Die Nervosität an der Wall Street hat einen klaren Auslöser: Rohöl der Sorte Brent kletterte in Richtung der 100-Dollar-Marke, nachdem sich die Lage im Nahen Osten weiter zugespitzt hat. Huthi-Milizen griffen saudische Energieanlagen an, US-Streitkräfte trafen mehrere iranische Öltanker, Iran wiederum nahm eine US-Basis in Jordanien ins Visier. Für die Börsen bedeutet das vor allem eines: neue Nahrung für die Inflationsangst.
Der S&P 500 gab am Dienstag um 0,58 Prozent auf 7.673,52 Punkte nach, der Dow Jones verlor mit 1,18 Prozent noch deutlicher und schloss bei 52.786,07 Zählern. Die Nasdaq hielt sich mit einem Minus von 0,32 Prozent vergleichsweise stabil — gestützt von Chipwerten wie AMD, Arm und Broadcom, die von der Euphorie um leistungsfähigere KI-Modelle profitierten.
Intel legte sogar rund neun Prozent zu, nachdem Berichte über mögliche Preiserhöhungen und eine Analystenhochstufung durch Northland Securities die Runde machten.
Zinsen und Öl treiben sich gegenseitig
Der Ölpreisanstieg hat einen direkten Draht zur Zinspolitik. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zeitweise über 4,8 Prozent — das höchste Niveau seit November 2023. Das treibt die Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher nach oben und macht Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver.
Die Terminmärkte preisen inzwischen deutlich höhere Chancen auf eine Zinserhöhung der Federal Reserve bei der Sitzung am 16. und 17. September ein. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte kletterte auf rund 68 Prozent, nachdem sie eine Woche zuvor noch bei etwa 40 Prozent gelegen hatte. Kein Wunder, dass Anleger auf die anstehenden US-Inflationsdaten so gespannt schauen wie lange nicht.
Parallel dazu richtet sich der Blick auf die Europäische Zentralbank, die am Donnerstag über die Zinsen entscheidet. In den USA folgen am Freitag die Verbraucherpreise, zuvor liefert der Erzeugerpreisindex weitere Hinweise auf den Preisdruck.
Im Pharmasektor sorgte unterdessen Dyne Therapeutics für Aufsehen — die Aktie brach um mehr als 16 Prozent ein, nachdem Novartis mit einem Studienflop bei einem vergleichbaren Medikamentenkandidaten gegen Muskelkrankheit Rückschläge einräumen musste. Solche Einzelereignisse blieben für den Gesamtmarkt aber zweitrangig gegenüber der Öl- und Zinsthematik.
Die Terminkontrakte auf den S&P 500 zeigten sich am Mittwochmorgen mit einem moderaten Plus von 0,1 Prozent auf 7.685 Punkte kaum verändert. Die entscheidenden Impulse dürften erst mit den Inflationsdaten am Freitag und der Fed-Sitzung in der kommenden Woche kommen — bis dahin bleibt der Ölpreis der Taktgeber für die Stimmung an der Wall Street.
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