Die Hoffnung der US-Notenbank auf eine schmerzfreie Abkühlung der Konjunktur gerät ins Wanken. Neue Daten zeigen eine überraschend dynamische Wirtschaft, während der Preisdruck wieder zunimmt. Für Fed-Chef Kevin Warsh wird es damit schwer, seine abwartende Haltung bei den Leitzinsen beizubehalten. An den Finanzmärkten steigen die Erwartungen an eine baldige Straffung.
Konsum und Ausrüstungsinvestitionen treiben das Wachstum
Im dritten Quartal wuchs das US-Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 3,4 Prozent. Dieser Zuwachs liegt spürbar über der Rate, die Notenbanker langfristig für tragfähig halten. Der Median der langfristigen Wachstumsprognosen aus den Reihen der Fed liegt bei 2,0 Prozent.
Getragen wurde dieser Schub vor allem von der Kauflaune der Verbraucher und den Ausgaben der Unternehmen. Der private Konsum legte um 3,8 Prozent zu. Parallel dazu schossen die Investitionen in Geschäftsausstattung um 20,9 Prozent in die Höhe, gestützt durch anhaltende Ausgaben für künstliche Intelligenz.
Dieser anhaltende Expansionskurs wirft Fragen auf. Warsh hatte die Zinsen am Mittwoch unverändert gelassen und argumentiert, die Wirtschaft sei nicht überhitzt. Produktivitätsgewinne könnten ein höheres Wachstum ohne Inflation ermöglichen. Die jüngsten Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass die Nachfrage die Produktionskapazitäten übersteigt.
Zähe Inflation bei Dienstleistungen
Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Preisauftrieb wieder beschleunigt. Der von der Fed favorisierte Preisindex für persönliche Konsumausgaben stieg im September um 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte das Plus noch bei 3,4 Prozent gelegen.
Die Teuerung frisst sich breit durch den Markt. Bei rund 50 bis 60 Prozent der Posten im Warenkorb lag die jährliche Preissteigerung im September über der Schwelle von 3 Prozent. Insbesondere im Dienstleistungssektor erweist sich die Inflation als hartnäckig, während der Rohölpreis mit über 113 Dollar je Barrel Brent die Kosten zusätzlich antreibt.
Innerhalb des geldpolitischen Rats formiert sich bereits Widerstand gegen den Kurs des Vorsitzenden. Bei der Zinsentscheidung am Mittwoch stimmten mit Lisa Cook und Beth Hammack bereits zwei Mitglieder für eine sofortige Anhebung.
Für die kommende Zinssitzung am 8. und 9. Dezember preisen die Terminmärkte eine Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent ein. Hält die Dynamik bei Konsum und Preisen an, dürften im kommenden Jahr weitere Schritte folgen.


