SpaceX, Quantencomputing, Blockchain.com: Drei IPO-Signale an einem Tag

SpaceX und Blockchain.com reichen IPO-Unterlagen ein, während Quantencomputing-Aktien dank Milliardenförderung massiv zulegen.

SpaceX, Quantencomputing, Blockchain.com: Drei IPO-Signale an einem Tag
Kurz & knapp:
  • SpaceX beantragt Börsengang an der Nasdaq
  • Blockchain.com reicht vertraulich IPO-Unterlagen ein
  • Quantencomputing-Aktien steigen dank US-Förderung
  • Nvidia-Quartalszahlen enttäuschen den Markt

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit der Feststellung, dass gezieltes Stock-Picking die reine Indexwette schlägt. Am Donnerstag hat der Markt diese These auf eine harte Probe gestellt — denn diesmal gab es kaum Einzelwerte, die sich dem Abwärtssog entziehen konnten. Der DAX drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und schloss bei 24.607 Punkten, ein Verlust von 0,5 Prozent. Der MDAX gab 0,4 Prozent auf 31.780 Punkte ab, der EuroStoxx 50 verlor rund ein halbes Prozent. Nvidia lieferte Rekordzahlen — und die Aktie fiel trotzdem. Doch während Tech konsolidiert, öffnen sich anderswo neue Türen: Drei der ambitioniertesten IPO-Projekte der letzten Jahre nahmen am selben Tag Gestalt an.

Nvidia liefert — und der Markt zuckt mit den Schultern

Die Zahlen sind beeindruckend: Nvidia meldete für das erste Quartal 2026/27 einen Umsatzsprung um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden Dollar, einen bereinigten operativen Gewinn von 53,5 Milliarden Dollar und einen Konzerngewinn von 58,3 Milliarden Dollar — nach 18,8 Milliarden Dollar im Vorjahr. Für das zweite Quartal stellt das Unternehmen 91 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, erhöht die Quartalsdividende von 1 auf 25 Cent und weitet den Aktienrückkaufrahmen um 80 Milliarden auf fast 120 Milliarden Dollar aus.

Die Reaktion? Im frühen US-Handel notierte die Aktie auf Tradegate bei 189,00 Euro, ein Minus von 1,63 Prozent. Jefferies-Analyst Blayne Curtis brachte es auf den Punkt: Nvidia habe geliefert, doch die Aktie könne davon nicht weiter profitieren. Klassisches Sell-the-News.

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In Frankfurt hinterließ diese Stimmung Spuren. Infineon startete zunächst fester, der Kursgewinn schrumpfte aber auf etwa 1 Prozent. Aixtron legte 1,4 Prozent zu. Im Zertifikatehandel blieb die Grundhaltung dennoch bullish auf Tech: Laut Deutscher Börse dominierten gehebelte Produkte auf Alphabet, Nvidia, Micron Technology, TSMC und AMD. Besonders umsatzstark war ein Nvidia-Call (WKN DE000HM5HM23) mit Hebel 7 und Basispreis bei 193,91 Dollar.

Airbus, Commerzbank, Südzucker: Die DAX-Verlierer im Detail

Merck und Zalando führten die Gewinnerliste in Frankfurt an, doch die Verliererseite erzählt die interessantere Geschichte. Airbus war schwächster DAX-Wert — Auslieferungsprobleme beim A350 drückten den Kurs. RWE gab nach einer Rally nach, nachdem Exane BNP die Aktie auf „Neutral“ herabgestuft hatte. Südzucker verlor 3,7 Prozent nach finalen Zahlen zu einem Verlustjahr.

Bei Brenntag, Commerzbank und Bilfinger kamen Dividendenabschläge hinzu, die einen Teil der Kursverluste technisch erklären. Bei der Commerzbank überlagert sich das mit dem Unicredit-Thema: Am 20. Mai warnte die Bank ihre Aktionäre offiziell vor dem Übernahmeangebot der Italiener, das sie als unattraktiv und riskant einstuft. Bereits am 8. Mai hatte die Commerzbank den Abbau von 3.000 Stellen bis 2030 angekündigt — ein Abwehrmanöver, das die Kosten senken und die Eigenständigkeit untermauern soll.

Öl über 100 Dollar, Renditen auf Mehrjahreshochs

Zwei Faktoren belasten den Gesamtmarkt zusätzlich. Erstens: Brent-Öl stieg am Donnerstag zeitweise um rund 2 Prozent auf etwa 107 Dollar je Barrel, WTI kletterte über 100 Dollar. Zum Handelsschluss lagen die Preise bei Brent 105 Dollar und WTI 98 Dollar — deutlich über den Niveaus von 70 beziehungsweise 65 Dollar vor dem Iran-Krieg. Jede Meldung zu Verhandlungen oder zur Straße von Hormus bewegt den Markt, eine klare Richtung fehlt.

Zweitens: Die Renditen bleiben hoch. Zehnjährige US-Treasuries rentierten bei 4,617 Prozent, 30-jährige bei 5,134 Prozent, 20-jährige bei 5,146 Prozent. Am deutschen Rentenmarkt fiel der Euro-Bund-Future um 0,14 Prozent auf 124,78 Punkte, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,19 Prozent. Die EZB dürfte im Juni die Zinsen anheben — bei einer Inflation von 2,9 Prozent in Deutschland und 3,0 Prozent in der Eurozone. Gleichzeitig hat die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 0,6 Prozent halbiert, nach zuvor 1,2 Prozent. Für 2027 erwartet Brüssel 0,9 Prozent. Das ist die ungünstigste Kombination: steigende Zinsen bei stagnierendem Wachstum.

An der Wall Street spiegelte sich die Zurückhaltung: Der Dow Jones verlor 0,05 Prozent auf 49.987 Punkte, der S&P 500 gab 0,30 Prozent auf 7.411 Punkte ab, der Nasdaq fiel 0,46 Prozent auf 26.151 Punkte. Technisch bleibt beim Nasdaq 100 die Zone um 29.000 entscheidend, mit Widerstand bei 29.675 und Unterstützung bei 28.570.

Bei Einzelwerten in den USA stachen Walmart mit einem Minus von bis zu 7,8 Prozent nach schwächerer Prognose und Intuit mit einem Einbruch von bis zu 20,5 Prozent nach enttäuschenden Zahlen und Stellenstreichungen heraus. Auf der Gewinnerseite: Ralph Lauren plus 11,3 Prozent nach starken Quartalszahlen, Elf Beauty plus 8,1 Prozent.

Quantencomputing: IBM führt den Dow, D-Wave springt 25 Prozent

Der stärkste Sektorimpuls des Tages kam nicht aus der KI, sondern aus dem Quantencomputing. Die US-Regierung plant im Rahmen des Chips and Science Act eine Milliardenförderung für die Branche. IBM gründet gemeinsam mit dem US-Handelsministerium die Quantum-Gesellschaft „Anderon“ — beide Seiten bringen je 1 Milliarde Dollar ein. IBM stieg um 7,6 Prozent auf gut 242 Dollar und führte den Dow an.

Die Nebenwerte explodierten: D-Wave Quantum plus 25,4 Prozent auf 24,13 Dollar, Rigetti Computing plus 24,1 Prozent auf 20,93 Dollar, Quantum Computing plus 17,0 Prozent auf 11,19 Dollar, IonQ plus 11,6 Prozent auf 58,56 Dollar, Infleqtion plus 31,0 Prozent auf 14,65 Dollar. Für Anleger bleibt ein Risikofaktor: Bei mehreren Förderzusagen ist die Ausgabe von Stammaktien an die Regierung vorgesehen, Verwässerung ist also eingepreist.

SpaceX und Blockchain.com: Die IPO-Pipeline füllt sich

Am selben Tag verdichteten sich zwei der größten IPO-Geschichten des Jahres. SpaceX reichte am 21. Mai S-1-Unterlagen bei der SEC ein und strebt eine Nasdaq-Notierung unter dem Ticker SPCX an. Die Bewertungsziele liegen bei 1,5 bis 2 Billionen Dollar. Aus den Unterlagen geht hervor: SpaceX hält 18.712 Bitcoin im Wert von rund 1,45 Milliarden Dollar, erworben zu durchschnittlich 35.000 Dollar je Coin. Für 2025 werden Umsätze von 18,7 Milliarden Dollar und ein Verlust von 4,9 Milliarden Dollar genannt. Die Stimmrechtsstruktur ist klar auf Kontrolle ausgelegt: Elon Musk behält über 85 Prozent der Stimmrechte über B-Aktien mit zehnfachem Stimmgewicht, von denen er fast 94 Prozent hält.

Ebenfalls am 21. Mai reichte Blockchain.com vertraulich einen Entwurf der Registrierungserklärung auf Form S-1 bei der SEC ein — für ein geplantes IPO von Class-A-Stammaktien. Das 2011 gegründete Unternehmen zählt über 95 Millionen Wallets, 43 Millionen verifizierte Nutzer und hat mehr als 1,1 Billionen Dollar an Transaktionen abgewickelt. Aktienanzahl und Preisspanne stehen noch nicht fest.

Was jetzt zählt

Der Donnerstag hat gezeigt, wohin sich das Geld bewegt, wenn die KI-Euphorie pausiert: in Quantencomputing-Aktien mit staatlicher Rückendeckung, in IPO-Fantasie bei SpaceX und Blockchain.com, und in kurzfristige Öl-Trades rund um den Iran-Konflikt. Für den DAX bleiben 24.600 Punkte die kurzfristig relevante Marke. Im Nasdaq ist die Zone um 29.000 entscheidend. Die kommenden Tage werden davon abhängen, ob die KI-Gewinnmitnahmen in eine breitere Rotation übergehen — oder ob die Dip-Käufer zurückkehren. Neue Signale zu den Iran-Verhandlungen und die erwartete EZB-Zinserhöhung im Juni setzen den Rahmen.

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Herzlichst, Ihr Andreas Sommer

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Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

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  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

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