Der Ablauf der ersten Sperrfrist nach dem Börsengang hat den Streubesitz von SpaceX schlagartig verändert. Rund 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 100 Milliarden Dollar wurden gestern handelbar, wie Forbes berichtete. Damit verdoppelte sich der frei handelbare Anteil auf 11,8 Prozent der ausstehenden Aktien – ein Ereignis, das Anleger seit Wochen mit Sorge beobachtet hatten.
Lockup-Ablauf trifft auf Kursrally
Statt des befürchteten Verkaufsdrucks setzte sich am deutschen Handelsplatz eine Erholung durch. Die Aktie schloss am Donnerstag mit einem Plus von 6,55 Prozent bei 99,55 Euro. Der Sprung folgte auf einen heftigen Rücksetzer, den Medienberichten zufolge Sorgen um die aggressiven Investitionen des Unternehmens in Künstliche Intelligenz ausgelöst hatten. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch weiterhin ein Minus von 23,26 Prozent zu Buche – die Nervosität rund um die Kapitalausgaben ist damit nicht ausgeräumt, auch wenn sich der jüngste Kursverlauf stabilisiert hat.
Rekordumsatz mit Konzern-Verlust
Ausgangspunkt der Turbulenzen war die erste Quartalsvorlage des Unternehmens als börsennotierter Konzern. Laut Reuters erzielte SpaceX im zweiten Quartal einen Umsatz von 7,81 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 6,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb dennoch ein Nettoverlust von 541 Millionen Dollar beziehungsweise 0,09 Dollar je Aktie – schmaler als der von Analysten erwartete Verlust von 0,26 Dollar je Aktie.
Treiber des Wachstums bleibt Starlink: Die Sparte kam auf zwölf Millionen zahlende Abonnenten, doppelt so viele wie im Vorjahr, während die Konnektivitätserlöse laut Unternehmensangaben um 66 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar zulegten. Zum Quartalsende verfügte SpaceX über 100 Milliarden Dollar an Barmitteln und Wertpapieren sowie einen Auftragsbestand von 47,5 Milliarden Dollar.
Analysten zwischen Euphorie und Vorsicht
Die Reaktionen der Wall Street auf Zahlen und Lockup fielen ungewöhnlich weit auseinander. JPMorgan hob das Kursziel am Mittwoch von 225 auf 240 Dollar an und verwies auf die „extreme vertikale Integration“ des Konzerns sowie das Tempo, mit dem sich die KI-Infrastruktur monetarisieren lasse. Piper Sandler zog in die entgegengesetzte Richtung und senkte das Kursziel im selben Zeitraum von 156 auf 140 Dollar bei unveränderter Neutral-Einstufung – als Begründung nannte das Haus den Überhang durch die Lockup-Freigabe sowie für 2027 erwartete Investitionsausgaben von 65 Milliarden Dollar. Bank of America bestätigte parallel eine Kaufempfehlung mit Kursziel 235 Dollar und rechnet damit, dass die KI-Sparte bis Ende 2026 auf 24,5 Milliarden Dollar Umsatz kommen könnte, während Wells Fargo das Ziel wegen der Sorge um ein Auseinanderlaufen von Investitionen und Umsatzwachstum auf 215 Dollar kappte. Mizuho-Analyst Brett Linzey wertete den Kursrückgang nach den Zahlen als attraktiven Einstiegspunkt.
Starship-Fortschritt und neue Konkurrenz
Operativ bleibt der Fahrplan ambitioniert. Firmenchef Elon Musk kündigte während der ersten Telefonkonferenz mit Analysten an, dass der Teststart Starship Flight 14 für Ende August geplant sei und dabei erstmals ein sogenanntes „Ship Catch“-Manöver bei der Rückkehr versucht werden solle. Vorausgegangen war Ende Juli der Flug 13, dessen Kapsel den Wiedereintritt in die Atmosphäre mit ausreichender struktureller Stabilität überstand, um anschließend im Ozean zu schwimmen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA bestätigte zudem, dass die Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation frühestens am 12. September starten soll.
Nicht alle Nachrichten fielen positiv aus: Die US Space Force vergab Aufträge an Rocket Lab und Systems Technology Research für Satelliten zur Flugzeugverfolgung – ausdrücklich mit dem Ziel, die Abhängigkeit von SpaceX in diesem Bereich zu verringern. Zudem sorgte eine ausgebrannte Oberstufe einer Falcon-9-Rakete aus dem Jahr 2025 für Aufsehen, die nahe dem Einstein-Krater auf dem Mond einschlug und dort einen rund 18 Meter breiten Krater hinterließ, wie Aufnahmen des südkoreanischen Orbiters Danuri bestätigten. Auf regulatorischer Seite könnte hingegen Rückenwind entstehen: Die US-Luftfahrtbehörde FAA schlug Ende Juli vor, Umweltprüfungen unter 13 Gesetzen für kommerzielle Raumfahrtlizenzen auszusetzen, um die Startfrequenz zu erhöhen.
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