Ein Kurssturz bei STMicroelectronics hat am Donnerstag die gesamte europäische Chipbranche erfasst. Die Aktie des französisch-italienischen Halbleiterkonzerns brach an der Pariser Börse zeitweise um bis zu 17 Prozent ein und testete im Tief bei 48,545 Euro die 100-Tage-Linie. Zum Handelsende lag das Minus noch bei knapp 15 Prozent auf 49,57 Euro — und riss Infineon, Suss Microtec sowie weitere Werte mit nach unten.
Dabei lieferte STMicro auf den ersten Blick solide Zahlen. Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte um 26 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzungen von rund 3,51 Milliarden US-Dollar knapp. Aus dem operativen Verlust des Vorjahresquartals von 133 Millionen US-Dollar wurde ein Gewinn von 187 Millionen US-Dollar, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 222 Millionen US-Dollar hängen.
Der Haken liegt im Ausblick
Der eigentliche Auslöser für den Kursrutsch war die Prognose für das dritte Quartal. STMicro rechnet dort mit einem Umsatz von 3,70 Milliarden US-Dollar — spürbar unter der Konsenserwartung von knapp 3,8 Milliarden US-Dollar. Jefferies-Analyst Janardan Menon vermutet, dass die Fertigung des iPhone 18 langsamer anläuft als bislang angenommen, was auch das implizite Jahresziel des Konzerns hinter seinen Schätzungen zurückbleiben lässt.
Konzernchef Jean-Marc Chery verwies dagegen auf kräftige Auftragseingänge in allen Endmärkten und erste Anzeichen knapper Lieferkapazitäten bei einzelnen Produktkategorien. Besonders das Geschäft mit Chips für KI-Rechenzentren entwickelt sich zum Wachstumstreiber: STMicro erwartet hier für das laufende Jahr Umsätze von mehr als einer Milliarde US-Dollar, 2027 soll die Marke von zwei Milliarden Dollar deutlich überschritten werden. Für das vierte Quartal stellte der Konzern zudem einen weiteren Wachstumsschub mit Erlösen von mehr als vier Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Jefferies bleibt trotz Ausverkauf optimistisch
Trotz des heftigen Kursrutsches hält Jefferies an seiner „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 82 Euro fest. Die Bruttomarge von 34,8 Prozent im zweiten Quartal lag über dem Vorjahreswert von 33,5 Prozent, und auch die Margenprognose für das dritte Quartal von rund 37 Prozent übertrifft die Erwartungen des Analysten von 36,2 Prozent.
Der Ausverkauf blieb nicht auf STMicro beschränkt. Infineon verlor als DAX-Schlusslicht deutlich, Suss Microtec gab im MDAX nach. Verstärkt wurde die schwache Branchenstimmung durch ein Minus von fast sechs Prozent bei Texas Instruments im vorbörslichen US-Handel — obwohl der Konkurrent seine eigene Prognose zuvor angehoben hatte.
Die Diskrepanz zwischen starken Quartalszahlen und einem als zu vorsichtig empfundenen Ausblick prägt damit das Bild bei STMicro. Ob der Konzern die selbst gesteckten Ziele im Rechenzentrumsgeschäft und beim Umsatzschub im vierten Quartal erreicht, dürfte die nächste wichtige Wegmarke für die Aktie sein.
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