Die weltweiten Anleihemärkte geraten spürbar unter Verkaufsdruck. Weil die US-Wirtschaft überraschend robust läuft und Notenbanker weitere Zinserhöhungen andeuten, klettern die Renditen von Staatsanleihen rund um den Globus auf Mehrjahreshochs. Die steigenden Zinsen verteuern die Finanzierung für Unternehmen und belasten zeitgleich die Aktienkurse.
In den Vereinigten Staaten übersprang die Rendite fünfjähriger Staatsanleihen die Marke von 5,03 Prozent. Das ist der höchste Wert seit fast zwanzig Jahren. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Papiere hielt sich derweil bei 5,11 Prozent, einem Niveau wie zuletzt im Jahr 2007.
Der Zinsdruck erfasst auch Tokio
Die Bewegung blieb nicht auf Amerika beschränkt. An den asiatischen Handelsplätzen zogen die Renditen unmittelbar nach. In Japan kletterte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe um acht Basispunkte auf 3,06 Prozent – ein Stand, der zuletzt im August 1996 gemessen wurde.
Auslöser der weltweiten Neubewertung sind Konjunkturdaten aus den USA, die stärker ausfielen als von Ökonomen erwartet. Die Unternehmensaktivität erreichte im September einen Mehrjahreshöchststand. Für die US-Notenbank Federal Reserve bedeutet das zusätzliche Arbeit gegen die zähe Inflation. Fed-Gouverneur Michael Barr signalisierte bereits, dass die jüngste Anhebung der Leitzinsen auf 3,75 bis 4,00 Prozent womöglich nicht ausreicht.
Belastungsprobe für Aktienmärkte
An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt um mindestens 25 Basispunkte im kommenden Monat inzwischen auf 71 Prozent beziffert. Marktteilnehmer kalkulieren bis weit ins nächste Jahr hinein mit weiteren Anhebungen.
An den Börsen hinterlässt das spürbare Bremsspuren. Vor allem zinssensible Technologietitel und Versorger gaben an der Wall Street nach. Für neue Impulse dürften an diesem Donnerstag die Reden weiterer US-Notenbanker sorgen, darunter New-York-Fed-Präsident John Williams. Zudem stehen frische Daten zu den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe an.


