Gegen günstige Elektroautos aus China setzt Europas Autoindustrie auf ein Argument, das die Konkurrenz nicht kopieren kann: Geschichte. Stellantis hat diese Woche auf dem Pariser Autosalon eine elektrische Neuauflage des Citroën 2CV vorgestellt, der von 1948 bis 1990 gebaut wurde.
Nostalgie als Wettbewerbsvorteil
Der Hintergrund ist handfest. Chinesische Hersteller wie BYD und Geely kamen im zweiten Quartal bereits auf knapp 11 Prozent des europäischen Marktes. Ihre Modelle sind oft günstiger und technisch weiter als die der heimischen Marken.
Besonders im Segment der Kleinwagen drückt der Preiskampf. Dort sind die Margen niedrig, jeder zusätzliche Mehrwert zählt. Ein Designstratege von Car Design Research verweist darauf, dass der Retro-Trend gerade bei kleinen, erschwinglichen Stromern auftritt, weil der Druck aus China dort am stärksten ausfällt.
Das Vorbild liefert Renault. Die elektrische Neuauflage des R5 ist in diesem Jahr der meistverkaufte mittelgroße Stromer Europas und hat das Halbjahresumsatzplus des Konzerns von 9 Prozent mitgetragen. Volkswagen zieht mit dem ID. Polo nach, der sich an der Golf-Ära der 1980er orientiert.
Stellantis zielt mit dem neuen 2CV auf zwei Gruppen: eingefleischte Fans des Originals und ein breiteres Publikum, das ein bezahlbares E-Auto sucht. Vor dem Start befragte Citroën Sammler des Klassikers. Sie nannten Erschwinglichkeit, einfache Bedienung und das markante Faltdach als Kernmerkmale.
Grenzen der Strategie
Der Ansatz hat Risiken. Renaults Designchef Laurens van den Acker warnt, Ikonen seien nicht ewig, und die Masche funktioniere vor allem in Europa, wo Familien Modellen oft über Generationen treu bleiben. Der VW ID. Buzz zeigt, wie schnell die Begeisterung verfliegen kann: Das anfängliche Interesse ließ nach, als US-Kunden Preis und Reichweite abschreckten.
Hinzu kommt die Gefahr, Fans zu enttäuschen. Der Vorsitzende eines französischen 2CV-Clubs fordert, die Neuauflage müsse den emotionalen Reiz des Originals einfangen.
Jeep schließt Jubiläumsserie ab
Auch bei der Konzernmarke Jeep spielt Tradition eine Rolle. Mit dem Wrangler Switchback erscheint die zwölfte und letzte Sonderedition der Serie zum 85-jährigen Markenjubiläum. Die Bestellungen starten im November, das Paket kostet 2.870 Dollar. Die Preise des zugrunde liegenden Rubicon X beginnen bei 66.695 Dollar.
Die Aktie schloss zuletzt bei 3,97 Euro, ein Minus von 0,85 Prozent. Ob der 2CV an den Erfolg des Renault 5 anknüpft, hängt vor allem von Preis und Marktstart ab. Beides hat Stellantis bislang nicht genannt.
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