Der S&P 500 hat sich seit der Wahl von Donald Trump im November 2024 um 33 Prozent verteuert. Diese Rally hat allerdings eine Bewertung hinterlassen, die selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt.

Das konjunkturbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis, bekannt als CAPE-Kennzahl oder Shiller-KGV, notiert derzeit bei 41,4. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 17,4. Nur ein einziges Mal in der Geschichte lag der Wert höher: 1999, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, mit einem Stand von 44.

Inflation bringt die Fed in die Zwickmühle

Die eskalierende Lage im Nahen Osten treibt die Teuerung nach oben. Im Juli kletterte die US-Inflationsrate auf 3,4 Prozent – deutlich über dem Zielwert der Federal Reserve von 2 Prozent. Das erschwert der Notenbank die Rechtfertigung für niedrigere Leitzinsen, denn günstigere Kredite würden zwar die Konjunktur stützen, den Preisauftrieb aber zusätzlich befeuern.

Trump hat zuletzt gedroht, den Handel mit Ländern einzustellen, die einen Handelsüberschuss gegenüber den USA aufweisen, sollte die Fed die Zinsen nicht senken. Eine solche Maßnahme dürfte die Inflation eher anheizen als Zinssenkungen wahrscheinlicher machen.

Die Fed selbst hat diese Woche die Zinsen bereits um einen Viertelpunkt angehoben, wegen der erhöhten Inflation – und Projektionen deuten auf mindestens eine weitere Anhebung in diesem Jahr hin.

Anleihemarkt sendet Warnsignale

Am deutlichsten zeigt sich die Nervosität am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegt sich um die 5-Prozent-Marke und markiert damit den risikofreien Zins der US-Wirtschaft. Steigt diese Rendite weiter, verteuern sich Kredite für Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen – ein Risiko besonders für den Technologiesektor, der derzeit hunderte Milliarden Dollar in den Aufbau von KI-Rechenzentren investiert.

Am Freitag zeigte sich der Index selbst noch robust: Der S&P 500 legte um 0,17 Prozent auf 7.650,50 Punkte zu, während der Dow Jones um 0,18 Prozent nachgab. Auf Wochensicht bedeutete das für den marktbreiten Index ein leichtes Minus von 0,1 Prozent. Gefragt waren erneut Halbleiterwerte, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang für das kommende Jahr eine Verdopplung des Chipabsatzes in Aussicht gestellt hatte.

Die Kombination aus Rekordbewertung, hartnäckiger Inflation und steigenden Anleiherenditen bildet ein Spannungsfeld, das sich nicht von selbst auflöst. Historisch orientierte sich der Aktienmarkt stärker an Unternehmensgewinnen als an politischen Entscheidungen – doch je länger Zinsen hoch bleiben und Trumps Kurs unberechenbar wirkt, desto stärker dürfte die Bewertung selbst zum Belastungsfaktor werden.