Spero Therapeutics krempelt sein Geschäftsmodell um. Aus dem Antibiotika-Spezialisten wird binnen eines Tages ein Immunologie-Unternehmen mit neuer Pipeline und frischem Kapital im Rücken. Zwei Transaktionen, gleichzeitig verkündet, geben der bisherigen Infektionskrankheiten-Strategie einen neuen Rahmen.

Lizenzdeal mit Innovent bringt neues Kernprogramm

Spero sichert sich von der chinesischen Innovent Biologics die weltweiten Exklusivrechte an SP001 (Innovent-Code: IBI355) – ausgenommen Greater China, wo Innovent selbst aktiv bleibt. Der Antikörper der dritten Generation richtet sich gegen CD40L, ein Signalprotein, das mehreren Immunprozessen vorgeschaltet ist. Innovent erhält dafür eine Vorabzahlung plus gestaffelte Meilenstein- und Lizenzzahlungen, die sich auf ein Gesamtvolumen von rund 1,1 Milliarden Dollar summieren können.

Spero plant, im zweiten Quartal 2027 eine Phase-2-Studie bei IgG4-assoziierter Erkrankung zu starten, einer chronischen fibroinflammatorischen Autoimmunerkrankung mit begrenzten Behandlungsoptionen. Innovent wiederum will bis Anfang 2027 eine eigene Phase-2-Studie in China für das Sjögren-Syndrom aufsetzen. Erste klinische Daten aus einer Phase-1b-Studie bei Sjögren-Patienten wurden bereits auf dem EULAR-Kongress 2026 vorgestellt.

105 Millionen Dollar aus Utebzi-Erlösen refinanzieren die neue Strategie

Parallel zur Lizenzvereinbarung hat Spero eine nicht verwässernde Finanzierung über 105 Millionen Dollar mit einer Tochtergesellschaft von Healthcare Royalty, einem KKR-Geschäftsbereich, abgeschlossen. Im Gegenzug erhält der Finanzierungspartner einen Teil künftiger Meilenstein- und Lizenzzahlungen aus dem Verkauf von Utebzi (Tebipenem Pivoxil), dessen Vermarktung bei GSK liegt – mit Ausnahme bestimmter asiatischer Märkte, die Meiji hält.

Utebzi war erst im Vormonat von der FDA für komplizierte Harnwegsinfektionen zugelassen worden. Die frischen Mittel sollen vor allem die klinische Entwicklung von SP001 finanzieren. Nach Abschluss der Transaktion aktualisiert Spero seine Liquiditätsplanung: Die Barreserven sollen nun bis in die zweite Jahreshälfte 2029 reichen, ein deutlich verlängerter Zeithorizont gegenüber der bisherigen Planung.

Nach Rückzahlung des Kreditbetrags behält Spero 35 Prozent der künftigen GSK-Zahlungen aus dem Utebzi-Geschäft – das Unternehmen bleibt also am langfristigen Erfolg des Antibiotikums beteiligt, obwohl ein Teil der kurzfristigen Erlöse bereits verplant ist. Mit SP001 als neuem Ankerprogramm und einer bis 2029 gesicherten Kapitaldecke verschiebt sich der Investment-Case von Spero spürbar: weg vom Nischenprodukt gegen Harnwegsinfektionen, hin zu einer breiter angelegten Immunologie-Pipeline mit potenziellem Milliardenwert.