Der Automobilkonzern Stellantis treibt seine globale Neuausrichtung voran und setzt dabei verstärkt auf chinesische Technologie, um in Nordamerika neue Marktsegmente zu erschließen. CEO Antonio Filosa prüft derzeit intensiv, Fahrzeuge der chinesischen Marke Leapmotor nach Mexiko und Kanada zu bringen. Stellantis hält einen Anteil von 51 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Leapmotor, das für den Vertrieb außerhalb Chinas zuständig ist. Die Aktie spiegelt den massiven Umbauprozess und das schwierige Marktumfeld wider: Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert einen Rückgang von 46,39 Prozent.
Strategische Expansion und Produktionspläne
Im Zentrum der Überlegungen steht die Nutzung brachliegender Kapazitäten. Das Werk in Brampton, Ontario, das nach dem Auslaufen der Modelle Dodge Charger und Challenger derzeit nicht ausgelastet ist, wird als möglicher Standort für die Produktion von Leapmotor-Fahrzeugen gehandelt. Diese Strategie zielt darauf ab, die Werke besser auszulasten und gleichzeitig preisgünstige Elektromodelle anzubieten, ohne direkt in den hochregulierten US-Markt einzutreten. Kanada erlaubt derzeit die Einfuhr von bis zu 49.000 chinesischen Elektrofahrzeugen pro Jahr.
Während die Expansion nach Norden und Süden vorbereitet wird, zeigt sich das US-Geschäft zweigeteilt. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Verkäufe in den USA um 6 Prozent, wobei insbesondere die Marke Ram stützte. Ram verfolgt das Ziel, Jeep bis zum Ende des Jahrzehnts als volumenstärkste Marke des Konzerns in Nordamerika abzulösen. Dennoch bleibt die finanzielle Lage dort angespannt. Aufgrund einer negativen Gewinnmarge von 3,1 Prozent in Nordamerika im Jahr 2025 werden die UAW-Arbeiter für diesen Zeitraum keine Gewinnbeteiligung erhalten – ein deutlicher Kontrast zu den Wettbewerbern Ford und GM, die Bonuszahlungen leisten.
Operative Spannungen und Streiks in Europa
In Europa sieht sich Stellantis mit wachsendem Widerstand der Belegschaft und Produktionsproblemen konfrontiert. Die Gewerkschaft USB rief für den 17. Juli zu Streiks im Werk Atessa auf, wobei verschlechterte Arbeitsbedingungen und eine zu hohe Taktung der Linien als Gründe genannt wurden. Auch am Standort Melfi ist die Lage prekär: Die Produktion liegt mit etwa 150 Fahrzeugen pro Schicht nur noch bei der Hälfte des Niveaus vom Juni. Hier sorgen sich die Beschäftigten um mögliche Arbeitsplatzverluste, da der Konzern verstärkt auf Elektro- und Hybridmodelle setzt, deren Marktakzeptanz hinter den Erwartungen bleibt.
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus der Lieferkette. Der wichtige Zulieferer Marelli Holdings, der Stellantis unter anderem mit Beleuchtung und Elektronik versorgt, hat Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Mit Verbindlichkeiten von rund 4,9 Milliarden US-Dollar könnte diese Insolvenz die Produktionsstabilität gefährden und Stellantis dazu zwingen, Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten neu zu bewerten. Der aktuelle Börsenkurs von 5,07 € verdeutlicht die Skepsis der Anleger angesichts dieser operativen Hürden.
Markenstrategie und digitaler Ausbau
Trotz der Sparmaßnahmen und Restrukturierungen investiert Stellantis in die Kundenbindung und die Attraktivität seiner Marken. Ab 2027 sollen die meisten Modelle zehn Jahre lang kostenlose vernetzte Dienste („Connect One“) erhalten, was Funktionen wie Fernstart und Over-the-Air-Updates umfasst. Marken wie Alfa Romeo konnten im ersten Halbjahr 2026 signifikante Erfolge verbuchen, mit einem Absatzplus von 24 Prozent in Großbritannien und sogar 95 Prozent in Japan.
Hingegen wurde die Produktpipeline an anderer Stelle gestrafft. Der geplante Lancia Delta wurde aus der Roadmap bis 2030 gestrichen; lediglich der Gamma Crossover bleibt für diese Marke bestätigt. Stellantis konzentriert 70 Prozent seiner Produktinvestitionen auf vier globale Kernmarken, was die konsequente Priorisierung unterstreicht. Mit einem Abstand von 51,70 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bleibt der Aufholbedarf an der Börse jedoch beträchtlich. Für das Gesamtjahr 2026 gab das Management eine Prognose aus, die ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich bei einer niedrigen einstelligen operativen Marge vorsieht.
Stellantis-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Stellantis-Analyse vom 18. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Stellantis-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Stellantis-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 18. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Stellantis: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

