Ein Milliardenauftrag nähert sich der Umsatzwirksamkeit — genau dann, wenn Stadler Rail sie am dringendsten braucht. Am 20. April besuchte der spanische Verkehrsminister Óscar Puente das Testzentrum Albacete. Dort laufen die finalen Tests vor der ersten Übergabe an Renfe.

Fünf Züge stehen bereit: drei T100-Vierteiler und zwei T200-Achtteiler. Es sind die ersten von insgesamt 79 Fahrzeugen aus einem Auftrag im Wert von 1,3 Milliarden Euro. Stadler plant danach monatliche Auslieferungen — bis Ende 2026 sollen neun T100 und acht T200 an Renfe gehen.

Cashflow bleibt das Kernproblem

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Stadler erfasst Umsätze erst bei endgültiger Fahrzeugübergabe. Die regelmäßigen Renfe-Lieferungen könnten den Cashflow im zweiten Halbjahr spürbar entlasten.

Denn der freie Cashflow drückt ins Minus. Finanzchef Raphael Widmer rechnet auch für 2026 noch nicht mit einem positiven Nettoumlaufvermögen — trotz eines Rekordjahres 2025. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Schweizer Franken, der Reingewinn verdoppelte sich auf knapp 101 Millionen Franken.

Für 2026 hat das Management die Messlatte hoch gelegt: Umsatz deutlich über 5 Milliarden Franken, EBIT-Marge über 5 Prozent. Das wäre ein Sprung von rund 35 Prozent beim Umsatz und ein Margenplus gegenüber den 4,4 Prozent aus 2025. Der Kapitalmarkt bleibt skeptisch. Laut UBS-Daten gehört die Aktie zu den meistleerverkauften Titeln im Schweizer Markt. Nur einer von neun Analysten empfiehlt den Kauf.

Technische Rückschläge und juristische Risiken

Neben dem Cashflow lasten operative Probleme auf dem Unternehmen. Die Abnahme des Modells TINA wurde in Darmstadt und Basel wegen Lärm- und Vibrationsproblemen an Drehgestellen gestoppt. 25 Fahrzeuge müssen bis Ende 2026 auf eigene Kosten nachgerüstet werden. Tests zeigen immerhin eine Reduktion der Bodenvibrationen um bis zu 51 Prozent.

Parallel ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft, warum das Notbremssystem eines Tramlink-Modells bei einem Unfall in Mailand nicht auslöste.

Auf der Habenseite: Die Eurodual-Lokomotiven von European Loc Pool erhielten Zulassungen für Slowenien und Kroatien. Damit können sie auf dem paneuropäischen Korridor X fahren — der Route von Mitteleuropa in Richtung Türkei.

Generalversammlung und Halbjahresbericht als nächste Wegmarken

Am 5. Mai treffen sich die Aktionäre in Zürich. Auf der Tagesordnung stehen Verwaltungsratswahlen und eine vorgeschlagene Dividende von 0,50 Schweizer Franken — nach 0,20 Franken im Vorjahr. Die Aktie notiert aktuell bei rund 23,64 Euro und hat sich seit dem 52-Wochen-Tief im März deutlich erholt, liegt aber noch knapp 6 Prozent unter dem Jahreshoch vom April.

Den eigentlichen Test liefert der Halbjahresbericht im August 2026. Dann muss das Management zeigen, ob die Renfe-Auslieferungen und die Effizienzmaßnahmen den Cashflow tatsächlich drehen — oder ob die Jahresziele schon zur Jahresmitte wackeln.