Der amerikanische Aktienmarkt steht vor einer Woche, die es in sich hat. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Dienstag um 1,4 Prozent auf 5,030 Prozent — der höchste Stand seit 2007. Der Grund: Anleger rechnen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 85 Prozent, dass die Fed am Mittwoch die Zinsen anhebt.

Es wäre die erste Zinserhöhung der Notenbank seit Juli 2023. Befeuert wird diese Erwartung durch hartnäckige Inflationszahlen: Die Kernrate der Verbraucherpreise stieg im August um 0,3 Prozent zum Vormonat, die Gesamtrate liegt bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich — deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent.

Ölpreis und Zinsangst verstärken sich gegenseitig

Hinzu kommt Druck von der Energiefront. Die Sorte Brent kletterte über 107 Dollar je Barrel, nachdem Angriffe auf saudische Pipeline-Infrastruktur und Drohungen gegen Schifffahrtsrouten die Angebotssorgen verschärft hatten. Ein geplantes Treffen zwischen Iran und Golfstaaten zur Wiederöffnung der Straße von Hormus wurde verschoben — auch das trieb die Preise.

Die Gemengelage ist besonders unangenehm: Sollte die Fed die Zinsen entgegen der Erwartungen doch nicht anheben, könnte das Vertrauen in die Inflationsbekämpfung der Notenbank leiden — und den Ausverkauf am Anleihemarkt paradoxerweise sogar verschärfen. Diese Erwartungshaltung selbst hält die Renditen oben.

Der S&P 500 reagierte am Dienstag mit einem Rückgang von 0,3 Prozent, der Dow Jones gab 0,4 Prozent ab, der Nasdaq verlor ebenfalls 0,4 Prozent. Steigende Anleiherenditen erhöhen den Diskontsatz für künftige Unternehmensgewinne und entziehen dem Aktienmarkt Kapital — ein Mechanismus, der sich in den vergangenen Handelstagen bereits mehrfach gezeigt hat.

Am Montag hatte der Index bereits um 0,21 Prozent auf 7.641 Punkte nachgegeben, nachdem sich die Ölpreise von ihren Tageshochs wieder etwas zurückgezogen hatten.

Belastend wirkten zusätzlich Sicherheitsbedenken rund um Künstliche Intelligenz, nachdem Anthropic-Chef Dario Amodei vor einer zu schnellen Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle gewarnt hatte. Halbleiterwerte gerieten daraufhin deutlich unter Druck, während Cybersicherheits-Titel von der Debatte profitierten.

Am Mittwoch entscheidet die Fed über den Leitzins. Gleichzeitig veröffentlicht die Notenbank ihre aktualisierten Wirtschaftsprognosen samt „Dot Plot“, der einen Ausblick auf den Zinspfad bis mindestens März 2027 liefern soll. Beide Ereignisse dürften darüber entscheiden, ob sich die Nervosität an den Märkten in dieser Woche weiter aufbaut oder abflaut.