Der US-Arbeitsmarkt stemmt sich gegen die jüngsten Konjunktursorgen und öffnet der Federal Reserve die Tür für eine Zinserhöhung im Dezember. Im Oktober entstanden 165.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft – erwartet worden war lediglich ein Zuwachs um 65.000. Damit verfestigt sich an den Märkten die Erwartung, dass die Notenbank ihren restriktiven Kurs zügig fortsetzt.
Besonders in Dienstleistungsberufen, im Gesundheitswesen sowie im Transportsektor stellten Unternehmen neue Mitarbeiter ein. Obendrein wurden die Daten der beiden Vormonate um insgesamt 84.000 Stellen nach oben korrigiert. Die Arbeitslosenquote sank parallel dazu auf 4,1 Prozent, nachdem sie im Vormonat noch bei 4,2 Prozent gelegen hatte.
Trotz des anhaltenden Inflationsdrucks und geopolitischer Unsicherheiten zeigt sich die Beschäftigungslage widerstandsfähig. Entlassungen verharren auf historisch niedrigem Niveau, während die Erwerbsquote wieder anzieht. Befürchtungen, dass der anhaltende Stellenzuwachs die Teuerung weiter anheizt, teilen Ökonomen allerdings nur bedingt.
Anleiherenditen ziehen an
Ein differenzierteres Bild liefert der Blick auf die Löhne. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,1 Prozent, nach 3,2 Prozent im September. Dieser Zuwachs schwächt sich im längerfristigen Trend zwar ab, reale Einkommensverluste bleiben angesichts hoher Lebenshaltungskosten jedoch eine spürbare Last für private Haushalte.
Die Reaktion an den Finanzmärkten folgte unmittelbar. Am Rentenmarkt kletterte die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen um fünf Basispunkte auf 4,52 Prozent, während die richtungsweisende zehnjährige Rendite 4,88 Prozent erreichte. Auch der US-Dollar legte im Handel spürbar zu.
An den Aktienmärkten stabilisierten sich die Notierungen nach den deutlichen Verlusten des Vortags. Vor allem Technologietitel verzeichneten im vorbörslichen Handel leichte Erholungen. Marktbeobachter werten die Stärke des Arbeitsmarktes als Bestätigung dafür, dass die US-Notenbank weiterhin vorrangig die Inflation bekämpfen kann, ohne die Gesamtwirtschaft abzuwürgen.
Zinserhöhung im Dezember rückt näher
Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei der abschließenden Notenbanksitzung im Dezember wird an den Terminmärkten inzwischen mit 78 Prozent beziffert – vor Veröffentlichung der Daten lag der Wert noch bei 70 Prozent. Nach dem ersten Zinsschritt seit drei Jahren im vergangenen September sprechen die robusten Arbeitsmarktzahlen dafür, dass die Währungshüter die Kreditkosten zum Jahresausklang erneut anheben.


