Der Automobilkonzern Stellantis treibt die Modernisierung seiner Nutzfahrzeugsparte mit massiven Investitionen voran. Das Unternehmen plant, jeweils mehr als eine Milliarde Euro in Standorte in Frankreich und Italien zu fließen, um neue Modelle zu entwickeln und die Produktion zu automatisieren. Diese Vorhaben sind Teil der Strategie „Pro One“, die bis zum Ende des Jahrzehnts elf neue oder überarbeitete Nutzfahrzeugmodelle vorsieht.
Großinvestitionen in Frankreich und Italien
In Nordfrankreich plant Stellantis am Standort Hordain eine Investition von über einer Milliarde Euro. Wie Bloomberg berichtet, soll das Kapital in die Entwicklung und den Bau eines neuen Vans fließen. Neben der Modernisierung des Werks umfasst die Zusage auch Forschungs- und Entwicklungsleistungen an weiteren französischen Standorten.
Ein Ziel dieser Maßnahmen ist es, die jährlichen Kosten bis zum Jahr 2028 um insgesamt 6 Milliarden Euro zu senken. Parallel dazu strebt der Konzern an, die europäische Kapazitätsauslastung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern.
Zeitgleich kündigte das Unternehmen eine Investition in gleicher Höhe für das Werk Atessa in Italien an. Auch dort steht die Produktion eines neuen Transporters im Mittelpunkt.
Während italienische Gewerkschaften wie die FIOM CGIL die Investitionszusage grundsätzlich begrüßten, äußerten sie Besorgnis um die regionale Zuliefererstruktur. So herrscht Unsicherheit bei Zulieferbetrieben wie Isringhausen, wo Hunderte Arbeitsplätze von Anschlussaufträgen für neue Modellvarianten abhängen.
Strategische Trennung der Weltmärkte
Auf einer Investorenkonferenz in New York erläuterte CEO Antonio Filosa die künftige Ausrichtung des Konzerns. Er sieht den globalen Automarkt zunehmend in zwei getrennte Hemisphären gespalten: die USA auf der einen Seite und den Rest der Welt auf der anderen.
Für den US-Markt setzt Stellantis vollständig auf heimische Entwicklungen. Kooperationen mit chinesischen Herstellern wie Leapmotor oder Dongfeng, die in Europa und anderen Regionen zur Auslastung untergenutzter Werke beitragen sollen, sind für die Modelle in Nordamerika ausdrücklich nicht vorgesehen.
In den USA will Stellantis seine Marktabdeckung deutlich erhöhen. Von derzeit 60 Prozent soll der Anteil der abgedeckten Segmente bis 2028 auf 90 Prozent steigen. Dies soll durch neue Modelle auf gemeinsamen Plattformen erreicht werden, während der Konzern rund 40 Prozent seines gesamten Investitionsbudgets von 60 Milliarden Euro global in neue Fahrzeugplattformen, Technologien und gemeinsame Vermögenswerte lenkt. Zu den geplanten Neueinführungen gehören unter anderem aufgefrischte Versionen der Modelle Jeep Wrangler und Gladiator für das Jahr 2027.
Marktumfeld und personelle Weichenstellungen
An den Börsen verzeichnete die Aktie gestern eine leichte Erholung. Das Papier schloss am Freitag mit einem Plus von 2,4 Prozent bei 4,66 Euro. Trotz dieser kurzfristigen Stabilisierung bleibt die Lage für Anleger herausfordernd, da der Wert seit Jahresbeginn rund 51 Prozent an Boden verloren hat. Damit notiert der Kurs aktuell etwa 30 Prozent unter seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.
Zusätzlich zu den marktstrategischen Themen befasst sich das Management mit Handelshemmnissen. Neue Zölle in Kanada belasten das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Nettobetrag zwischen 1,0 und 1,2 Milliarden Euro. Zudem steht Stellantis in Kanada vor dem Ablauf eines Tarifvertrags im Werk Brampton am 20. September.
Um die politischen und regulatorischen Herausforderungen künftig zentraler zu steuern, gab das Unternehmen die Ernennung von Michele Ziosi zum Chief Public Affairs Officer bekannt. Ziosi wird sein Amt am 1. Oktober antreten und sowohl an den Europachef als auch direkt an CEO Filosa berichten. Er wechselt von der Iveco Group zu Stellantis und bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Interessenvertretung und Nachhaltigkeitsstrategie mit.
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