Die Wall Street erlebt turbulente Zeiten. Der S&P 500 verlor am Donnerstag 1,6 Prozent und schloss bei 6.832,75 Punkten – ein deutlicher Rücksetzer nach den jüngsten Höchstständen. Besonders hart traf es den Technologiesektor, der unter Sorgen um KI-bedingte Geschäftsmodell-Verwerfungen und schwachen Cisco-Zahlen litt.

Doch heute könnte die Richtung für die kommenden Wochen festgelegt werden. Um 14:30 Uhr deutscher Zeit stehen die US-Verbraucherpreise für Januar auf der Agenda – und die Märkte sind angespannt.

Alle Augen auf den CPI

Ökonomen rechnen mit einem monatlichen Anstieg der Kernrate um 0,3 Prozent, was die Jahresrate von 2,7 auf 2,5 Prozent drücken würde. Klingt beruhigend – doch Vorsicht ist geboten. In den vergangenen vier Jahren fiel der Januar-CPI stets heißer aus als erwartet. JPMorgan kalkuliert mit Ausschlägen von bis zu 2,5 Prozent im S&P 500, je nachdem wie die Zahlen ausfallen.

Die Brisanz ist klar: Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten Anfang der Woche haben Anleger ihre Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen bereits zurückschrauben müssen. Eine Zinspause im März und April gilt mittlerweile als wahrscheinlich. Sollten die Inflationszahlen nun ebenfalls enttäuschen, wäre selbst die für Juni eingepreiste Zinssenkung in Gefahr – aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei etwa 70 Prozent.

Tech-Sektor unter Druck

Die Vorzeichenlage am Freitagmorgen bleibt angespannt. S&P 500 Futures notieren 0,3 Prozent im Minus, Nasdaq-Futures verlieren 0,2 Prozent. Der gestrige Tech-Ausverkauf sitzt den Anlegern noch in den Knochen. Cisco brach nach enttäuschenden Quartalszahlen um 12 Prozent ein, die sogenannten „Magnificent Seven“ büßten zwischen 0,6 und 3 Prozent ein.

Parallel dazu sorgt ein neues KI-Tool von Algorhythm Holdings für Unruhe. Die Software soll Ineffizienzen im Frachtsektor massiv reduzieren – ein potenzieller Gamechanger, der bei Logistik-Aktien für Panikverkäufe sorgte. Algorhythm selbst schoss um 30 Prozent nach oben.

Analysten von Pictet Asset Management sehen die jüngsten Verluste allerdings entspannt: „Die Märkte haben einen gesunden Korrekturbedarf durchlaufen und etwas Übertreibung abgeschüttelt.“ Besonders spekulative Bereiche wie Meme-Aktien und unrentable Tech-Werte hätten Federn lassen müssen.

Ob der S&P 500 seine Wochenverluste begrenzen kann, entscheidet sich in wenigen Stunden. Bei einem milden Inflationswert könnte die Erholung schnell einsetzen – doch die Geschichte mahnt zur Vorsicht.