Steigende Anleiherenditen, ein anziehender Dollar und anhaltende Zinssorgen haben am Kryptomarkt eine Welle von Zwangsverkäufen ausgelöst. Der Kurs von Bitcoin fiel zeitweise bis auf 82.771,79 Dollar zurück, während gehebelte Wetten in großem Umfang glattgestellt wurden. Binnen 24 Stunden summierten sich die Liquidationen am Markt auf 696 Millionen Dollar, wovon allein 644 Millionen Dollar auf aufgelöste Long-Positionen entfielen.

Makroökonomischer Gegenwind dämpft die Risikofreude

Verantwortlich für den Rücksetzer ist vor allem die Lage an den globalen Rentenmärkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 5,328 Prozent, während 30-jährige Papiere eine Rendite von 5,715 Prozent erreichten. Wenn festverzinsliche Wertpapiere wieder spürbar Ertrag abwerfen, steigen die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Kryptowährungen.

Parallel dazu legte die US-Währung zu. Der Dollar-Index, der den Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen misst, stieg um 0,57 Prozent auf 102,41 Punkte. Das verteuert dollarbasierte Krypto-Assets und drückt auf die Bewertungen.

Die gesamte Marktkapitalisierung des Sektors sank um 3,5 Prozent auf 2,83 Billionen Dollar. Gleichzeitig zog das Handelsvolumen um 34 Prozent an, was den schnellen Umschlag während des Preisrückgangs unterstreicht.

Ethereum und Altcoins verzeichnen stärkere Abschläge

Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum traf es noch deutlicher als den Marktführer. Der Kurs gab um 5,4 Prozent auf 2.563,86 Dollar nach. Belastend wirkten hier auch die institutionellen Kapitalströme: Bei den US-notierten Spot-ETFs für Ethereum standen am Dienstag Nettoabflüsse von 202 Millionen Dollar zu Buche.

Andere alternative Token folgten der Abwärtsbewegung. XRP verlor 5,4 Prozent auf 1,43 Dollar. Der Kurs von Solana gab um rund 4,0 Prozent auf 116,09 Dollar nach, während BNB um 2,3 Prozent nachgab.

Der Fokus der Marktteilnehmer richtet sich nun auf die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung am Mittwochabend. Die darin festgehaltenen Diskussionen der Währungshüter dürften zeigen, wie geschlossen die US-Notenbank hinter weiteren Zinsanhebungen bis zum Jahresende steht. Mitte Oktober folgt mit den US-Verbraucherpreisen der nächste richtungweisende Datenpunkt für die Zinsaussichten.