Europas Währungsmärkte geraten von zwei Seiten unter Druck. Der Euro fiel im Handel zeitweise auf 1,1161 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit 17 Monaten. Ursache ist eine wachsende politische Unsicherheit: Während Frankreich mit einem umstrittenen Haushalt ringt, hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez überraschend eine Neuwahl für November ausgerufen.
Zwei der großen Volkswirtschaften des Euroraums stehen vor unruhigen Wochen. In Madrid liegt die Regierungspartei in den Umfragen zurück, nachdem landesweite Proteste über hohe Wohnkosten den Druck erhöht hatten. Allerdings steht Spanien wirtschaftlich vergleichsweise stabil da. Das Haushaltsdefizit bewegt sich zwischen 2,0 und 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, weshalb die spanischen Anleiherenditen lediglich um fünf Basispunkte anzogen.
Hohe Zinsaufschläge in Paris
Deutlich angespannter bleibt die Lage in Frankreich. Anleger reagierten verschnupft auf die jüngsten Haushaltsentwürfe der Regierung. Im tief gespaltenen Parlament drohen Misstrauensvoten und eine Aufweichung der geplanten Sparmaßnahmen. Entsprechend hoch bleiben die Risikoaufschläge: Die Renditedifferenz französischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen lag zuletzt bei 137 Basispunkten, verglichen mit 85 Basispunkten vor einem Monat.
Derweil lässt die europäische Geldpolitik den Finanzministern wenig Raum für Entlastung. Weil die Inflation im Euroraum bei 3,8 Prozent verharrt, gilt ein schnelles Einlenken der Währungshüter als unwahrscheinlich. Die Terminmärkte preisen eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende zu 83 Prozent ein. Höhere Leitzinsen verteuern den Schuldendienst zusätzlich.
US-Zinsen stützen die US-Währung
Parallel dazu spielt die Zinsentwicklung in Übersee dem Dollar in die Hände. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf bis zu 5,3493 Prozent und markierte damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2002. Der Dollar profitierte spürbar von dieser Entwicklung. Gegenüber dem japanischen Yen schwächte sich die europäische Gemeinschaftswährung sieben Handelstage in Folge ab und fiel auf 177 Yen.
Konkrete Hinweise auf die wirtschaftliche Verfassung liefern in den kommenden Tagen die europäischen Einzelhandelsdaten für August sowie neue Einkaufsmanagerindizes für das Baugewerbe. In Spanien richtet sich das Augenmerk der Anleihemärkte nun auf den Wahltermin im November.


