Der Krieg zwischen den USA und Iran eskaliert, die Ölpreise ziehen an, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kratzen an wichtigen Marken. Der S&P 500 dagegen bleibt erstaunlich gelassen. Zwei der einflussreichsten Stimmen der Wall Street warnen unterdessen vor genau dieser Sorglosigkeit.
Die USA haben in der vergangenen Woche zehn Nächte in Folge Ziele im Iran angegriffen, die Huthi-Miliz im Jemen hat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt. Die Rohölsorte Brent kletterte am Montag kurzzeitig über 90 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI notierte bei 82,88 Dollar. Parallel dazu stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über 4,6 Prozent — ein Niveau, das Marktteilnehmer aufmerksam verfolgen.
Index trotzt der Eskalation
Trotz dieser Gemengelage schloss der S&P 500 am Montag nur mit einem moderaten Minus von 0,19 Prozent bei 7.443,28 Punkten und bleibt damit nur wenige Prozent von seinem Rekordhoch aus dem Juni entfernt. Ein Grund dafür liegt in der Zusammensetzung des Index selbst: Technologiewerte machen rund 38 Prozent der Gewichtung aus und gelten als vergleichsweise unempfindlich gegenüber steigenden Energiekosten, während der Energiesektor nur etwa drei Prozent stellt.
Genau diese Struktur könnte laut Marktbeobachtern kippen, sollte der Ölpreis dauerhaft auf hohem Niveau verharren. Bleibt Brent bis zum Jahresende oberhalb von 85 bis 90 Dollar, dürften Analysten ihre Gewinnschätzungen für dieses Jahr nach unten korrigieren müssen — im ungünstigsten Fall mit einer Korrektur des Gesamtmarktes als Folge.
Dimon und das teuerste Bewertungsniveau seit 1999
JPMorgan-Chef Jamie Dimon erklärte in einem aktuellen Interview, er würde weder Aktien noch langlaufende US-Staatsanleihen zu den derzeitigen Kursen kaufen. Die Märkte würden geopolitische und fiskalische Risiken unterschätzen, so Dimon — trotz eines Kursplus des S&P 500 von rund zehn Prozent in diesem Jahr.
Diese Einschätzung trifft auf ein Bewertungsbild, das auch Warren Buffett bereits beunruhigt hat. Das Shiller-KGV des S&P 500 kletterte Anfang Juli auf rund 41 Punkte — der zweithöchste Stand seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1881. Höher lag die Kennzahl nur einmal, im Dezember 1999 kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase mit 44,2 Punkten. Auch der von Buffett bevorzugte Indikator, das Verhältnis von US-Marktkapitalisierung zur Wirtschaftsleistung, notiert erstmals über 200 Prozent.
Die kommende Fed-Sitzung dürfte zeigen, wie stark steigende Energiepreise bereits auf die Inflationserwartungen durchschlagen. Fed-Fund-Futures preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 83 Prozent ein, dass die Notenbank die Zinsen unverändert lässt. Wie lange der Markt hohe Bewertungen und geopolitisches Risiko gleichzeitig ausblenden kann, dürfte sich an der Entwicklung von Ölpreis und Anleiherenditen in den kommenden Wochen entscheiden.
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