Drei Raketenstarts in weniger als 13 Stunden: Mit dieser operativen Demonstration hat SpaceX gestern ein klares Signal an die Raumfahrtbranche gesendet. Die Anleger honorieren diese Taktung prompt. Im heutigen Handel klettert die Aktie um 7,3 Prozent auf 141,40 Euro.
Für mich zeigt diese Marktreaktion jedoch nur die halbe Wahrheit. Hinter dem eindrucksvollen Flugprogramm im operativen Tagesgeschäft verbergen sich technologische Herausforderungen, die für die langfristige Bewertung des Konzerns deutlich schwerer wiegen dürften als geglückte Routineflüge.
Routine im All und Milliarden aus Washington
Medienberichten zufolge umfasste die Startserie von gestern unter anderem die erste Mission einer Falcon Heavy für das U.S. National Reconnaissance Office. Dieser Erfolg unterstreicht die verlässliche Dominanz von SpaceX im institutionellen und staatlichen US-Startmarkt. Behörden und Sicherheitsorgane vertrauen ihre schwerste Fracht kaum einem anderen Akteur mit vergleichbarer Zuverlässigkeit an.
Dieser Vertrauensbeweis spiegelt sich auch in harten Zahlen wider. Am 18. September sicherte sich das Unternehmen einen NASA-Auftrag über 946 Millionen $ für drei zusätzliche Astronautenflüge zur Internationalen Raumstation ISS. Damit wächst das Gesamtvolumen dieses Kontrakts auf 5,92 Milliarden $ bei nunmehr 17 Missionen bis zum Jahr 2030. Für Anleger bedeutet das eine planbare Einnahmebasis, die das Fundament für riskantere Entwicklungsschritte legt.
Das Falcon-Programm hat sich längst von einem Wagnis zu einer hochprofitablen Arbeitsplattform gewandelt, deren Auslastung auf Jahre hinaus abgesichert ist.
Der Schatten des Starship-Triebwerks
Gleichwohl trügt der Glanz der aktuellen Falcon-Erfolge, wenn man den Blick auf das eigentliche Zukunftsprojekt richtet. Erst am Montag absolvierte das Megaprojekt Starship seinen 14. Testflug.
Das Raumfahrzeug erreichte zwar die Erdumlaufbahn und setzte 26 Starlink-Satelliten aus, doch eine vorzeitige Triebwerksabschaltung verkürzte die Mission um mehrere Stunden. Was im operativen Bericht wie ein kleiner Dämpfer wirkt, birgt beträchtlichen Zündstoff für den Zeitplan.
Laut Reuters berichtete die Nachrichtenagentur am Dienstag, dass dieser Triebwerksausfall die Planungen der NASA für bemannte Mondlandungen verkomplizieren könnte. Starship ist eines von zwei Vehikeln, die im Wettbewerb stehen, um frühestens im Jahr 2028 Astronauten auf der Mondoberfläche abzusetzen.
Für mich liegt hier die eigentliche Bruchlinie: Die Falcon-Flotte liefert verlässliche Routine, doch die gigantischen Wachstums- und Bewertungserwartungen hängen am termingerechten Gelingen des Starship-Systems. Jeder Triebwerksfehler im Orbit erhöht den Druck von staatlichen Auftraggebern und rüttelt am Zeitplan für 2028.
Solide Gegenwart, anspruchsvolle Zukunft
Unterm Strich liefert der Startdreierpack eine willkommene Bestätigung der aktuellen Marktmacht. Die operative Exzellenz im Alltagsbetrieb ist unbestritten, und die Milliardenverträge mit der NASA bieten ein solides Polster gegen kurzfristige Schwankungen. Dennoch sollten Investoren den Kurssprung nicht als Freibrief für eine ungebremste Rally interpretieren.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Starship-Triebwerksproblem schnell behoben werden kann oder ob der Zeitplan für das Mondprogramm der NASA ins Wanken gerät. Bis zu einer belastbaren Lösung bleibt das ambitionierte Projekt ein Unsicherheitsfaktor. Wer auf den Raumfahrtpionier setzt, bezahlt die aktuelle Kursstärke mit dem Risiko spürbarer Verzögerungen bei der nächsten Raketengeneration.
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