Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail hat innerhalb weniger Tage eine Reihe bedeutender Aufträge in Nordamerika und Europa gesichert. Besonders der Durchbruch auf dem kanadischen Markt und ein historischer Auftrag der SBB Cargo untermauern die aktuelle Wachstumsphase des Konzerns.
Durchbruch im nordamerikanischen Fernverkehr
Die kanadische VIA Rail Canada hat Stadler Rail den Auftrag zur Lieferung von 45 Hybridlokomotiven erteilt. Das Volumen für die Beschaffung der Fahrzeuge beläuft sich auf rund 1,6 Milliarden CAD. Die neuen Lokomotiven verfügen über einen kombinierten Diesel-Batterie-Antrieb, leisten 4 Megawatt und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h. Ein besonderes Merkmal ist die Widerstandsfähigkeit gegen extreme Wetterbedingungen: Die Technik ist für Temperaturen von bis zu -50 Grad Celsius ausgelegt.
Im Rahmen dieses Großprojekts investiert die kanadische Regierung zudem in die lokale Infrastruktur. Ein neues Montage- und Wartungswerk wird für 357 Millionen CAD in Montreal errichtet. Bis zu 36 der bestellten Einheiten sollen dort endmontiert werden, was rund 1.200 neue Arbeitsplätze schafft. Der kanadische Verkehrsminister Steven MacKinnon betonte, dass damit erstmals seit 25 Jahren wieder eine Lokomotivmontage in Montreal stattfindet. Für Stadler beinhaltet der Vertrag zudem eine technische Unterstützung und Ersatzteillieferung über einen Zeitraum von 20 Jahren.
Rückkehr in den Schweizer Lokomotivmarkt
Auch auf dem Heimatmarkt meldet das Unternehmen heute einen strategisch wichtigen Erfolg. SBB Cargo hat bei Stadler 36 elektrische Mehrsystem-Lokomotiven bestellt, ergänzt durch eine Option auf 93 weitere Einheiten. Damit werden erstmals seit den 1990er-Jahren wieder Lokomotiven aus Schweizer Produktion für die Bundesbahnen im Einsatz sein. Die neuen Triebfahrzeuge sollen ab 2027 ausgeliefert werden und herkömmliche Modelle von Wettbewerbern wie Siemens oder Alstom ersetzen.
Die Produktion erfolgt im Werk in Valencia, wobei das technologische Know-how und rund 50 Prozent der Komponenten aus der Schweiz stammen. Durch eine stärkere Standardisierung der Flotte erwartet SBB Cargo eine Senkung der Betriebskosten um etwa 60 Prozent. Parallel dazu sicherte sich der Hersteller einen Auftrag des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS). Für rund 190 Millionen CHF werden 20 neue Triebzüge für die Linie RE5 produziert, was die Kapazität auf dieser Strecke um die Hälfte steigern soll.
Expansion im Regionalverkehr und Osteuropa
Über die Großaufträge hinaus baut Stadler seine Präsenz in weiteren Regionen aus. In Ungarn wurde am gestrigen Donnerstag der erste von elf neuen FLIRT-Intercity-Zügen an das Bahnunternehmen GYSEV übergeben. Diese Züge, die im polnischen Werk in Siedlce gefertigt wurden, sollen ab 2027 unter anderem auf den Strecken zwischen Sopron, Budapest und Zielen in Österreich verkehren.
Auch in den USA verzeichnet das Unternehmen Fortschritte. Die Stadt Austin hat Stadler für die Lieferung neuer Stadtbahnfahrzeuge des Typs CityLink ausgewählt. Das Projekt umfasst eine erste Investition von 39 Millionen US-Dollar. Iñigo Parra von Stadler hob im Kontext der internationalen Erfolge hervor, dass insbesondere die Nachhaltigkeit der Hybrid-Lösungen und die hohe Recyclingquote der Fahrzeuge von über 92 Prozent entscheidende Faktoren bei den jüngsten Ausschreibungen waren.
Die positive Auftragsentwicklung spiegelt sich auch im Börsenkurs wider. Mit einem aktuellen Wert von 27,24 € notiert das Papier nur noch rund 2,23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn konnte der Anteilsschein bereits um 25,76 Prozent zulegen.
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