Nach einer schwachen Woche meldet sich eine der prominentesten Stimmen der Wall Street mit einer klaren These zu Wort: Die Korrektur am US-Aktienmarkt könnte bald vorbei sein. Morgan-Stanley-Stratege Michael Wilson rät dazu, sich auf Kaufgelegenheiten vorzubereiten.
Freitag belastet die Stimmung
Der S&P 500 verlor am Freitag 1,09 Prozent und schloss bei 7.659,44 Punkten, nahe den Tagestiefs. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 2 Prozent. Der Nasdaq traf es härter: Er büßte 2,14 Prozent ein und liegt für die Woche 4,5 Prozent im Minus.
Auslöser waren erneute Sorgen über schuldenfinanzierte Ausgaben für KI-Infrastruktur. Computerhardware-Werte gerieten besonders unter Druck, der entsprechende Index fiel auf ein Zweimonatstief. Hinzu kam der Ölpreis: Die US-Sorte WTI sprang über die Marke von 100 Dollar je Barrel, nachdem der Iran seine Angriffe in der Straße von Hormus verschärft hatte.
Stützend wirkten allenfalls Konjunkturdaten. Die US-Industrieproduktion legte im September um 0,7 Prozent zu, mehr als erwartet.
Wilsons Argumente
Wilson verweist auf den Qualitätsfaktor seiner Bank. Er hat ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht und seit Mitte August rund 6 Prozent zugelegt. Der gleichgewichtete S&P 500 gab im selben Zeitraum fast 4 Prozent nach.
Auch bei den Gewinnrevisionen sieht er ein Signal. Der Abstand zwischen hochwertigen und schwächeren Aktien ist auf nahezu 10 Prozent gestiegen, den zweithöchsten Wert seit 2010. Historisch schlugen Qualitätswerte den Markt bei ähnlichen Niveaus im Folgejahr im Schnitt um 7,5 Prozent.
Die Finanzierungsbedingungen erledigen aus seiner Sicht bereits die Arbeit der Notenbank. Ein Index aus Zinsen, Dollar und Energiepreisen zeigt die straffsten Bedingungen seit 2022. Konjunktursensible Aktien liegen seit Mitte August fast 10 Prozent im Minus. Würdigte Fed-Chef Warsh diese Verschärfung, käme das bei zinsempfindlichen Sektoren laut Wilson gut an.
Übergang in den Mittelzyklus
Die Marktkorrektur dauert bereits mehr als drei Monate. Wilson beschreibt sie als Wechsel vom frühen in den mittleren Zyklus, während sich der KI-Handel von den Zulieferern hin zu den Anwendern verlagert. Das Ende der Korrektur könnte demnach damit einhergehen, dass der Qualitätsindex nachgibt, während der Faktor selbst stabil bleibt. Das könne schnell oder langsam geschehen.
Wilson sieht darin ausdrücklich keinen Hinweis auf ein Ende des Investitions- oder Kreditzyklus. Entscheidend ist nun, ob der Markt seine These übernimmt: Ein Ölpreis dauerhaft über 100 Dollar und weitere Rückschläge bei KI-Werten würden sie auf die Probe stellen.
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