Nach dem parlamentarischen Scheitern seiner Vorstöße gegen die Wohnungsnot zieht Pedro Sánchez die Reißleine. Spaniens Ministerpräsident hat vorgezogene Neuwahlen für den 29. November angesetzt. Der Urnengang könnte die politische Landschaft grundlegend umkrempeln: Umfragen signalisieren eine deutliche Mehrheit für ein konservatives Bündnis, was für Banken und Energiekonzerne das Ende kostspieliger Sonderabgaben bedeuten könnte.

Die Minderheitsregierung aus Sozialisten und Linksbündnis verfügte im Parlament über keinen verlässlichen Rückhalt mehr. Zuvor hatten sich katalanische Separatisten von der Koalition abgewendet und zusammen mit der konservativen Opposition gegen zwei Dekrete zur Mietenregulierung gestimmt. Ohne eine parlamentarische Mehrheit blieb der Regierungschef weitgehend handlungsunfähig; der letzte reguläre Staatshaushalt stammte noch aus dem Jahr 2023.

Umfragen deuten auf einen klaren Machtwechsel hin. In einer Erhebung vom 3. Oktober vereinen die konservative Partido Popular und die rechtspopulistische Vox zusammen 52,5 Prozent der Stimmen auf sich. Das bisherige Regierungslager liegt mit 37,5 Prozent weit abgeschlagen zurück.

Eine solche Mehrheit würde das rechte Lager im 350 Sitze zählenden Parlament komfortabel absichern. Auf regionaler Ebene kooperieren beide Parteien bereits in vier Regionen miteinander.

Sonderabgaben für Kernbranchen vor dem Aus

Ein politischer Wechsel dürfte vor allem stark regulierte Wirtschaftssektoren betreffen. Die Partido Popular plant, bestehende Sonderbelastungen für spanische Unternehmen abzuschaffen oder zumindest auslaufen zu lassen.

Besonders die Finanzbranche blickt auf diese Vorhaben. Die fünf führenden Institute Santander, BBVA, CaixaBank, Sabadell und Bankinter erzielten im Jahr 2025 zusammen rund 33,4 Milliarden Euro Reingewinn. Ein Wegfall der Bankenabgabe würde diese Erträge zusätzlich stützen. Ähnliche Erleichterungen stehen für Versorger wie Iberdrola, Endesa oder Repsol im Raum, falls die Sondersteuer auf Energieunternehmen nicht verlängert wird.

Parallel dazu könnte der Rüstungssektor weiteren Auftrieb erhalten. Spaniens Verteidigungsetat kletterte im Jahr 2025 auf 40,2 Milliarden Dollar, was 2,1 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Ein konservatives Kabinett könnte die Militärausgaben weiter anheben, wovon der heimische Technologiekonzern Indra Sistemas profitieren dürfte.

Der Urnengang am 29. November markiert eine wirtschaftspolitische Richtungsentscheidung. Bestätigen sich die Umfragen, dürften steuerliche Sonderlasten für Spaniens Schlüsselkonzerne bald Geschichte sein.