Starke US-Jobs spalten Rohstoffe — Gold, Silber, Öl und Kupfer vor CPI-Entscheidung

Starke US-Arbeitsmarktdaten belasten Edelmetalle, während Öl durch Nahostkonflikt steigt. Der CPI am Mittwoch wird richtungsweisend.

Gold Aktie
Kurz & knapp:
  • Gold fällt unter Zinsdruck
  • Silber verliert über 8 Prozent
  • Brent steigt auf 97 Dollar
  • Kupfer zeigt technisches Warnsignal

172.000 neue Stellen statt der erwarteten 85.000: Der Mai-Arbeitsmarktbericht aus den USA hat die Rohstoffmärkte zum Wochenausklang durchgeschüttelt. Gold und Silber brachen unter dem Druck steigender Anleiherenditen ein, während die Ölpreise von einer neuen Eskalation im Nahen Osten gestützt wurden. Am Mittwoch folgt mit den US-Inflationsdaten der nächste Stresstest für den gesamten Sektor.

Gold: Schwere Korrektur trifft auf robuste Zentralbanknachfrage

Der Goldpreis schloss die Woche bei 4.352,90 USD — ein Wochenminus von rund 3,6 Prozent. Starke Beschäftigungszahlen haben die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der Fed regelrecht pulverisiert. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,536 Prozent, was den Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall einen kräftigen Schub gab.

Die Kapitalflüsse bestätigen den Stimmungswandel. Beim SPDR Gold Shares, dem weltweit größten physisch besicherten Gold-ETF, haben die Abflüsse zuletzt deutlich an Tempo gewonnen.

Gegengewicht zu diesem kurzfristigen Druck bildet die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken. Im ersten Quartal 2026 kauften sie netto 244 Tonnen Gold. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Goldbarren auf 397,7 Tonnen — ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Solche Volumina zeigen, dass institutionelle Käufer den hohen Preis in Kauf nehmen.

Charttechnisch gilt jetzt die Marke von 4.250 USD als entscheidende Unterstützung. Bricht diese, sehen technische Analysten weiteres Korrekturpotenzial. Auf der strategischen Seite stehen dagegen ambitionierte Kursziele: JPMorgan hält 6.300 USD bis Jahresende für erreichbar, Goldman Sachs bekräftigte nach dem Märzrücksetzer sein Ziel von 5.400 USD je Feinunze. Die Divergenz zwischen kurzfristiger Schwäche und langfristigem Bullencase war selten größer.

Silber: Brutaler Tagesverlust, spekulatives Kapital hält still

Am Freitag verlor Silber 8,32 Prozent an einem einzigen Handelstag und schloss bei 67,96 USD. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf knapp 9,6 Prozent. Von seinem 52-Wochen-Hoch trennen das Metall mittlerweile über 44 Prozent — eine Dimension, die selbst für das notorisch volatile Silber ungewöhnlich ist.

Silbers Doppelrolle als Edel- und Industriemetall macht es besonders verwundbar. Steigende Zinsen drücken die Edelmetallkomponente, Wachstumsskepsis belastet die industrielle Perspektive. Ein klassischer Zangengriff.

Bemerkenswert: Trotz des Kursrutsches halten spekulative Anleger am Terminmarkt ihre Positionen. Offenbar rechnen sie mit einer Gegenbewegung — und das strukturelle Argument dafür ist durchaus vorhanden. Der Silver Institute erwartet für 2026 ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen. Allein die Solarindustrie verschlingt jährlich 230 Millionen Unzen. Wachsende KI-Infrastruktur könnte den industriellen Bedarf weiter steigern.

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Die Analystenprognosen liegen weit über dem aktuellen Kurs:

  • J.P. Morgan sieht den Jahresdurchschnitt 2026 bei 81 USD
  • UBS erwartet Ende Juni 85 USD, im September ebenfalls 85 USD
  • Ein Reuters-Survey verortet den Durchschnittspreis bei rund 79,50 USD

Entweder liegen diese Schätzungen falsch — oder Silber hat sich massiv vom fundamental gerechtfertigten Niveau entfernt.

Brent Crude: Iranische Raketen treiben den Preis zurück über 97 USD

Kaum hatten die Jobdaten die Rohstoffmärkte erschüttert, schoss ein ganz anderer Treiber in den Vordergrund. Iranische Raketenangriffe auf Israel — die ersten seit zwei Monaten — katapultierten Brent am frühen Montag auf rund 97 USD je Barrel. Ein Tagesplus von etwa vier Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 92,89 USD.

Die Dynamik am Ölmarkt folgt einer grundlegend anderen Logik als bei den Edelmetallen. Während Gold und Silber unter dem Zinsdruck ächzen, dominiert bei Brent das geopolitische Risikopremium. Die faktische Einschränkung der Straße von Hormuz hat rund 14 Millionen Barrel an täglicher Lieferkapazität aus dem Persischen Golf gekappt — die gravierendste Versorgungskrise in der Geschichte des Ölmarktes.

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gelten als festgefahren. Diplomatische Fortschritte sind kaum erkennbar, die anhaltenden israelischen Militäroperationen im Libanon bleiben ein zentraler Streitpunkt. OPEC+ beschloss zwar eine Produktionserhöhung für Juli um 188.000 Barrel pro Tag. Dieses Volumen kann das Hormuz-bedingte Defizit nicht annähernd ausgleichen.

Goldman Sachs beschreibt die Marktlage als „zweiseitiges Risiko“ und prognostiziert Brent im vierten Quartal bei 90 USD. Die Analysten erwarten, dass sich die Preise bis 2027 im Korridor von 90 bis 100 USD bewegen — selbst wenn die Meerenge wieder öffnet.

Rohöl WTI: Erholung nach zwei Verlusttagen — China bleibt Sorgenkind

WTI-Futures stiegen am Montag über 93 USD je Barrel und machten damit zwei aufeinanderfolgende Verlustsitzungen wett. Die iranischen Raketenangriffe lieferten den Impuls für die Erholung. Seit Jahresbeginn liegt WTI fast 60 Prozent im Plus.

Der Iran-Konflikt hat den WTI-Markt seit Ende Februar grundlegend verändert. Im März schoss der Preis bis auf 119 USD, bevor die am 9. April vereinbarte Waffenruhe ihn zurück in den 80-Dollar-Bereich drückte. Jede neue Eskalation kann Kursbewegungen von fünf bis 15 USD an einem einzigen Tag auslösen.

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Neben der Geopolitik gibt es einen zweiten, oft übersehenen Faktor: die Nachfrageseite schwächelt. Chinesische Rohölimporte fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Die Raffinerieaktivität im wichtigsten Importland der Welt lässt nach. Gleichzeitig sanken die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche zum sechsten Mal in Folge.

Citi warnt vor Aufwärtsrisiken, sieht aber einen gewissen Puffer durch hohe globale Lagerbestände und schwächere Nachfrage. Der Schlüsselpunkt der Bank: Der Iran kontrolliert nach wie vor das Timing eines möglichen Hormuz-Abkommens — und damit den wichtigsten Preistreiber am Ölmarkt.

Kupfer: Charttechnisches Warnsignal trotz fundamentaler Stärke

Am 5. Juni kreuzte Kupfer die 20-Tage-Linie nach unten — ein technisches Warnsignal, das Händler aufhorchen lässt. Mit einem Wochenminus von rund 4,5 Prozent und einem Schlusskurs von 6,28 USD je Pfund hat sich das Industriemetall von seinen jüngsten Rekordhöhen entfernt. Der RSI bei 48,4 signalisiert eine neutrale bis leicht schwächelnde Marktlage.

Die kurzfristigen Belastungen sind klar: steigende Zinsen drücken auf die Nachfrageaussichten, die Nahostkrise bremst globale Wachstumserwartungen. Hinzu kommt Unsicherheit über mögliche US-Zölle auf Kupferimporte. Händler haben bereits vorsorglich Lieferungen in US-Häfen umgeleitet.

Das fundamentale Bild steht dazu in scharfem Kontrast:

  • Chile meldete die schwächste Aprilproduktion seit 23 Jahren
  • UBS erwartet ein globales Nachfragewachstum von 2,8 Prozent für 2026
  • Elektrofahrzeuge, Stromnetzausbau und Rechenzentren treiben die strukturelle Nachfrage
  • Sinkende Erzgehalte begrenzen das Produktionswachstum

Solange der Bereich um 5,00 USD hält, bleibt aus charttechnischer Sicht der Weg in Richtung 7,00 bis 7,50 USD offen. Kupfer nimmt damit eine Mittelposition im Rohstoffkomplex ein: fundamental robust, kurzfristig aber eingeklemmt zwischen Zinsangst und geopolitischer Unsicherheit.

Inflationsdaten am Mittwoch als Weichenstellung für den Rohstoffsektor

Der US-Verbraucherpreisindex für Mai wird am Mittwoch, dem 10. Juni, veröffentlicht. Im April lag die Inflation bei 3,8 Prozent — dem höchsten Stand seit Mai 2023. Energiepreise lieferten mehr als 40 Prozent des monatlichen Gesamtanstiegs.

Für Gold und Silber ist die Ausgangslage eindeutig: Ein weiterer Inflationsschub würde den Zinsdruck verstärken und die Edelmetalle erneut belasten. Kühlt die Teuerung überraschend ab, könnten die Märkte Zinssenkungsfantasien neu einpreisen. Die Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni folgt unmittelbar auf die Daten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis Jahresende liegt inzwischen bei rund 30 Prozent.

Am Ölmarkt bleibt der geopolitische Faktor dominant. Kein Inflationsdatenpunkt kann die Hormuz-Krise lösen. Für Kupfer wird der CPI zum Stimmungsindikator für die globale Wachstumsperspektive — und damit zum Richtungsgeber für die kommenden Wochen. Ein starker US-Arbeitsmarkt hat den Rohstoffsektor gespalten. Der Mittwoch wird zeigen, ob diese Spaltung bestehen bleibt.

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