Der Index liegt kaum höher als Ende Mai, und trotzdem wächst die Zuversicht. Ein Blick auf den Kalender liefert dafür ein Argument: Historisch endet die letzte Schwächephase eines Börsenjahres oft genau Ende Oktober.
Der Kalender spricht für Erholung
Jim Reid, Makro-Chefanalyst der Deutschen Bank, hat den durchschnittlichen Jahresverlauf des S&P 500 seit 1928 ausgewertet. „Heute, am 27. Oktober, bildet sich historisch der letzte Tiefpunkt eines typischen Jahres“, schreibt er. Danach gehe es meist in eine Richtung: nach oben, bis zum Jahresende.
Hinzu kommt der Zwischenwahl-Effekt. In 21 der vergangenen 23 Midterm-Jahre lag der Index drei Monate nach Anfang Oktober im Plus. Dieses Jahr verlief das Muster laut Reid milder als üblich. Nach dem Rekord Ende Mai und zeitweise rund 11 Prozent Jahresplus steht der Index heute weniger als 1 Prozent über diesem Niveau.
Reid warnt allerdings selbst vor Automatismen. Durchschnitte verdeckten große Streuung, manche Midterm-Jahre endeten im Bärenmarkt. Iran, KI und Frankreich verschwänden nicht von allein.
Handel verläuft ruhig
An der Wall Street zeigte sich das am Dienstag in Zurückhaltung. Der S&P 500 legte im frühen Handel um 0,1 Prozent auf 7.682 Punkte zu, nachdem er zuvor kurz stärker gelaufen war. Der Nasdaq-100 stützte sich auf die Erholung bei KI-Werten nach den Börsengangsunterlagen von Anthropic. Broadcom gewann nach einer Kaufempfehlung von D.A. Davidson mehr als 3 Prozent.
Der Dow Jones gab leicht nach, belastet von Boeing und Sherwin-Williams. Coca-Cola stagnierte trotz erhöhter Jahresprognose. UPS stieg nach einer angehobenen Prognose um 2,6 Prozent.
Die Ölpreise gaben etwas nach, weil Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Iran-Krieg überwiegt. Vertreter Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei hatten Teheran besucht.
Fed-Entscheid und Bilanzen als Prüfsteine
Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank über den Leitzins. Laut einer CNBC-Umfrage unter 30 Marktteilnehmern erwarten 93 Prozent eine Pause. Drei Viertel rechnen jedoch im Dezember mit einer Zinserhöhung. Die Strategen sehen den S&P 500 zum Jahresende bei rund 7.600 Punkten, für das kommende Jahr bei 8.033 Punkten, zuvor waren es 8.274.
Als größte Risiken nennen die Befragten den Iran-Krieg und ein Platzen der KI-Blase. Zudem gilt die Kongresswahl am 3. November als Unsicherheitsfaktor.
Nach Börsenschluss am Mittwoch berichten Alphabet und Microsoft, am Donnerstag folgt Amazon. Fed-Entscheid, drei Tech-Bilanzen und die Wahl liegen damit innerhalb einer Woche. Sie liefern den ersten echten Test für Reids Saisonalitätsthese.
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