Noch vor wenigen Tagen warnten Charttechniker vor einer möglichen Sommerkorrektur. Am Montag drehte sich das Bild abrupt: Washingtons Verzicht auf neue Angriffe gegen den Iran und die Aussicht auf Verhandlungen brachten der Wall Street kräftigen Rückenwind.
Kehrtwende in letzter Minute
Präsident Donald Trump sagte einen geplanten Militärschlag gegen den Iran ab und kündigte für den Nachmittag Gespräche mit Teheran an – eine Einigung über die Straße von Hormus stehe kurz bevor, hieß es.
Die Erleichterung wirkte branchenübergreifend: Der Dow Jones legte 1,2 Prozent zu und rückte in Rekordnähe, der marktbreite S&P 500 stieg um 1,1 Prozent auf 7.574 Punkte.
Der Ölpreis reagierte in die entgegengesetzte Richtung: Brent-Rohöl brach um mehr als 6 Prozent auf 82,41 Dollar ein. Das dämpft Inflationssorgen und verstärkt den Rückenwind für Aktien zusätzlich.
Das Dreifach-Warnsignal der Vorwoche
Der Kursrutsch der vergangenen Woche hatte einen technischen Hintergrund. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,68 Prozent, den höchsten Wochenschluss seit Januar 2025, während Ölpreis und Dollarindex ebenfalls aus wichtigen Widerständen ausbrachen.
Piper-Sandler-Charttechniker Craig Johnson bezeichnete diese Kombination als seltenes Dreifachsignal, das den S&P 500 unter seine 50-Tage-Linie drückte und eine Sommerkorrektur andeutete. Zugleich sieht er darin eine Chance zur Umschichtung: Finanzwerte markierten im Juli ein Rekordhoch, während Energie-, Industrie-, Versorger- und Gesundheitswerte relative Stärke oberhalb ihrer 50-Tage-Linien zeigten. Seit dem Verlaufshoch vom 2. Juni legten Gesundheits- und Finanzwerte im S&P 500 um 14 beziehungsweise 12 Prozent zu.
Vorsicht vor dem reflexartigen Dip-Kauf
Trotz der Erleichterungsrally raten mehrere Großbanken zur Zurückhaltung. Wer die aktuelle Erholung reflexartig als Einstiegschance wertet, läuft Gefahr, die zugrunde liegenden Warnsignale zu ignorieren. Die technische Verfassung des Marktes bleibt angeschlagen, selbst wenn geopolitische Entspannung kurzfristig für Auftrieb sorgt.
Der nächste Test folgt am Freitag mit dem Arbeitsmarktbericht für Juli. Ein überraschend starker Stellenaufbau würde der US-Notenbank mehr Spielraum für weitere Zinsschritte geben – und damit genau jene Anleiherendite-Dynamik neu befeuern, die den S&P 500 erst vergangene Woche unter Druck gesetzt hatte.
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