Der Automobilkonzern Stellantis sieht sich mit einer massiven Rückrufwelle konfrontiert. Während das Unternehmen technische Probleme bei fast einer Million Fahrzeugen weltweit beheben muss, gerät der Konzern zusätzlich durch neue Handelsbarrieren zwischen den USA und Kanada unter Druck.
Softwarefehler betrifft nordamerikanische Kernmarken
Weltweit ruft Stellantis rund 955.000 Fahrzeuge wegen eines Softwarefehlers in der Rückfahrkamera zurück. Betroffen sind laut Medienberichten primär die Radio- und Multimediasysteme, die unter bestimmten Bedingungen die Anzeige des Kamerabildes blockieren können. Der Großteil der betroffenen Einheiten entfällt mit 848.511 Fahrzeugen auf den US-amerikanischen Markt, weitere 82.869 Autos sind in Kanada registriert.
Die Sicherheitsmaßnahme umfasst eine breite Palette bekannter Modelle, darunter den Chrysler Pacifica sowie den Dodge Charger der Modelljahre 2026 und 2027. Auch Jeep-Modelle wie der Wrangler, der Grand Cherokee und der Compass sind betroffen.
Laut Konzernangaben lässt sich das Problem über ein drahtloses Software-Update lösen, sodass betroffene Fahrzeughalter keine Werkstatt aufsuchen müssen. Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit dem Defekt sind dem Unternehmen bislang nicht bekannt. Die Benachrichtigung der Kunden soll im kommenden Monat beginnen.
Neue Zölle verschärfen die angespannte Lage
Zeitgleich mit den technischen Herausforderungen sieht sich Stellantis mit einer veränderten Handelspolitik in Nordamerika konfrontiert. Am heutigen Mittwoch treten in den USA neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Waren aus kanadischer Produktion in Kraft. Die Maßnahme belastet die ohnehin angespannte Kalkulation des Konzerns, der in Kanada über bedeutende Standorte verfügt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Werk in Brampton, Ontario. Die Produktion an diesem Standort ist bereits seit Februar des vergangenen Jahres eingestellt. Während Stellantis bisher keine offiziellen Verkaufspläne bestätigt hat, interessieren sich laut Berichten kanadische Verteidigungsunternehmen für das Gelände.
Die Verlagerung der Produktion des Jeep Compass von Brampton in den US-Bundesstaat Illinois unterstreicht den Rückzug aus der kanadischen Fertigung in Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen.
Analystenskepsis und strategische Investitionen
An der Börse wird die Entwicklung mit großer Zurückhaltung aufgenommen. Die Analysten der Bank of America bewerten den Titel derzeit mit „Underperform“. Auch das Analysehaus HSBC bleibt vorsichtig und stuft die Aktie mit „Reduce“ ein. Im Fokus steht dabei die Profitabilität des Konzerns, die zuletzt durch strategische Anpassungen und den Übergang zu neuen Elektroplattformen unter Druck geraten war. Vor rund zwei Wochen hatte Stellantis zudem neue Führungskräfte ernannt, um auf die operativen Schwierigkeiten zu reagieren.
Trotz der aktuellen Krisenherde hält der Konzern an seinen langfristigen Investitionsplänen fest. Mehr als 800 Millionen US-Dollar fließen in die Modernisierung des Werks in Belvidere. Dort soll die neue „STLA One“-Plattform entstehen, die als technische Basis für künftige Modelle dient. Das Ziel ist eine Senkung der Produktionskosten um etwa 30 Prozent.
Nachdem die Aktie am gestrigen Dienstag massiv unter Druck stand, zeigt sich im heutigen Handel eine leichte Gegenbewegung. Mit einem aktuellen Kurs von 4,53 Euro notiert das Papier 3,2 Prozent höher als am Vortag. Dennoch spiegelt die Entwicklung die tiefgreifende Krise des laufenden Jahres wider: Seit Jahresbeginn hat der Wert rund 52 Prozent an Boden verloren.
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