SpaceX steuert auf eine der heikelsten Wochen seit dem Börsengang zu. Am 4. August legt das Raumfahrtunternehmen erstmals als börsennotierte Gesellschaft Quartalszahlen vor, kurz darauf drohen Hunderte Millionen zusätzlicher Aktien auf den Markt zu kommen. Gleichzeitig sorgt ein Bericht des Wall Street Journal über einen möglichen Tesla-SpaceX-Zusammenschluss für Unruhe unter Anlegern.
Der Kurs spiegelt die Nervosität wider: Am Donnerstag schloss die Aktie bei 97,54 Euro, ein Minus von 0,60 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 29,51 Prozent zu Buche. Damit notiert das Papier nur noch 3,60 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 28. Juli. Der RSI von 33 signalisiert eine überverkaufte Marktlage.
Lockup-Ablauf als nächster Belastungstest
Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas beschreibt die kommenden Tage als Moment der Wahrheit für SpaceX-Shortseller. Nach den Q2-Zahlen sollen am 6. August mehr als 930 Millionen Aktien im Wert von rund 100 Milliarden Dollar handelbar werden – bis Januar 2027 könnten es laut Jonas fast vier Milliarden Aktien werden. Der Analyst verweist auf Chancen wie zusätzliche Rechenkapazität von über zwei Gigawatt und wachsende Cloud-Partnerschaften, sieht aber auch Risiken durch Kapitalausgaben von mehr als 50 Milliarden Dollar und mögliches weiteres Fundraising. Trotz der Vorbehalte bleibt Morgan Stanley bei „Overweight“ mit einem Kursziel von 300 Dollar. Der Analystenkonsens liegt bei 23 Kaufempfehlungen, sechs Halten-Einstufungen und einem Verkaufsvotum, das durchschnittliche Kursziel beträgt 239,04 Dollar.
Die erste Bilanz als Publikumsgesellschaft dürfte für Klarheit über die operative Entwicklung sorgen. Im vergangenen Jahr verbuchte SpaceX bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar, im ersten Quartal 2026 standen 4,7 Milliarden Dollar Umsatz einem Verlust von 4,3 Milliarden Dollar gegenüber. Das Starlink-Geschäft bleibt dabei profitabel und wuchs im Vorjahresvergleich um rund die Hälfte.
Tesla-Merger-Spekulation belastet zusätzlich
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte ein Bericht des Wall Street Journal vom Donnerstag, wonach Tesla-Manager eine Trennung vom China-Geschäft prüfen, um einen möglichen Zusammenschluss mit SpaceX zu ermöglichen. Als Optionen werden ein Spin-off, ein Verkauf oder eine Schließung des Werks in Shanghai genannt, das nach Angaben aus dem Bericht mehr als die Hälfte aller Tesla-Auslieferungen produziert. Hintergrund ist demnach, dass SpaceX als Verteidigungsauftragnehmer des US-Militärs gilt und eine China-Präsenz im Konzernverbund regulatorisch problematisch wäre. Elon Musk bezeichnete den Bericht gegenüber Reuters als „fake news“, hatte aber bereits beim Tesla-Ergebnisaufruf Ende Juli von zunehmenden Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen gesprochen. JPMorgan-Analysten sehen in den chinesischen Genehmigungsverfahren einen praktischen Engpass für eine Fusion, SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell soll laut Reuters-Bericht angemerkt haben, ein Zusammenschluss könnte Musks Leben erleichtern.
Für die SpaceX-Aktie bedeutet die Debatte ein weiteres Unsicherheitsmoment neben der bereits volatilen Nachbörsenphase. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 65,19 Prozent zeigt, wie stark das Papier seit dem Börsengang im Juni schwankt.
Neuer Space-Force-Auftrag stützt das Kerngeschäft
Auf der operativen Seite kann SpaceX auf einen frischen Regierungsauftrag verweisen: Die US Space Force vergab am Donnerstag einen Vertrag über 1,6 Milliarden Dollar für 18 Falcon-9-Missionen, die bis Ende 2027 durchgeführt werden sollen. Das entspricht umgerechnet etwa 89 Millionen Dollar pro Start und stärkt das Launch-Segment, das 2025 einen Umsatz von 4,1 Milliarden Dollar und ein EBITDA von 653 Millionen Dollar erwirtschaftete. Solche Verträge unterstreichen die Rolle von SpaceX als zentraler Partner für staatliche Raumfahrtmissionen, während parallel die US-Luftfahrtbehörde FAA eine Lockerung von Umweltauflagen für kommerzielle Starts vorschlägt – ein Vorhaben, das Kritik von Umweltgruppen auf sich zieht, aber potenziell schnellere Genehmigungsverfahren für künftige Starship-Flüge ermöglichen könnte.
Anleger richten den Blick nun auf den 4. August. Die Kombination aus erstem Quartalsbericht, unmittelbar folgendem Lockup-Ablauf und der ungeklärten Tesla-Frage dürfte die Schwankungsbreite der Aktie in den kommenden Tagen hoch halten.
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