Der Index steht nur rund ein Prozent unter seinem jüngsten Rekordschluss. Die Breite des Marktes erzählt allerdings eine andere Geschichte: Die Rally ruht auf sehr wenigen Schultern.
Wenige Titel tragen den Index
84 Prozent der Indexmitglieder notieren mindestens zehn Prozent unter ihren Allzeithochs, bei 59 Prozent sind es sogar mindestens 20 Prozent. Marktbeobachter sprechen deshalb von einem verdeckten Bärenmarkt.
Seit dem Markttief vom 30. März gehen 70 Prozent des Anstiegs auf nur zehn Aktien zurück. Nvidia steuerte allein 13 Prozent bei, Micron, Apple und Microsoft kamen auf jeweils 9 Prozent. Die übrigen 490 Werte teilen sich die restlichen 30 Prozent. Schwach zeigten sich vor allem Immobilien, Materialien, Versorger und zyklische Konsumwerte.
Gestern fing die Wall Street den jüngsten Ausverkauf auf. Der S&P 500 legte um 0,33 Prozent auf 7.744 Punkte zu, der Dow gewann 1,08 Prozent, der Nasdaq nur 0,08 Prozent. Kurzfristig gelten die Märkte technisch als überverkauft.
Öl und Zinsen belasten
Der Gegenwind kommt von der Zinsseite. Zu Jahresbeginn rechneten Anleger mit drei Senkungen der Fed. Inzwischen hat die Notenbank einmal erhöht, und der Markt preist bis Juni 2027 drei weitere Schritte ein.
Treiber ist der Ölpreisschock. Brent kostet rund 106 Dollar je Barrel, Diesel liegt mehr als 80 Prozent über dem Januartief. Hinzu kommen die US-Erzeugerpreise: Sie stiegen im September um 1,3 Prozent zum Vormonat und um 6,3 Prozent zum Vorjahr.
Der Nahostkonflikt hält die Inflationssorgen am Leben, diplomatische Signale sorgten bisher nur zwischenzeitlich für Entspannung. Parallel wachsen die Zweifel, ob sich die hohen KI-Investitionen auszahlen.
Die Chance im Schatten
Gerade in der Bewertung sehen manche Analysten eine Gelegenheit. Nvidia legte im betrachteten Zeitraum um 21 Prozent zu, das Kurs-Gewinn-Verhältnis sank zugleich um 46 Prozent. Mit einem erwarteten KGV von rund 24 liegt der Chipkonzern nur noch knapp über dem Gesamtmarkt mit etwa 22. Historisch gab es für Technologiewerte meist einen deutlichen Aufschlag.
Lässt der Druck durch Öl, Renditen und Zinserwartungen nach, könnte diese Bewertungskompression eine Rally befeuern. Goldman Sachs verweist auf zusätzlichen Rückenwind: Bis Ende Oktober dürfen rund 48 Prozent der Index-Unternehmen wieder eigene Aktien zurückkaufen.
Mit der laufenden Berichtssaison rückt zudem die Frage in den Mittelpunkt, wie die Konzerne ihre KI-Investitionen monetarisieren. TSMC lieferte dazu mit einem Gewinnplus von 69 Prozent bereits eine starke Vorlage.
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