Ein neuer ETF, der gezielt chinesische Anbieter ausschließt, eine lang ersehnte Genehmigung in Grönland und ein Wolframproduzent am Allzeithoch: Die Woche im Sektor kritischer Rohstoffe lieferte gleich mehrere Impulse, die über das übliche Nachrichtenrauschen deutlich hinausgingen. Im Zentrum steht der Start des Sprott Rare Earths Ex-China ETF — ein Produkt, das die institutionelle Architektur für westliche Lieferketten ein gutes Stück weiter zementiert.
Ein ETF als strukturelles Signal
Am 15. April ging der Sprott Rare Earths Ex-China ETF (Nasdaq: REXC) an den Start. Er bildet den gleichnamigen Nasdaq-Index ab und investiert ausschließlich in Unternehmen, die außerhalb Chinas Seltene Erden abbauen, trennen oder verarbeiten. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Peking kontrolliert nach wie vor den Großteil der globalen Förderung, Raffination und Magnetproduktion. Westliche Regierungen — allen voran die USA — behandeln alternative Lieferketten längst als Frage der nationalen Sicherheit.
Für kleinere Entwickler bedeutet die Aufnahme in einen solchen Index einen qualitativen Sprung bei der institutionellen Sichtbarkeit. Genau dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Woche der fünf hier betrachteten Werte.
Almonty Industries: Wolframpreis explodiert, Zentrale zieht nach Montana
Almonty hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Kursrallye von über 700 % hingelegt — und notiert am Freitag mit 32,07 CAD exakt auf dem 52-Wochen-Hoch. Hinter dieser Entwicklung steht eine fundamentale Transformation, keine bloße Spekulation.
Die wichtigste operative Nachricht: Das Flaggschiff-Projekt Sangdong in Südkorea hat nach über 30 Jahren Stillstand den Betrieb offiziell aufgenommen. Langfristige Abnahmeverträge für US-Verteidigungsanwendungen sichern die Produktion ab. Parallel dazu ist der Wolframpreis förmlich explodiert — der nachlaufende Zwölfmonats-Durchschnitt für APT stieg um 534 % auf 2.250 US-Dollar pro MTU.
Strategisch untermauert wird die Neuausrichtung durch den Umzug der Unternehmenszentrale nach Dillon, Montana. Der Schritt folgt auf die Übernahme des Gentung-Browns-Lake-Wolframprojekts und positioniert Almonty als dezidiert amerikanischen Lieferanten. Analysten honorieren den Wandel: Acht Analysten empfehlen den Kauf, keiner rät zum Verkauf. D.A. Davidson bestätigte zuletzt im März ein Buy-Rating. Ein DCF-Modell taxiert den fairen Wert auf 43,36 CAD je Aktie — rund ein Drittel über dem aktuellen Kurs.
Die Bewertung mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 22,9 wirkt ambitioniert. Ob sie gerechtfertigt ist, hängt davon ab, wie schnell Sangdong die volle Kapazität erreicht — geplant bis 2027, mit dem Ziel, rund 40 % der westlichen Wolframnachfrage zu decken.
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Graphite One: Milliarden-Finanzierung in Reichweite, Kurs konsolidiert
Während Almonty feiert, verdaut Graphite One die Folgen zweier Kapitalerhöhungen. Im Februar sammelte das Unternehmen 35 Mio. CAD ein, nachdem bereits zuvor 30 Mio. CAD geflossen waren. Das Geld fließt in die Anodenwerk-Komponente des integrierten Graphitprojekts in Alaska. Der Kurs notiert bei 0,85 USD und hat sich seit Jahresbeginn um knapp 28 % verbilligt — die Verwässerung drückt.
Das Projekt selbst bleibt beeindruckend: Graphite Creek nördlich von Nome beherbergt laut U.S. Geological Survey die größte natürliche Graphitlagerstätte der Vereinigten Staaten. Geplant ist ein vertikal integriertes Unternehmen, das vom Abbau über die Verarbeitung bis zur Herstellung von Anodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt.
Der potenzielle Gamechanger liegt auf der Finanzierungsseite: Die EXIM Bank hat Interesse an einer Finanzierung von bis zu 2,07 Mrd. USD signalisiert. Sollte diese Zusage Realität werden, würde sich die Kapitalstruktur des Projekts grundlegend verändern. Das Konsens-Kursziel der Analysten liegt bei 2,85 CAD — mehr als dreimal so hoch wie der aktuelle Kurs. Kurzfristig halten viele die Bewertung allerdings für überzogen, solange das Unternehmen keinen Umsatz generiert.
European Lithium: Grönland-Genehmigung räumt das größte Hindernis aus dem Weg
Die wohl gewichtigste Einzelnachricht der Woche kam von European Lithium. Am 17. April genehmigte die grönländische Regierung die Übertragung der verbleibenden 50,5 % an Tanbreez Mining Greenland A/S an Critical Metals Corp. Damit steigt deren Gesamtbeteiligung auf 92,5 %. European Lithium behält 7,5 % an Tanbreez sowie 37,5 % an der an der Nasdaq notierten Critical Metals Corp.
Diese Genehmigung beseitigt die bedeutendste regulatorische Unsicherheit, die über der Grönland-Strategie des Unternehmens hing. Konkret stehen jetzt zwei Meilensteine an:
- Mai 2026: Start der Pilotanlage
- Juni 2026: Versand einer 150-Tonnen-Massenprobe an potenzielle Abnehmer in der EU, den USA und Saudi-Arabien
Im März hatte unabhängiges Testing eine rund 40-prozentige Verbesserung der Konzentratqualität auf 2,96 % TREO bestätigt — ein metallurgischer Durchbruch, der die kommerzielle Verwertbarkeit untermauert.
Die Bilanz bleibt allerdings widersprüchlich. Einerseits verfügt European Lithium nach dem Verkauf von Critical-Metals-Anteilen im Januar über liquide Mittel von rund 322 Mio. AUD. Am 15. April startete zudem ein sechsmonatiges Aktienrückkaufprogramm für bis zu 135 Mio. Aktien. Andererseits haben Wirtschaftsprüfer für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 Going-Concern-Warnungen ausgesprochen — bedingt durch ein Betriebskapitaldefizit und anhaltende Projektverluste bei Tanbreez. Pikantes Detail: Die 45,5 Mio. Aktien an Critical Metals Corp repräsentieren einen Marktwert von etwa 454,6 Mio. USD — mehr als die eigene Marktkapitalisierung von European Lithium.
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Lynas Rare Earths: Westlicher Platzhirsch mit Margenproblem
Lynas ist und bleibt der Referenzwert des Sektors. Als einziger Produzent von separierten schweren Seltenen Erden (Dysprosium und Terbium) außerhalb Chinas nimmt das Unternehmen eine Position ein, die sich kaum replizieren lässt. Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 19,5 Mrd. AUD — ein Vielfaches jedes anderen hier betrachteten Wertes.
Die jüngsten Vertragsabschlüsse unterstreichen diese Sonderstellung. Lynas USA hat eine bindende Absichtserklärung mit der US-Regierung über die Lieferung von Seltene-Erden-Oxiden unterzeichnet. Noch marktbewegender war die Verlängerung des Liefervertrags mit Japan Australia Rare Earths bis 2038, inklusive einer Abnahmevereinbarung über mindestens 5.000 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid zu einem Mindestpreis von 110 USD pro Kilogramm. Die Aktie legte an dem Tag um 16 % zu.
Die Ertragslage gibt jedoch Anlass zur Skepsis. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz zwar um 20 % auf 556,5 Mio. AUD, der Gewinn brach aber um über 90 % ein. Die Ursache: hohe Investitionsausgaben und Anlaufkosten der Verarbeitungsanlage in Kalgoorlie. Morgan Stanley hält am Buy-Rating fest, Ord Minnett empfiehlt hingegen den Verkauf. Ein RSI von 26 signalisiert zudem eine kurzfristig überverkaufte Situation — bei einem Kurs von 12,85 Euro liegt die Aktie nur gut 3 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Apex Critical Metals: ETF-Aufnahme als Türöffner
Für Apex Critical Metals war die Aufnahme in den Sprott REXC-ETF der zentrale Katalysator der Woche. Das Explorationsunternehmen entwickelt das Rift-Projekt im Elk-Creek-Karbonatit-Komplex in Nebraska — eine Lagerstätte, die historische Bohrergebnisse von bis zu 155,5 Metern mit 2,70 % REO und 68,2 Metern mit 3,32 % REO aufweist.
Die Indexaufnahme verschafft dem Unternehmen erstmals systematischen Zugang zu institutionellem Kapital. Gleichzeitig baut Apex seine Präsenz in Washington aus: Im Mai nimmt das Management an der Critical Materials Conference: Aerospace & Defence teil, gemeinsam mit Vertretern von MP Materials, Rio Tinto, Boeing, der U.S. Air Force und Lockheed Martin.
Der Kurs notiert bei 1,36 Euro und hat sich vom 52-Wochen-Hoch bei 3,00 Euro deutlich entfernt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 173 Mio. CAD und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 8,37 bei anhaltendem Nettoverlust bleibt Apex eine Wette auf die Zukunft. Die kurzfristige Schwäche nach dem steilen Anstieg im Vorjahr deutet auf Gewinnmitnahmen hin.
Produzenten, Entwickler und der Indexeffekt
Die fünf Titel decken das gesamte Spektrum der kritischen Rohstoffwertschöpfung ab — und die Performanceunterschiede spiegeln genau das wider:
- Lynas als einziger skalierter Produzent außerhalb Chinas handelt mit einem KGV von rund 260 — eine Prämie, die seine Unersetzbarkeit einpreist
- Almonty hat den Sprung vom Entwickler zum Produzenten geschafft und profitiert vom historischen Wolframpreisanstieg
- European Lithium bietet das komplexeste Chance-Risiko-Profil: enorme Liquidität trifft auf Going-Concern-Warnungen
- Graphite One und Apex Critical Metals stehen noch am Anfang der Wertschöpfung, gewinnen aber institutionelle Aufmerksamkeit
Westliche Lieferketten rücken ins institutionelle Rampenlicht
Die nächsten Wochen liefern für jede der fünf Aktien klar definierte Prüfsteine. European Lithiums Pilotanlage im Mai wird zeigen, ob Laborergebnisse in kommerzielle Realität übersetzbar sind. Almonty muss den Hochlauf in Sangdong Richtung Nennkapazität vorantreiben, um die ambitionierte Bewertung zu rechtfertigen. Bei Lynas steht die Kostenoptimierung in Kalgoorlie im Fokus — ohne Margenverbesserung wird die Analystengemeinde gespalten bleiben. Graphite Ones Weg führt über den EXIM-Bank-Finanzierungsprozess. Und Apex nutzt die frische ETF-Sichtbarkeit, um auf der Washingtoner Konferenz Kontakte in Industrie und Verteidigung zu vertiefen.
Der Sprott-ETF-Start ist mehr als ein Produktlaunch. Er markiert den Moment, in dem die institutionelle Infrastruktur für westliche Seltene-Erden-Investments eine neue Reifestufe erreicht. Alle fünf Unternehmen befinden sich an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung — aber sie alle sind jetzt fest im Blickfeld institutioneller Investoren angekommen.
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