik als Gartner. Die Aktie sprang heute um 8,33 Prozent auf 143,00 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen gut 21 Prozent zugelegt. Der Blick auf die längere Frist zeigt jedoch ein anderes Bild.
Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 33,98 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar minus 50,89 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 291,20 Euro, erreicht im August vergangenen Jahres, trennen die Aktie damit weiterhin fast 51 Prozent. Erst im Juni markierte der Titel bei 107,15 Euro ein neues Jahrestief.
Die jüngste Erholung reicht also bei Weitem nicht aus, um den Kursverlust der vergangenen zwölf Monate wettzumachen. Der RSI von 62,9 liegt zudem noch im neutralen Bereich— hier ist im Gegensatz zu DexCom oder Zebra keine akute Überhitzung erkennbar. Das lässt Raum für eine Fortsetzung der Erholung, sofern sich das positive Sentiment der letzten Wochen bestätigt.
Workday: Tagesrücksetzer bremst den Aufwärtstrend
Workday rundet das Feld ab, allerdings mit dem schwächsten Tagesverlauf unter den fünf Werten. Die Aktie fiel heute um 3,77 Prozent von 144,98 auf 139,52 Euro. Über die vergangenen 30 Tage bleibt trotzdem ein Plus von 15,69 Prozent stehen.
Auf Wochensicht zeigt sich sogar ein leichtes Minus von 0,53 Prozent— unter den fünf Titeln die einzige negative Sieben-Tage-Bilanz. Seit Jahresbeginn liegt Workday mit 25,04 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht mit 28,29 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 212,85 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres fehlen aktuell noch 34,45 Prozent.
Die Volatilität von knapp 70 Prozent auf Jahresbasis ist die höchste im gesamten Feld. Der RSI von 59,5 liegt noch deutlich unter überkauften Niveaus, was Workday von den technisch heißgelaufenen Werten wie Zebra oder DexCom unterscheidet. Der jüngste Rücksetzer wirkt nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen wie eine erste Atempause.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Werte zeigen trotz gemeinsamer Kursstärke sehr unterschiedliche Ausgangslagen:
- DexCom und Zebra notieren nahe ihrem 52-Wochen-Hoch und wirken technisch überkauft (RSI über 70)
- Microsoft hat einen Teil seines Rücksetzers der vergangenen Monate aufgeholt, bleibt aber deutlich unter dem Allzeithoch
- Gartner kommt aus einer tiefen Talsohle und liegt trotz der jüngsten Erholung noch massiv im Minus auf Jahressicht
- Workday zeigt die höchste Schwankungsbreite im Feld und bremste zuletzt als einziger Titel mit negativer Wochenperformance
Die Bandbreite reicht damit von ausgereizten Aufwärtstrends bis zu fragilen Erholungsversuchen. Gemeinsam ist allen fünf Werten, dass die kurzfristige Dynamik deutlich stärker ausfällt als die langfristige Kursbilanz.
Was die Kursstärke für die kommenden Wochen bedeutet
Die technischen Indikatoren zeichnen ein gemischtes Bild für die nähere Zukunft. Bei DexCom, Microsoft und Zebra signalisieren die RSI-Werte jenseits der 70-Punkte-Marke eine überkaufte Lage, die klassischerweise das Risiko kurzfristiger Rücksetzer erhöht. Gartner und Workday haben dagegen noch technischen Spielraum nach oben, bevor ähnliche Warnsignale aufleuchten.
Für die Titel mit tiefroter Jahresbilanz— Gartner und Workday— bleibt die entscheidende Frage, ob die jüngste Kursstärke der Beginn einer nachhaltigeren Erholung ist oder nur eine technische Gegenbewegung nach den herben Verlusten der vergangenen zwölf Monate. Bei DexCom, Microsoft und Zebra dagegen dürfte sich zeigen, ob die fundamentale Story stark genug ist, um die bereits hohen Bewertungen zu rechtfertigen.
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